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Karikaturen-Wettbewerb zum Holocaust an Iraner Uni: Deutsche Wissenschaftler sind empört

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KARIKATUR
Ausschnitt aus dem Plakat, mit dem die Islamische Studentenverbindung der Universität Isfahan für ihren Holocaust-Karikaturen-Wettbewerb wirbt | Plakat Studentenvereinigung Isfahan
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  • Im Iran werden in Kürze die besten Zeichner von Holocaust-Karikaturen gekürt
  • Aus Deutschland gibt es harsche Kritik
  • Irans Außenminister distanziert sich - überaus halbherzig

Ein paar Tage noch haben die Studenten der Universität Isfahan im Iran Zeit. Ende April läuft die Frist ab, in der sie ihre Karikaturen für den Wettbewerb einreichen können. Thema: Holocaust.

Auf ihrer Internetseite beschreibt die Islamische Studentenverbindung der Universität den Holocaust als Lüge des "zionistischen Regimes“ und listet gleich noch ein paar "Begründungen“ auf, warum der Mord an um die sechs Millionen Menschen durch die Nazis nur Erfindungen der Propaganda sein könnten.

"Offizielles Ziel: Hass verbreiten"

Im Blog „Nowruziran“ heißt es: "Das offizielle Ziel des Wettbewerbs ist, Sympathie für die unterdrückten Palästinenser zu bekunden, Hass gegen Israel zu verbreiten und zu behaupten, dass die Zahlen zum Tod von Juden im Holocaust erfunden sind.“

Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, findet der Wettbewerb im Rahmen der "11. Internationalen Teheraner Cartoon Biennale“ statt.

Im Juni entscheiden die Juroren, wer die beste Karikatur zum Holocaust gezeichnet hat und damit 50.000 Dollar Preisgeld bekommt. Organisator Masud Shojai-Tabatabai sagte dazu der Nachrichtenagentur Irna: "Wir wollen nicht den Holocaust leugnen, dennoch ist die Hauptfrage, warum man nicht über den Holocaust sprechen darf, trotz des Glaubens des Westens an die Meinungsfreiheit.“ Shojai-Tabatabai sitzt laut "Bild“ auch in der Jury, die die Studentenarbeiten wertet.

Beschwerde der Unesco

In Deutschland ist das Leugnen des Massenmords strafbar. Aber auch in anderen Regionen der Welt, in der dieses Gesetz nicht gilt, geht vielen der Wettbewerb zu weit. Die UN-Kulturorganisation Unesco hatte sich wegen des Wettbewerbs bereits offiziell bei der iranischen Regierung beschwert.

Uni Freiburg sieht Vertrauen in Gefahr

Verschiedene deutsche Einrichtungen, die mit der staatlichen Universität in Isfahan zusammenarbeiten, haben nun reagiert. Die Universität Freiburg, die einen Austausch von Wissenschaftlern und Studenten pflegt, teilte der "Bild“ mit: "Diese Aktion seitens des Studierendenvereins in Isfahan widerspricht nicht nur unserem ethisch-moralischen Empfinden, sondern auch dem Anspruch an unsere internationalen Kooperationen und birgt die Gefahr, den jahrelang aufgebauten vertrauensvollen Dialog zwischen unseren Universitäten nachhaltig zu beschädigen.“

Holocaust-Leugnung hat eine traurige Tradition im Iran – wie auch in vielen Ländern der arabischen Welt. Der frühere Präsident des Iran, Mahmud Ahmadinedschad, hatte die Judenvernichtung immer wieder öffentlich angezweifelt.

Selbst Kinder der Oberschicht und Studenten wissen wenig über die Gräuel der Nazi-Zeit. Oder sie empfinden sogar Sympathie für Hitler-Deutschland – eben weil es Juden ermordete.

Iran vermeidet direkte Konfrontation

Die aktuelle Regierung bemüht sich um Entspannung mit dem Westen – auch in dieser Frage. Präsident Hassan Rohani sagte im Januar: "Der Koran lehrt uns, dass die Kirche, die Synagoge und die Moschee nebeneinander bestehen", sagte er. "Wir müssen zuerst die Kirche beschützen, dann die Synagoge und schließlich die Moschee. Das ist die Kultur der Toleranz, die uns der Koran lehrt."

Außenminister Mohammed Dschawad Sarif sagte diese Woche erst dem Magazin "New Yorker“, dass es sich beim Veranstalter der Biennale um eine Nichtregierungsorganisation handele, die nicht von der Regierung kontrolliert werde. In den USA gebe es schließlich auch den Ku-Klux-Klan.

Kenner des Landes halten es aber für ausgeschlossen, dass so ein Wettbewerb gegen den Willen der Regierung stattfinden könnte. Außerdem unterhält Organisator Shojai-Tabatabai laut "Bild" gute Kontakte in dieser Richtung.

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(lp)