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Experte für Asylrecht warnt: "Wir müssen aufpassen, wen wir zum Deutschen machen"

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Experte für Asylrecht warnt: "Wir müssen aufpassen, wen wir zum Deutschen machen" | Sean Gallup via Getty Images
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  • Ein Experte für Asylrecht warnt davor, bei der Vergabe der deutschen Staatsbürgerschaft zu leichtfertig zu handeln
  • Er sieht USA als Vorbild bei Einwanderungspolitik

Kay Hailbronner, Chef des des Konstanzer Forschungszentrums Ausländer- und Asylrecht warnt vor zu laschen Maßstäben bei der Vergabe der deutschen Staatsbürgerschaft.

Im Interview mit der Zeitung "Die Welt" sagte Hailbronner: "Wir müssen besser aufpassen, wen wir zum Deutschen machen.“

Derzeit bekomme die Staatsangehörigkeit "qua Geburt, wer mindestens ein Elternteil mit unbefristetem Aufenthaltsrecht hat und wer acht Jahre legal im Land ist. Das gewährleistet noch lange keine Integration", sagte der Rechtswissenschaftler.

Hailbronner warnt vor Salafisten

Gefahren sieht Hailbronner etwa, wenn "Migranten in einer total salafistischen oder integrationsfeindlichen familiären Umgebung aufwachsen und die deutsche Staatsangehörigkeit erlangen."

In der Union waren in der Vergangenheit Forderungen aufgekommen, Deutschen, die sich in islamistischen Organisationen etwa am Syrienkrieg beteiligten, ihre Staatsangehörigkeit zu entziehen.

Diesen Vorstoß betrachtet Hailbronner als nicht durchführbar. "Eine Entziehung der deutschen Staatsangehörigkeit ist grundsätzlich ohne eine Grundgesetzänderung nicht möglich", erklärte er.

Experte sieht USA als Vorbild bei Einwanderung

Zudem äußerte Hailbronner Kritik am europäischen Asylsystem. Die Politik der klassischen Einwanderungsländer USA, Kanada und Australien sei dagegen "sinnvoll“.

Diese nähmen nur sehr beschränkt irreguläre Flüchtlinge auf, dafür viele "im Wege der Auswahl aus den Krisenregionen“.

Nach Deutschland gelangten dagegen wesentlich mehr Schutzsuchende über irreguläre Migration als über die humanitäre Aufnahme aus den Krisenstaaten.

Kontingentflüchtlinge sind Flüchtlinge, die der aufnehmende Staat im Rahmen einer vorher festgelegten Anzahl von Migranten auswählt, um sie aus einem Krisengebiet auszufliegen. Im Rahmen des EU-Türkei-Pakts wurde ein Kontingent von 72.000 Flüchtlingen beschlossen, die aus der Türkei in die EU gebracht werden. Wie viele davon nach Deutschland kommen, ist nicht klar.

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterstützen könnt:

Die Nachrichten von ertrunkenen Flüchtlingen nehmen kein Ende. Auch, weil es viel zu wenig Rettungskräfte auf dem Mittelmeer gibt. Hier versucht die Mannschaft des Schiffes Sea Watch 2. zu helfen. Spenden benötigt die Crew für Nahrung, Schwimmwesten und Medikamente.

Auf der sogenannten Balkanroute ist ein großer Teil der Flüchtlinge unterwegs. Der Verein Soups & Socks versorgt Flüchtlinge hier mit einer warmen Mahlzeit und anderen lebensnotwendigen Dingen. Hier geht es weiter zur Soups & Socks Tour.

Ein weiteres Problem sind die vielen unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge in Berlin. Ihnen vermittelt die Organisation Akinda beispielsweise einen gesetzlichen Vertreter. Wie das geht, beschreiben die Initiatoren hier.


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