Huffpost Germany

Betrugsmasche: Mit diesem dreisten Trick zocken deutsche Unternehmen den Sozialstaat ab

Veröffentlicht: Aktualisiert:
CONSTRUCTION SITE GERMANY
Betrugsmasche: Mit diesem Trick zocken deutsche Unternehmen den Sozialstaat ab | JOHN MACDOUGALL via Getty Images
Drucken
  • Unternehmen betrügen offenbar im großen Stil den Sozialstaat
  • Sie zahlen ihren Angestellten trotz Vollzeitarbeit einen Hungerlohn - und der Staat zahlt den Rest

Einige Unternehmen in Deutschland haben eine neue Betrugsmasche entwickelt: Sie lassen den Steuerzahler Gehalt für ihre Arbeiter zahlen und streichen selbst den Gewinn ein.

Konkret funktioniert das so: Arbeiter malochen in Vollzeit. Die Firma zahlt ihnen einen Lohn etwa in Höhe eines Minijobs von 450 Euro – und zeigt ihnen, wie sie die Papiere fürs Arbeitsamt ausfüllen – oder fälschen - müssen, um mit Hilfe von Arbeitslosengeld II ihr Einkommen auf ein Existenzminimum aufzustocken.

So werden zum Beispiel die tatsächlichen Arbeitszeiten nach unten korrigiert. Oder der Lohn. Das berichtet die Sendung „Report Mainz“ des SWR.

Betrug auf dem Bau, beim Putzen, im Restaurant

Demnach schlug der Leiter des Jobcenters Offenbach, Matthias Schulze-Böing, Alarm. Einige Unternehmen vor allem aus der Bau- und der Reinigungsbranche sowie der Gastronomie ließen vor allem Bulgaren so arbeiten.

Er hat beobachtet, dass Berater der Unternehmen die Arbeiter sogar bis ins Jobcenter begleiteten. „Report Mainz“ hat türkische Hintermänner gefunden, die gezielt türkische Minderheiten in Bulgarien für diese Arbeiten rekrutierten.

Die Rechercheure beschreiben einen ähnlichen Verdacht in Bremerhaven. Dort prüfe die Staatsanwaltschaft 1000 verdächtige Fälle. Das Bundesarbeitsministerium bestätigte „Report Mainz“, dass im vergangenen Jahr Nationalitäten-übergreifend „59.074 Überzahlungen im Zusammenhang mit nicht oder in zu geringem Umfang angezeigter Beschäftigung festgestellt“ worden seien.

Es gibt noch mehr Hinweise auf Missbrauch: Im Zuwanderungsmonitor des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) vom März ist den Wissenschaftlern der hohe Anteil an Aufstockern unter Bulgaren und Rumänen aufgefallen: „So waren im November 2015 rund 42 Prozent der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten aus Bulgarien und Rumänien erwerbstätig, im Vergleich zu 30 Prozent bei den Ausländern insgesamt.“

Auch auf HuffPost:

Deutschland steht vor einer dramatischen Krise - und die wird uns alle betreffen