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"Ein Hologramm für den König": Kulturschock für Tom Hanks

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Yousef (Alexander Black) und Alan (Tom Hanks) in der Wüste von Saudi-Arabien

Zwei, die sich verstehen: Regisseur Tom Tykwer (50, "Cloud Atlas") und Oscar-Gewinner Tom Hanks (59, "Bridge of Spies - Der Unterhändler") haben ihren zweiten gemeinsamem Film gedreht. "Ein Hologramm für den König" spielt in Saudi-Arabien, auch wenn nur wenige Filmszenen tatsächlich dort entstanden sind. Es ist ein ruhiger Film über die Midlife-Crisis und darüber, wie ein Kulturschock manchmal eine neue Perspektive auf das eigene Leben schaffen kann. Dem Tom-Doppelpack gelingt es, das Spiel mit Klischees geschickt umzusetzen und den wahren Kern dabei nicht aus den Augen zu verlieren.

Tom Hanks in der arabischen Welt

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Alan Clay (Tom Hanks), Alter 54, Opfer der Bankenkrise, bekommt eine letzte Chance. Er soll innovative Hologramm-Kommunikationstechnologie an den Mann, besser gesagt den König bringen: König Abdullah von Saudi-Arabien lässt in der arabischen Wüste eine strahlende Wirtschaftsmetropole errichten. Doch der König kommt nicht. Nicht am ersten Tag, nicht am zweiten - und auch nicht in den Tagen danach. In diesen Tagen der Unverbindlichkeit und des Wartens wird der junge Fahrer Yousef (Alexander Black) Alans Gefährte.

Durch ihn erlebt er die Widersprüchlichkeiten eines Landes zwischen Aufbruch und Stillstand, zwischen Tradition und Moderne. Und er lernt die schöne Ärztin Zahra (Sarita Choudhury) kennen. Dank dieser Begegnungen und der neuen kulturellen Eindrücke entwickelt sich Alan Clay vom zielstrebigen und erfolgsgetriebenen Salesman zu einer Person, die sich selbst Perspektiven sucht und für sich einen neuen Platz im Leben findet. So gerät für Alan immer mehr zur Nebensache, ob der König nun kommt oder nicht.

Saudi-Arabien für Anfänger

"Ein Hologramm für den König" basiert auf dem gleichnamigen Roman von Dave Eggers. Das Buch erzählt vom Stillstand. Tom Hanks' Figur Alan Clay steckt in einer Midlife-Crisis. Herausgekommen ist eine Mischung aus Roadmovie und Komödie, die weder auf Action noch auf Superhelden setzt. Es ist ein ruhiger Film, mit ernsten Momenten und Situationen, in denen man herzhaft lachen kann. Es ist eine Reise in den exotischen Orient, der faszinierend und erschreckend zugleich erscheint.

Im Fokus steht ganz klar Hauptdarsteller Hanks, der einmal mehr unter Beweis stellt, warum er zwei Oscars zu Hause stehen hat. Hinzukommt seine gute Chemie mit Chauffeur Yousef, den Alexander Black komödiantisch gut darstellt. Auch das Knistern zwischen Alan Clay und Ärztin Zahra, verkörpert von Sarita Choudhury, die bereits im Franchise von "Die Tribute von Panem" zu sehen war, ist mehr als spürbar. Neben Hanks steht das Aufeinanderprallen zweier Kulturen im Mittelpunkt. Daraus ergeben sich so manche klischeehafte Szenen, die gespickt durch Wortwitz und Situationskomik erheitern.

Man lernt, dass in der arabischen Welt die Uhren anders ticken. Termine werden kaum eingehalten, die Hinhaltetaktik wird dafür groß geschrieben. Ganz wichtig: Die Gefahr, dass das Auto beim Anlassen in die Luft fliegt, ist allgegenwärtig. Alkohol wird trotz Verbotes in den Botschafterkreisen ausgiebig konsumiert. Und am besten keine Witze darüber machen, dass man bei einem Geheimdienst arbeitet. Außerdem ist die Hitze allgegenwärtig, die Wüste wirkt erdrückend. Die arabische Welt ist mehr Schein als Sein, aber strotzt dennoch vor Charme. Etwas überraschend kommt jedoch das Ende.

Fazit

Der neue Tykwer-Hanks-Film kommt ohne Hektik aus, ohne Skandale, ohne großes Aufsehen. Das wird nicht jeder mögen. "Ein Hologramm für den König" kratzt lediglich an der Oberfläche des Kulturclashs ohne dabei überheblich oder wertend zu werden. Im Hinblick auf die aktuellen Geschehnisse in der Welt ist es aber ein Film, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Es müssen nicht immer Superhelden die Welt retten. Vor allem da Tom Hanks stets einen Kinobesuch Wert ist. Der Oscar-Gewinner kann es eben noch. Und mit Tom Tykwer hat er den Regisseur gefunden, der ihn perfekt in Szene setzt.