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Alle schauen auf ihre Aussagen über den Islam und Flüchtlinge - aber so wahnsinnig sind die Ideen von AfD-Mitgliedern wirklich

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PETRY
dpa
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Die AfD machte in den vergangenen Wochen vor allem mit ihren radikalen Äußerungen über Flüchtlinge und den Islam Schlagzeilen. Der Islam gehöre nicht zu Deutschland, befanden die Parteigranden. Andere lobten die strikte Asylpolitik in Österreich.

Diese Themen werden auch am Wochenende in Stuttgart auf dem Bundesparteitag der AfD wieder eine große Rolle spielen und die Medien werden berichten.

Doch während sich viele Beobachter auf die fremden- und islamfeindlichen Tendenzen in der Partei konzentrieren, gehen andere ziemlich verrückte und gefährliche Ideen mancher Parteimitglieder unter. Sie zeigen, dass die AfD mittlerweile ein Auffangbecken für Verschwörungstheoretiker aller Art ist - und dass die Partei wichtige Errungenschaften wie den Klimaschutz am liebsten sofort abschaffen will.

Hier sind einige der eher eigenwilligen Ideen der AfD und ihrer Mitglieder, die am Wochenende beim Parteitag eine Rolle spielen werden:

1. Kampf gegen Chemtrails

Eine der verrücktesten Verschwörungstheorien, denen AfD-Mitglieder anhängen, sind sogenannte Chemtrails. Dabei handelt es sich um die Kondensstreifen, die Flugzeuge am Himmel hinterlassen.

Diese Kondensstreifen sollen eine Verschwörung der USA sein, um durch gefährliche Chemikalien einen weltweiten Völkermord auszulösen. Politiker und Insider würden mit Medikamenten versorgt, die gegen die Wirkung der Chemikalien immun machen. Klingt verrückt? Ist es auch.

Doch das hindert einige AfD-Mitglieder nicht daran, das Thema auf die parteipolitische Agenda zu setzen. So sammelte kürzlich ein AfD-Mitglied Unterschriften auf Facebook, um den Kampf gegen Chemtrails im Parteiprogramm der Partei zu verankern (er scheiterte).

Auch in Bremen trat zur Wahl eine AfD-Kandidatin an, die sich in ihrer Freizeit dem Kampf gegen die Chemtrails verschrieben hat.

Beobachter auf dem letzten Parteitag in Essen beschrieben, dass zahlreiche AfD-Mitglieder sich im Kampf gegen Chemtrails engagieren. Auch an diesem Wochenende in Stuttgart könnten sich also Mitglieder dafür aussprechen, dass der Kampf gegen die vermeintliche Verschwörung in das Parteiprogramm aufgenommen wird.

2. Kinder sollen mit 12 ins Gefängnis

Dass die AfD eher rückwärtsgewandt ist, ist bekannt. Doch bei ihren Ideen, wie mehr Sicherheit geschaffen werden kann, geht die Partei in die Jahre 1943 und 1871 zurück. Die AfD fordert in ihrem Programm, dass künftig auch zwölfjährige ins Gefängnis kommen können, bisher liegt die Grenze bei 14 Jahren. Und das aus gutem Grund: Denn Experten gehen davon aus, Kinder vorher die Tragweite ihre Handlungen nicht voll einschätzen können.

Ähnlich radikale Ideen hat die Partei in Bezug auf psychisch kranke Straftäter: Die sollen künftig nicht mehr in psychiatrischen Krankenhäusern untergebracht werden, sondern ins Gefängnis in Sicherungsverwahrung kommen.

3. Abtreibungen sollen verboten werden

In ihrem Parteiprogamm fordert die Partei eine "Gesetzeskorrektur", sollte die Zahl der Abtreibungen nicht von alleine sinken. Mit anderen Worten: Abtreibungen sollen erschwert oder am besten ganz abgeschafft werden. Der Hintergrund: Die AfD sorgt sich um die „Fruchtbarkeitsraten“ der weiblichen Bevölkerung - so formulierte es zumindest vor kurzem der Landesverband in Sachsen-Anhalt in seinem Wahlprogramm.

Erfolg hat die AfD mit dieser Idee unter anderem bei kirchlichen Gruppen und bisher unpolitischen Abtreibungsgegnern.

4. AfD-Mitglieder gehen gegen Bilderberger vor

Den Bilderbergern werfen Verschwörungstheoretiker schon lange vor, die Machtübernahme der Welt anzustreben. In diesem Jahr findet die Bilderbergerkonferenz, eine Art Denkfabrik von Politiker und Unternehmensgrößen, in Dresden statt.

Das Treffen hat die AfD in Sachsen auf den Plan gerufen. So schreibt der parlamentarische Geschäftsführer der AfD in Sachsen auf Facebook: "Auf der Bilderberg-Konferenz treffen sich selbsternannte Eliten, um die Umgestaltung der Welt nach ihren eigenen Vorstellungen zu forcieren." Und weiter: "Unter strenger Geheimhaltung werden hier Weichen für politische und wirtschaftliche Entwicklungen gestellt und die demokratische Mitbestimmung der nationalen Parlamente ausgehebelt."

Kein Wunder, dass die AfD Demonstrationen gegen die Konferenz in Dresden angekündigt hat.

5. Der Klimawandel existiert nicht

Jahrzehnte der Klimaforschung sind den "Experten" in der AfD ziemlich schnurz. Erderwärmung? Sei ganz natürlich, finden viele AfD-Mitglieder. Die Partei schreibt: "Kohlendioxid ist kein Schadstoff, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil allen Lebens." Das stimmt zwar, doch ist es wissenschaftlich unumstritten, dass CO2 auch ein Klimagas ist und eine gefährliche Erderwärmung antreibt, die Hunger und Wetterkatastrophen auslösen könnte.

Da der Klimawandel laut AfD nicht menschengemacht ist, will die Partei auch die Förderung der erneuerbaren Energien auf Eis legen.

Die Ideen der AfD zum Klimawandel haben nun zu einer Art Familienfehde geführt: So kritisierte der renommierte Klimaforscher Hans von Storch kürzlich seine Nichte Beatrix von Storch (Stellvertretende Bundessprecherin der AfD und Krawallnudel der Partei) hart: Die Ansichten zum Klimawandel der Partei seien wenig mehr als "Stammtischparolen".

6. Die Weltverschwörung der Finanzelite

Während das Wahlprogramm der AfD im Bereich Wirtschaft sehr an Ideen der FDP angelehnt ist, sind sich einige Mitglieder der Partei nicht zu schade, gegen eine finanzpolitische Weltverschwörung zu wettern. So referierte Iris Wassill von der AfD in Bayern kürzlich bei einem Vortrag über "Machteliten", die vor allem aus bekannten jüdischen Familien wie den Rockefellers und den Rothschilds bestehen würden.

Diese Machteliten würden - um das Volk kleinzuhalten - einen Überwachungsstaat schaffen und durch Sicherheitsdienste ihren Einfluss sichern. Geholfen werde ihnen dabei von "korrupten" Politikern.

7. Ist die AfD selbst Teil einer großer Verschwörung?

Aber manchem Verschwörungstheoretiker reichen selbst die Verschwörungstheorien der AfD nicht. Sie haben schon einen neuen unglaublichen Verdacht, den sie in den sozialen Netzwerken äußern: Nämlich, dass die AfD ein Konstrukt der Bundesregierung sei; eine Art "Sündenbock-Partei", die die Wut der Bürger kanalisiert.

Aber mal ehrlich: Eine Partei wie die AfD könnte sich nicht mal der verrückteste Spin-Doctor ausdenken.

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