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Eine Umfrage offenbart das schizophrene Verhältnis der Deutschen zu Russland

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PUTIN
dpa
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  • Ein Großteil der Deutschen will offenbar eine engere Partnerschaft zu Russland
  • Bedenklich ist, dass sich viele Russen nicht als Teil Europas sehen
  • Laut einem Russland-Experten sei das Putin-Bild in Deutschland dennoch weiterhin negativ

Es sind Zahlen, die das Verhältnis der Deutschen zu Russland in ganz neuem Licht erscheinen lassen: Laut einer repräsentativen Umfrage der Körber-Stiftung wünschen sich die Deutschen eine engere Zusammenarbeit mit Wladimir Putin.

Demnach sind 81 Prozent für eine engere Partnerschaft zu Russland - nur die Beziehungen zu Frankreich stehen bei den Deutschen offenbar höher im Kurs (89 Prozent). Auf dem dritten Platz landeten die USA (59 Prozent).

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(Quelle: Körber-Stiftung)

Bei russischen Bürgern steht Deutschland sogar an erster Stelle, wenn es um die Verbesserung der Beziehungen geht. 62 Prozent der befragten Russen gaben an, dass ihr Land mehr mit der Bundesrepublik zusammenarbeiten sollte. 95 Prozent der Deutschen finden gar, dass sich Russland und die EU weiter annähern sollten. In Russland sind weniger für eine Annäherung Moskaus an Brüssel (84 Prozent).

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(Quelle: Körber-Stiftung)

Spannend auch:

  • Dennoch sind fast 48 Prozent der Deutschen der Meinung, dass Russland ein bedrohliches Land ist - im Westen der Republik liegt der Wert sogar noch höher (53 Prozent).
  • Gefragt nach politischen Krisen, in denen eine Zusammenarbeit mit Russland besonders wichtig sei, gaben 49 Prozent der befragten Deutschen die Lösung des Syrien-Konflikts an. Der Ukraine-Konflikt (13 Prozent), der Kampf gegen den Terror (13 Prozent) und die Wirtschaftsbeziehungen (10 Prozent) scheinen den Deutschen nicht wichtig genug zu sein, wenn es um eine politische Zusammenarbeit mit dem Kreml geht.

Russland-Experte Stefan Meister sieht in den Umfrageergebnissen ein zweigeteiltes Verhältnis der Deutschen zu Russland. Die Zahlen zeigten, "dass das Bedrohungs-Szenario durch Moskau auch weiterhin in den Köpfen der Deutschen vorhanden ist", sagte der Mitarbeiter der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) im Gespräch mit der Huffington Post.

Das Bild von Putin sei zwar weiterhin durchaus negativ, erklärte Meister. "Aber die Deutschen wollen, dass mit seiner Hilfe internationale Konflikte gelöst werden."

"Man sieht, dass die Deutschen mit Russland lediglich bei den drängendsten internationalen Problemen kooperieren wollen, wie die Lösung des Syrien-Konflikts. Für ummittelbar für das Verhältnis zu Russland wichtigere Konflikte wie in der Ukraine sehen nur ein geringer Prozentsatz der Befragten Deutschen die Möglichkeit einer Zusammenarbeit mit Putin", sagte der Russland-Experte.

Was die Umfrage auch zeigt: Ein großer Teil der Deutschen (50 Prozent) ist der Meinung, dass Russland kein Teil Europas ist. Ähnlich sehen das übrigens die befragten Russen - hier sagten 51 Prozent, dass Russland nicht zu Europa gehöre. Häufigster genannter Grund: Beide Staaten teilen nicht die gleichen Werte.

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(lk)