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Machtkampf in der AfD: Petry spricht erstmals über Rückzug von Parteispitze

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FRAUKE PETRY
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  • AfD-Chefin Frauke Petry spricht erstmals offen über einen möglichen Rückzug von der Parteispitze
  • Die AfD müsse sich entscheiden, wo sie hinwolle, mahnt Petry im "Stern"
  • Das Interview kommt kurz vor dem Parteitag zu einem brisanten Zeitpunkt

Es ist eine Ankündigung, die viel über das fragile Machtgefüge in der AfD verrät: Parteichefin Frauke Petry hat erstmals die Möglichkeit eines Rückzugs von der Partrispitze angedeutet - und damit indirekt den stramm rechten Kurs ihrer Parteikollegen infrage gestellt.

Wenige Tage vor dem Bundesparteitag in Stuttgart sagte Petry dem "Stern": "Die AfD wird sich entscheiden müssen, wo sie hin will. Will sie eine konservativ-liberale oder eine nationalkonservativ-soziale Partei sein?" Sie könne an ihre Partei appellieren und ihre Autorität in die Waagschale werfen. Am Ende aber sei die Ausrichtung der AfD "eine Frage von demokratischen Entscheidungen".

AfD-Politikerin will den Bau von Moscheen verbieten lassen

Erst vor kurzem hatte Vize-Parteivorsitzende Beatrix von Storch erklärt, der Islam sei nicht verfassungskonform. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet am Mittwoch auch von anderen AfD-Spitzenpolitikern, die den Islam als verfassungsfeindlich bezeichnen. Die Parlamentarische Geschäftsführerin der AfD-Landtagsfraktion in Brandenburg, Birgit Bessin, wolle laut ihrem eigenen Vorschlag für das neue AfD-Parteiprogramm gar den Bau und Betrieb von Moscheen verbieten, berichtet das Blatt.

Für Petry geht die Tendenz nach rechts offenbar zu weit. Die "rote Linie" bei der Abgrenzung nach rechts sei für sie "die freiheitlich-demokratische Grundordnung, mit allem, was dazu gehört, sagte die AfD-Chefin dem "Stern".

Der AfD könnten unruhige Zeiten bevorstehen - wieder einmal

Gefragt, ob es für Petry einen Punkt gebe, wo sie die Entwicklung der AfD als Vorsitzende nicht mehr mittragen könne, sagte sie: "Das werde ich davon abhängig machen, wo die Partei in ein paar Jahren steht."

Erst vor wenigen Wochen hatte der Mainzer Politologe Kai Arzheimer im Anschluss an die Landtagswahlen unruhige Zeiten bei den Rechtspopulisten vorhergesagt. “Jetzt, wo der Druck des Wahlkampfes weg ist, werden die innerparteilichen Konflikte und Machtkämpfe bei der AfD wieder ausbrechen", sagte Arzheimer damals im Gespräch mit der Huffington Post.

Im Parteivorstand rumort es schon länger

Es sieht so aus, als würde Arzheimer Recht behalten. Laut "Süddeutscher Zeitung" rumort es im Parteivorstand ohnehin schon seit langem. Kritiker würden Petry vorwerfen, ohne Absprachen vorzugehen und eine autarke Führungsebene eingeführt zu haben - mit ihrem Lebensgefährten und NRW-Landesvorsitzenden Marcus Pretzell.

Der AfD-Co-Vorsitzende Jörg Meuthen und Partei-Vize Alexander Gauland entwickelten sich laut Informationen des Blattes zu einer tragenden Achse im Vorstand , an Petry vorbei.

Es dürfte spannend zu beobachten sein, wie sich die Dinge innerhalb des AfD-Machtzirkels entwickeln werden. Nach dem Parteitag am kommenden Wochenende könnte es jedenfalls turbulent werden in der Partei.

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