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"Maischberger": Gysi warnt vor Religionskrieg zwischen Christen und Muslimen

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MAISCHBERGER
Gregor Gysi und Beatrix von Storch bei "Maischberger" | WDR/Max Kohr
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  • Bei "Maischberger" ging es um das Erstarken der Rechtspopulisten
  • Thilo Sarrazin enttäuschte mit Bisslosigkeit
  • Gysi warnte, dass die AfD einen Religionskrieg vom Zaun brechen wolle

Ein bisschen enttäuschend war die "Maischberger"-Sendung mit dem Titel "Die Angstmacher: Wie gefährlich sind Deutschlands Populisten?" am Mittwochabend schon. Schließlich hatten aus der vorab verbreiteten Gästeliste drei Namen hervorgestochen.

Da war die AfD-Politikerin Beatrix von Storch. Und der immer streitlustige und eloquente Linken-Politiker Gregor Gysi.

Aber ein Name ließ besonders auf eine hitzige Sendung hoffen: Thilo Sarrazin, der ehemalige Bundesbanker, der 2010 das Skandal-Buch "Deutschland schafft sich ab" veröffentlicht hatte. Und die "Maischberger"-Redaktion zeigte durch ein riesiges Sarrazin-Porträt im Hintergrund, wen sie als den großen "Angstmacher" sieht.

Wer braucht noch Sarrazin, wenn es die AfD gibt?

Doch Sarrazin enttäuschte. Er wirkte von der Zeit überholt. Eher wie ein Gymnasiallehrer in Rente, der seine Ostfriesenmischung aus der Hutschrenreuther-Tasse schlürft, als ein Talkshow-Schreck.

Wer braucht noch Sarrazin, wenn es die AfD gibt?

Die Antwort: Die AfD hätte ihn wohl gern. Denn sofort schmiss sich von Storch an den Autor ran. Ja, sie lud ihn sogar ein, der AfD beizutreten. "Er ist natürlich auch bei uns willkommen", so von Storch. Der Bestseller-Autor in der AfD - das wäre natürlich ein Erfolg für die Partei.

Von Storch versuchte, den anderen Politikern eine Falle zu stellen. "Der Islam ist nicht Teil der deutschen Tradition und der Identität, und deswegen gehört er nicht zu Deutschland", sagte sie und hoffte auf empörte Reaktionen. Doch die kamen nicht. Die Auflösung: Das Zitat stammt nicht von der AfD, sondern CDU-Politiker Volker Kauder.

Sarrazin sieht sich als gescheiterter AfD-Verhinderer

Sarrazin wirkte vom groupiehaften Ranschmeißen von Storchs eher angewidert. So verbrachte er auch die Sendung vor allem damit, klarzustellen, dass er sich nicht als einer der titelgebenden Populisten sieht. Und versuchte, so viel Distanz wie möglich zwischen sich und die AfD-Frau zu bringen.

Sarrazin sieht sich eher als gescheiterte AfD-Verhinderer denn als Steigbügelhalter der Rechten. Die "polemischen Reden" des thüringischen AfD-Landesvorsitzenden Björn Höcke würden "falsche Erinnerungen" wecken, befand er. Traurig sei es, dass seine Partei, die SPD, seinen Thesen nicht mehr Beachtung geschenkt habe, so Sarrazin beleidigt.

Trotzdem bleibt im geschichtlichen Rückblick der Eindruck, dass der Aufstieg der Rechtspopulisten mit seinem Skandalbuch begonnen habe. "Natürlich gibt es da Überschneidungen", stellte Gysi fest.

"Wir können uns einen Religionskrieg nicht leisten"

Der CDU-Politiker Elmar Brok bemerkte: "Ich wäre nicht mehr in der CDU, wenn sie den Thesen von Thilo Sarrazin gefolgt wäre." Er sieht sich als christlicher Demokrat.

Und damit war die Runde bei der Religion angelangt, welche die AfD am Wochenende zum wichtigsten Wahlkampfthema erklären will.

Gsyi warf von Storch vor, einen neuen Religionskrieg vom Zaun brechen zu wollen. "Wenn Sie das Sagen hätten und sich durchsetzten, wäre das in islamistischen Staaten die Begründung, die christlichen Kirchen zu verbieten."

Er sprach eine deutliche Warnung aus: "Wir können uns einen Religionskrieg in neuer Form im 21. Jahrhundert überhaupt nicht leisten."

Zudem erfülle ihn mit Sorge, dass das AfD-Programm in Steuerfragen "asozial" sei. In Religionsfragen sei es sogar "grundgesetzwidrig".

"Bis vor Kurzem undenkbare Radikalisierung"

Die AfD könne nicht Minarette und Moscheen verbieten und ernsthaft behaupten, dies würde die Glaubensfreiheit nicht beeinträchtigen. Das Bundesverfassungsgericht würde dies mit "an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" gänzlich anders sehen.

Treffer, versenkt! Schließlich war es die AfD-Frau gewesen, die den Islam als "Ideologie" bezeichnet hatte, die mit dem Grundgesetz nicht vereinbar sei.

Auch der Politologe Albrecht von Lucke ging mit von Storch hart ins Gericht. "Wenn die AfD sagt, der Islam gehört nicht zu Deutschland, dann ist das eine Radikalisierung des Diskurses in diesem Lande, der bis vor Kurzem nicht denkbar gewesen wäre".

Damit würde die Partei vier Millionen Menschen in Deutschland "außerhalb der Gemeinschaft" verordnen.

Sarrazin präsentierte doch noch eine Überraschung

Den Aufstieg der AfD will von Lucke aber nicht Sarrazin in die Schuhe schieben - sondern CSU-Chef Horst Seehofer. "Die AfD wäre ohne das Versagen der anderen Parteien nicht zu erklären. Zuallererst natürlich durch das der CDU/CSU."

Seehofer habe durch seine Kritik die Kanzlerin "wundgeschossen" und so den Eindruck erweckt, sie habe gar keine Lösungen. Damit habe er der AfD "permanent Wahlpublikum" zugeschoben.

Und Sarrazin? Der fiel nicht weiter auf. Eine echte Überraschung hatte er dann aber doch noch zu bieten. Der berühmte Euro-Kritiker befand, dass Deutschland gegenwärtig nicht aus dem Währungsverbund austreten müsse.

Bitte, was? Sofort setzte er nach: "Ich sage Ihnen, wenn es so weitergeht, wird die Sache sowieso zerbrechen, weil die Franzosen oder Italiener irgendwann sagen 'das muten wir uns nicht länger zu'!"

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(sk)