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Der Tag, an dem ich mich von meinem Kind verabschieden musste

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Der Tag, an dem ich mich von meinem Kind verabschieden musste | Tetra Images via Getty Images
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Ich ging an der offenen Schlafzimmertür vorbei und blieb stehen, um das Licht auszuschalten. Als meine Hand nach dem Lichtschalter tastete, fiel mein Blick auf die Person, die im Bett lag und ich dachte mir: Das ist ein junger Mann. Er ist nicht mehr mein kleiner Junge, sondern ein junger Mann.

Warte, Stopp! Nur eine Minute. Stopp. Ich brauche eine Sekunde, um hinterherzukommen. Ich brauche einen Moment, um mich zu verabschieden.

Ich weiß, dass ich das Kind, das zwischen zwei Welten – der Welt eines kleinen Jungen und der Welt eines Teenagers – gefangen war, gehen lassen werde.

Ich liebte jede Phase seiner Kindheit

Denn das musste ich ohnehin schon ständig tun. Vom winzigen Baby, dessen Körper kaum größer als eine Hand war, hin zu einem grinsenden Kleinkind, das überall sein Piratenkostüm von Captain Feathersword trug und entweder Thomas, die kleine Lokomotive oder sein Lightning-McQueen-Auto dabeihatte, bis hin zum robusten Schuljungen, der überall hinrannte, der alles entdecken wollte und der mein Herz regelmäßig zum Stillstand brachte – ich liebte absolut jede Phase seiner Kindheit und mein Dasein als Mutter.

Und obwohl ich mich immer auf die nächste Phase freute, so trauerte ich auch über den Verlust der Phase, die wir hinter uns gelassen hatten.

Vor nicht allzu langer Zeit bat ich darum, nur noch einen einzigen Sommer erleben zu dürfen, in dem er im meiner Meinung nach besten Alter war. Oh, ich wollte unbedingt noch ein bisschen länger die Zeit genießen dürfen, in der mein kleiner Junge noch klein ist.

Mein Wunsch erfüllte sich – und ich bekam einen weiteren Sommer, der voll von der Verrücktheit eines kleinen Jungen war. Doch danach ging er unausweichlich in die nächste Entwicklungsphase über. Er wuchs. Und ich wuchs mit ihm. Ich hatte keine andere Wahl. Ich konnte entweder mitwachsen oder zurückbleiben.

Er wird einmal ein großartiger Mann sein

Gerade jetzt wird mir klar, wie wunderbar das alles ist. Ich sehe, zu was für einem tollen Teenager er sich entwickelt. Es verändert sich jeden Tag so viel bei ihm. Es scheint, als wäre er innerhalb von einer Woche über meine eigene Größe von 1,75 m hinausgeschossen.

Plötzlich hat er auch eine tiefere Stimme und sein Lachen klingt anders und auch seine Ansichten haben sich geändert. Um Himmels willen, wir unterhalten uns über Politik und er weiß, wovon er redet.

Er wird erwachsen, er geht weiter und lässt seine Kindheit hinter sich, während er sein ganzes Potenzial entfaltet. So muss es sein, und ich mache einen guten Job, weil er schon jetzt ein toller Mensch ist. Er wird einmal ein großartiger Mann sein.

wendy del monte

Ich glaube, dass ich das grinsende Kleinkind, die zauberhaften Gedanken eines Sechsjährigen, die Autos aus dem Film Cars, die unglaublich tollen Lager (#EpicForts) und meinen kleinen Jungen immer vermissen werde.

Da ich mich von jeder Phase verabschieden musste, weiß ich, was ich vermissen werde und was ich dazu gewinne. Ja, mein Junge wird erwachsen und das ist wundervoll und zauberhaft. Es liegen wirklich noch so viele Abenteuer vor uns.

Ich darf mich glücklich schätzen, denn er findet mich meistens immer noch cool, oder zumindest tut er so, als ob ich cool wäre. Und er verbringt noch immer gern Zeit mit mir.

Wir erleben immer noch gemeinsame Abenteuer

Wir erleben noch immer viele Abenteuer gemeinsam, doch mittlerweile schlägt er die Abenteuer vor. Er lässt mich zurück, um sich mit seinen Freunden zu treffen, doch bevor er geht, kommt er jedes Mal zu mir und küsst mich zum Abschied und sagt "Ich liebe dich" zu mir und es ist ihm völlig egal, wer gerade dabei ist.

Er fragt mich noch immer nach meiner Meinung und bildet sich daraus seine eigene.

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Manchmal greift er noch nach meiner Hand, wenn wir die Straße überqueren. Ich kann nicht beurteilen, ob er das tut, um sich selbst zu schützen, oder um mich zu beschützen. Egal aus welchem Grund er das tut, ich mache noch immer gerne mit.

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Dieser Blog ist ursprünglich bei Scary Mommy erschienen und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.


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