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"Gerne eine Moschee in der Nähe" - Diese 5 Dinge solltet ihr über Muslime in Deutschland kennen

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MOSCHEE
Der Islam hat in Deutschland immer mehr Anhänger. | dpa
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Wie gut ist es um die Integration in Deutschland bestellt? Das wollte der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) wissen. Fast 5400 Menschen in Deutschland mit und ohne Migrationshintergrund befragte der Verband im vergangenen Jahr nach ihrer Meinung.

Die Ergebnisse stellte der Verband nun in seinem aktuellen Jahresgutachten vor. Die Umfrage zeige, "dass der Integrationsprozess auf einer stabilen Grundlage steht", ist SVR-Chefin Christine Langenfeld überzeugt.

Zugleich offenbart die Studie interessante Erkenntnisse über den Islam in Deutschland. Hier die wichtigsten fünf Punkte:

1. Der Islam wird als Integrationshindernis überschätzt

Oft ist zu lesen, der Islam sei das Haupthindernis für hier lebende Türken, Araber oder Nordafrikaner, sich zu integrieren. Die gelungene Integration der bis 1914 hunderttausenden ins Ruhrgebiet zugewanderten Polen hätte nur funktioniert, weil beide Volksgruppen christlich geprägt gewesen seien, wird etwa von Islamgegnern argumentiert.

Doch der Zusammenhang von Religionszugehörigkeit und individueller Integration wird laut dem Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) in der öffentlichen Debatte überschätzt: Den Forschern zufolge gebe es keine belastbaren wissenschaftlichen Belege dafür, dass individuelle Religiosität die Teilhabe an Bildung und Arbeitsmarkt grundsätzlich erschwere.

Unterschiede im Integrationserfolg zwischen verschiedenen religiösen Gruppen sind demnach nicht in erster Linie auf die Religionszugehörigkeit zurückzuführen. Hier spielten andere soziale Faktoren eine weit wichtigere Rolle. Die wichtigste Ursache für Erfolg oder Misserfolg im Bildungssystem und am Arbeitsmarkt ist den Sachverständigen zufolge der soziale Hintergrund – also Schichtzugehörigkeit und Bildungseifer der Eltern sowie das Herkunftsmilieu.

2. Der Islam ist Schuld am Terror – diese einfache Gleichung funktioniert nicht

Der Islam ist Schuld daran, dass sich eine hohe Zahl junger Muslime in Deutschland zunehmend radikalisiert. Doch diese einfache Gleichung funktioniert den Experten zufolge nicht. „Zwar können Beziehungen zwischen Religion und Terror nachgewiesen werden, doch sind diese Zusammenhänge komplex, immer mit vielen anderen Faktoren vermittelt und nie monokausal“, schreiben die Autoren des Berichts. Dies zeigten Ergebnisse einschlägiger globaler Terrorismus-Studien.

Der Terror werde "in der Regel von Leuten ausgeübt, die sich von Familie und Moscheegemeinde gelöst haben und einer radikalen, sektenhaften Resozialisierung beziehungsweise ‚Konversion‘ unterlegen sind“, schreiben die Gutachter.

3. Deutsche und Migranten können sich Moscheen in der Nachbarschaft vorstellen

Auf Zustimmung bei der hier lebenden Gesamtbevölkerung stößt eine institutionelle Gleichstellung des Islam mit dem Christentum, beispielsweise beim Religionsunterricht. Selbst zwei Drittel der Befragten ohne Migrationshintergrund befürworten islamischen Religionsunterricht als wählbares Unterrichtsfach an Schulen. Mehrheitlich akzeptiert wird von den Deutschen auch ein Moscheebau in der Nachbarschaft.

Der SVR fordert insbesondere, fehlende institutionelle Voraussetzungen zu beheben, die für die Bildung einer Religionsgemeinschaft erforderlich sind. Hier geht es etwa um die Verringerung der Abhängigkeit von ausländischen Einflüssen. Denn mitunter sind aus anderen Ländern stammende Prediger weit radikaler als in Deutschland sozialisierte Imame.

4. Muslimische Migranten fühlen sich häufiger als andere Zuwanderer nicht zugehörig

Muslimische Migranten fühlen sich häufiger als christliche Zuwanderer nicht als Teil der deutschen Gesellschaft. Das aktuelle Integrationsbarometer zeigt: Während sich in der zweiten Generation fast 96 Prozent der christlichen Einwanderer "dazugehörig" fühlen, sind es bei den Muslimen deutlich weniger – knapp 84 Prozent.

5. Christentum ist auf dem Rückzug

Die Sachverständigen stellen fest, dass das Christentum in Deutschland auf dem Rückzug sei. Die Bindungskraft der beiden großen christlichen Kirchen ist zurückgegangen: Waren 1970 noch fast 95 Prozent der westdeutschen Bevölkerung Mitglied der katholischen oder der evangelischen Kirche, beträgt dieser Anteil heute weniger als zwei Drittel (65 Prozent) - mit abnehmender Tendenz.

Die Zahl der aktiven Muslime in Deutschland wächst dagegen seit Jahren. Davon jedoch, die größte religiöse Glaubensgemeinschaft zu werden, sind die Muslime in Deutschland noch sehr weit entfernt.

Unabhängig davon ist der Islam zersplittert - klare Ansprechpartner wie etwa die Amtskirche im Katholizismus fehlen mitunter. Selbst unter Sunniten gibt es zahlreiche unterschiedliche Strömungen.

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(lk)