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Mehr Drogentote in Deutschland: Grünen-Suchtexperte bezeichnet Verbotspolitik als "gescheitert"

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Mehr Drogentote in Deutschland: Grünen-Suchtexperte bezeichnet Verbotspolitik als "gescheitert" | Getty Images
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  • Die Zahl der Drogentoten in Deutschland ist in einem Jahr um knapp 20 Prozent gestiegen
  • Grünen-Suchtexperte Harald Terpe fordert die Bundesregierung zu einem Kurswechsel in der Drogenpolitik auf
  • "Die Verbotspolitik ist gescheitert", sagt Terpe

Heroin, Kokain und Crystal Meth: Im vergangenen Jahr sind in Deutschland etwa 1200 Menschen am Konsum illegaler Drogen gestorben - 19 Prozent mehr als noch 2014.

Hauptursache sei eine Überdosierung von Opiaten alleine oder in Verbindung mit anderen Substanzen, teilt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), bei der Präsentation der Jahresstatistik zum Thema Rauschgifthandel und Drogentote in Deutschland mit.

Zahl der Crystal-Toten deutlich gestiegen

Vor allem der wachsende Crystal-Konsum in den östlichen Bundesländern an der tschechischen Grenze fordert seinen Tribut. Im Vorjahresvergleich sind die durch Crystal verursachten Todesfälle um 26 Prozent gestiegen, heißt es im Bericht, den Mortler gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt in Berlin vorgestellt hat.

In Sachsen wird die Droge auch in den Kreißsälen immer häufiger zum Problem: In Dresden hat sich die Zahl der Crystal-Geburten inzwischen verzehnfacht. Die Babys der abhängigen Frauen kommen teils mit einem zu kleinen Kopf auf die Welt, erleiden Krampfanfälle.

"Legal Highs" sollen verboten werden

"Für mich ist die Botschaft klar", sagt die Drogenbeauftragte, "die Drogen- und Suchtpolitik darf trotz aller Herausforderungen nicht an Gewicht verlieren, das gilt insbesondere bei steigenden Todeszahlen."

Deshalb werde die Bundesregierung kommende Woche eine Gesetzentwurf zu neuen psychoaktiven Stoffen beschließen. Weil diese alternativen Drogen oft übers Internet und teilweise sogar legal bezogen werden könnten, stellen sie aus Sicht der Drogenbeauftragten eine besondere Gefahr dar.

Heroin-Abhängige sollen Zugang zu Methadon bekommen

"Ebenso wichtig ist mir die umfassende Reform des Substitutionsrechts, an der das Bundesministerium für Gesundheit mit Hochdruck arbeitet. Ich möchte, dass in Zukunft noch mehr Abhängige einen Zugang zu Methadon und anderen Substituten erhalten, gerade auch in den ländlichen Räumen“, sagt Mortler.

Die Grünen sehen das anders. Mehr Prävention, weniger Repression, lautet dort die Antwort auf die wachsende Zahl der Drogentoten in Deutschland. Mit dieser Begründung hatte die Hansestadt Bremen zum Weltkiffertag auch den Vorstoß bei der Legalisierung der weichen Droge Cannabis gerechtfertigt.

Grüne und SPD fordern Abkehr vom repressiven Kurs

Langfristiges Ziel der dortigen rot-grünen Landesregierung ist eine Abkehr von der bisherigen repressiven Kurs des Bundes. "Die Verbotspolitik ist gescheitert", sagt nun auch der Grünen-Suchtexperte Harald Terpe.

Angesichts der gestiegenen Zahl der Drogentoten fordert Terpe die Bundesregierung zu einem Kurswechsel auf: "Die Organisierte Kriminalität macht weiterhin satte Gewinne, Jugendschutz und Suchtprävention spielen auf dem Schwarzmarkt keine Rolle."

Die Grünen wollen Cannabis legalisieren und hatten dazu im vergangenen Jahr einen Gesetzentwurf vorgelegt. Terpe sagte mit Blick auf die Legalisierung: "Statt durch eine staatlich regulierte Abgabe endlich Jugend- und Verbraucherschutz zu schaffen, wird der Verfolgungsdruck hochgehalten, ohne zu hinterfragen, ob dieses Vorgehen überhaupt etwas bringt."

Mit Material der dpa

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