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Hamburg: Flüchtlinge dürfen nicht mit deutschen Schülern auf den Hof

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SCHOOL PLAYING
Kinder auf einem Schulhof (Symbolbild) | Ammar Awad / Reuters
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  • Hamburger Schule lässt Flüchtlinge nicht mit anderen Kindern auf den Schulhof
  • Es gehe dabei um "Sicherheitsaspekte"

Ein Hamburger Gymnasium lässt deutsche Schüler und Flüchtlinge nicht zusammen in die Pause gehen. Es gehe bei dieser Entscheidung um "Sicherheitsaspekte und Gesundheitsschutz". Das berichtet der "Spiegel“.

Das Friedrich-Ebert Gymnasium ist Hamburgs zweitälteste Schule. Sie liegt im Stadtteil Heimfeld. 800 Schüler besuchen die weiterführende Schule derzeit etwa. Drei Klassen gibt es extra für Flüchtlingskinder. "Willkommensklassen" werden diese im bundesweiten Diskurs gerne genannt.

Schulleiter: "Unsere Lehrer sind nicht zuständig"

Doch wirklich willkommen fühlen sich die Flüchtlinge in Heimfeld wohl kaum. Wenn die Pausenglocke klingelt und die meisten Kinder auf den Schulhof strömen, müssen sie in ihren Klassen sitzen bleiben. Erst später dürfen sie – getrennt von den anderen – auf den Pausenhof.

"Unsere Lehrer sind für die Kinder nicht zuständig", begründet Schulleiter Volker Kuntze (63) das Vorgehen. Denn eigentlich gehörten die Flüchtlinge zur Stadtteilschule Maretstraße. Nur aus Platzgründen seien sie auf dem Gelände des Friedrich-Ebert-Gymnasiums untergebracht.

Angst um deutsche Schüler

Erst im kommenden Schuljahr sollen die Flüchtlingskinder auch offiziell zur Ebert-Schule gehören. Eine vorzeitige Integration in den Schulalltag – zu dem insbesondere in der Wahrnehmung der Schüler auch die Pausen gehören – lehnt die Schulleitung dennoch ab.

Es gehe um "Sicherheitsaspekte und Gesundheitsschutz", sagte Kuntze dem "Spiegel“. Er schildert weiter: Die Flüchtlinge seien teilweise "kräftige Jungs".

Einer von ihnen könne einen Fußball schießen und einen elfjährigen Gymnasiasten ins Gesicht treffen. "Dann will ich keine Mutter anrufen und ihr sagen, dass ihr Kind im Krankenhaus liegt."

Schüler verstehen die Regelung nicht

Auch eine Zusammenarbeit bei der Aufsicht mit den Lehrern der Schule Maretstraße will Kuntze nicht: Dann werde es auf dem Pausenhof "sehr drängelig und voll".

Die deutschen Schüler sind von dieser Regelung wenig begeistert.

Der "Spiegel" zitiert zwei Achtklässlerinnen: "Total bescheuert" fänden sie, dass sie nicht mit den Flüchtlingen zusammen Pause machen dürften.

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterstützen könnt:

Die Nachrichten von ertrunkenen Flüchtlingen nehmen kein Ende. Auch, weil es viel zu wenig Rettungskräfte auf dem Mittelmeer gibt. Hier versucht die Mannschaft des Schiffes Sea Watch 2. zu helfen. Spenden benötigt die Crew für Nahrung, Schwimmwesten und Medikamente.

Auf der sogenannten Balkanroute ist ein großer Teil der Flüchtlinge unterwegs. Der Verein Soups & Socks versorgt Flüchtlinge hier mit einer warmen Mahlzeit und anderen lebensnotwendigen Dingen. Hier geht es weiter zur Soups & Socks Tour.

Ein weiteres Problem sind die vielen unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge in Berlin. Ihnen vermittelt die Organisation Akinda beispielsweise einen gesetzlichen Vertreter. Wie das geht, beschreiben die Initiatoren hier.


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bp