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Kritik am Atomkompromiss: "Kosten werden um ein Vielfaches über der vereinbarten Summe liegen"

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  • Die Atomindustrie muss die vollen Kosten für Zwischen- und Endlagerung von Atommüll tragen
  • RWE, Eon, Vattenfall und EnBW zahlen 23,34 Milliarden in einen staatlichen Fonds
  • Greenpeace schätzt die Kosten wesentlich höher ein
  • Eine Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen im Text seht ihr im Video oben

Es ist geschafft: Im jahrelangen Streit um die Kosten für den Atomausstieg haben sich Industrie und Bundesregierung offenbar auf eine gemeinsame Lösung geeinigt.

Die Atomindustrie muss nach dem Willen der Regierungskommission die vollen Kosten für die Zwischen- und Endlagerung von Atommüll auf einen staatlichen Fonds übertragen. Dazu sollen die vier großen Konzerne 23,34 Milliarden Euro überweisen. Darauf habe sich die Kommission einstimmig geeinigt, berichtet die Nachrichtenagentur dpa.

Kosten aus Sicht von Kritikern zu niedrig

Der Betrag setze sich aus den Rückstellungen der Konzerne sowie einem entsprechenden Risikoaufschlag von 6,14 Milliarden Euro zusammen, um Mehrkosten aufzufangen.

Doch diese Summe ist aus Sicht von Kritikern viel zu niedrig. Thomas Breuer, Klimaexperte bei Greenpeace Deutschland, sagt im Gespräch mit der Huffington Post: „Die Kosten werden um ein Vielfaches über der vereinbarten Summe liegen.“

Er fürchtet, dass künftige Generationen noch eine saftige Rechnung präsentiert bekommen. Die Bundesregierung lasse sich „auf einen teuren Ablasshandel mit der Atomindustrie ein“, schimpft Breuer.

Für den Umweltaktivisten ist klar: „Nach vielen fetten Jahren, in denen die AKW-Betreiber Traumrenditen und Milliardengewinnen eingefahren haben, entlässt die Bundesregierung sie jetzt für einen unverschämt niedrigen Preis aus der Haftung für das Hochrisikogeschäft Atom.“ Nun sollten die einfachen Bürger zahlen.

Schon heute sei absehbar, dass die Zwischen- und Endlagerung des Atommülls teurer werden würden, als ursprünglich gedacht. „Selbst, wenn es bei der Entsorgung wider Erwarten keine größeren Probleme gibt, ist die Kostenplanung der Bundesregierung nicht haltbar.“

Greenpeace: Mindestens 44 Milliarden nötig

Für die Berechnungen würde eine Verzinsung des Fonds-Kapitals von zwei Prozent angesetzt. Doch auf absehbare Zeit seien die zu erwartenden Zinseinnahmen aufgrund der EZB-Politik weit geringer.

Er warnte auch vor unvorhergesehen Problemen. „Alleine die Kosten für das Zwischenlager Asse sind inzwischen unerwartet auf bis zu zehn Milliarden Euro gestiegen. Die Bundesregierung darf die Atomkonzerne nicht aus der Haftung für unvorhergesehene Mehrkosten entlassen.“

Eine Studie von Greenpeace und dem Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft bezifferte bereits im Jahr 2012, dass für den Rückbau der Meiler und die Entsorgung des verstrahlten Materials voraussichtlich mindestens 44 Milliarden Euro benötigt würden. Mittlerweile gehen die Umweltschützer sogar von noch höheren Kosten aus.

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(lk)

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