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5 Jungpolitiker unter 30 sagen: So hat die Rente noch eine Zukunft

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Vielen heute noch jungen Menschen droht im Alter massive Armut. Der OECD-Generalsekretär Angel Gurría ist sich sicher: "Deutschland bekommt ein Problem mit der Altersarmut.“

Rentenforscher rechneten erst im März in der "Süddeutschen Zeitung“ vor: Wer in etwa 25 Jahren eine Rente bezieht, bekommt etwa 20 Prozent weniger Leistungen als einer, der soeben das Berufsleben beendet hat.

Früher lag das Niveau des gesetzlichen Altersgeldes vor Abzug von Steuern bei deutlich über 50 Prozent eines Durchschnittsverdienstes. Dieses Sicherungsniveau wird nach Berechnungen der Bundesregierung von knapp 48 Prozent in diesem Jahr auf etwa 44 Prozent bis 2030 sinken. Bis 2040 könnte das Rentenniveau sogar unter 40 Prozent abrauschen.

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Und der "WDR“ gab zuletzt eine noch düstere Prognose aus. Um ein Altersgeld über dem Hartz-IV-Niveau zu bekommen, müsste ein Arbeitnehmer, der im Jahr 2030 in Rente geht, 40 Jahre lang ununterbrochen mindestens 2100 Euro brutto im Monat verdienen.

Doch statt zu Sparen, belastete die Große Koalition die Rentenkasse zuletzt aufgrund der Mütterrente und der Rente mit 63 mit einem zweistelligen Milliardenbetrag. Manche Experten kritisieren, diese Summe hätte aus Steuermitteln finanziert werden müssen.

Doch was sagen die Nachwuchs-Politiker der jungen Parteien zu dieser unfairen Entwicklung?

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Diana Kinnert, jüngstes Mitglied der CDU-Reformkommission: "Brauchen flexibleren Arbeitsmarkt"

"Angesichts der prognostizierten demographischen Entwicklung ist eine Debatte über die Zukunftsfähigkeit unserer nationalen sozialen Sicherungssysteme zwingend notwendig. Eine bloße lineare Verschiebung des Renteneintrittsalters halte ich jedoch für zu kurz gedacht. Stattdessen muss die Qualität von Beschäftigung in den Mittelpunkt der Debatte rücken.

Überlegungen, die zu der Forderung der Verlängerung der Lebenserwerbszeit führen, müssen einhergehen mit einem Nachdenken über ausreichend alterns- und altersgerechte Beschäftigungsmöglichkeiten.

Für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Berufen mit immensen körperlichen wie psychisch-sozialen Anforderungen stellt das Erreichen des jetzigen Renteneintrittsalters bereits eine Zumutung dar. Ein längeres Arbeiten muss also geknüpft sein an qualitative Veränderungen der Beschäftigung. Dies verlangt Flexibilität und Differenzierung von Gesetzgeber und Arbeitsmarkt."

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Dennis Rohde, SPD-Bundestagsabgeordneter: "Reiche stärker in die Pflicht nehmen"

"Ich glaube, dass wir ein völlig neues Rentensystem brauchen, das solidarischer aufgebaut ist, die Reichen in Deutschland stärker in die Pflicht nimmt und sie stärker einbindet. Wir brauchen eine grundsätzliche, mutige Neuorganisation der Rente.

Das sollten wir ohne Vorbehalte, über Parteigrenzen hinweg und mit den Bürgerinnen und Bürgern gemeinsam diskutieren und gemeinsam eine Lösung finden."

johanna uekermann

Johanna Uekermann, Juso-Chefin: "Müssen die gesetzliche Rente stärken"

"Altersarmut ist ein Skandal und ist vermeidbar - auch in Zukunft. Leider wird die Rentendebatte seit Jahren unter falschen Vorzeichen diskutiert. Mit dem Argument, die gesetzliche Rentenversicherung gehe zu Lasten der jüngeren Generation wurden Rentenkürzungen und die Rente mit 67 durchgesetzt.

Auch der demographische Wandel wird immer wieder als Begründung für Kürzungen herangezogen, als seien sinkende Geburtenzahlen in Stein gemeißelt und als würde Zuwanderung keine Rolle spielen.

Jetzt wird erneut von konservativer Seite vorgeschlagen, das Renteneintrittsalter auf 70 zu erhöhen. Ob die Menschen tatsächlich so lange arbeiten können und nach 50 Jahren im Job noch sollten, ist den Konservativen egal. Um die Rente zukunftsfest zu machen, braucht es keine derartigen lebensfremden Vorschläge.

Stattdessen muss die gesetzliche Rente gestärkt und solidarisch finanziert werden. Langfristig müssen alle Beschäftigten in die Rentenversicherung einbezogen werden. Und klar ist auch: Gute Rente gibt es nur mit guter Arbeit, deshalb müssen prekäre Beschäftigungsverhältnisse und Niedriglöhne weiter zurückgedrängt werden.

Es geht nicht um die ungerechte Verteilung zwischen uns und unseren Großeltern. Es geht um gerechte Verteilung zwischen Arm und Reich.“

heuberger

Moritz Heuberger, Chef der Grünen Jugend: "Lohndumping muss ein Ende haben"

"Die Jugend würde 'ausgeplündert' behaupten die Einen, in 30 Jahren ist nichts mehr da für die Rentnerinnen, drohen die Anderen. Dabei ist es gar kein Generationenkonflikt, sondern ein Verteilungskonflikt. Die Linien verlaufen nicht zwischen Alt und Jung, sondern zwischen Arm und Reich.

Die Vermögen sind extrem ungleich verteilt und Angela Merkels Große Koalition ist nicht darum bemüht dagegen zu steuern - hier reicht ein Blick auf die Diskussion zur Reform der Erbschaftssteuer. Die Konzentration von Vermögen nimmt immer weiter zu, wie zuletzt von Piketty aufgezeigt wurde. Es ist genug Geld da, von dem alle gut leben könnten, auch im Alter. Wir müssen nur darüber reden, wie wir es gerechter verteilen.

In den vergangenen zehn Jahren ist die Anzahl derer, die von ihrer Rente nicht mehr leben können um über ein Drittel angestiegen. Altersarmut ist keine Seltenheit mehr und vor allem Frauen sind davon betroffen. Die Vielzahl von atypischen Beschäftigungsverhältnissen - von der flexiblen Teilzeit über den Werkvertrag bis zum Minijob - spricht nicht dafür, dass es in Zukunft besser wird.

Deshalb ist es wichtig, dass wir Arbeitnehmerinnenrechte konsequent stärken. Das deutsche Lohndumping in Europa muss beendet werden, wir brauchen satte Lohnerhöhungen.

Um allen eine gute Rente auszahlen zu können, kommt es nicht darauf an, dass möglichst viele Menschen in Arbeit sind, sondern auf die Wirtschaftsleistung. Riester und co. sind kolossal gescheitert. Die als Sachzwang dargestellte Abkehr von der Umlagefinanzierung hin zu einem kapitalgedeckten System hat das propagierte Ziel der Absicherung der Alterssicherung klar verfehlt.

Als Grüne Jugend streben wir als Ziel die Bürgerinnenversicherung an, in der nicht nur abhängig Beschäftigte, sondern auch Beamtinnen, Freiberuflerinnen und Selbstständige pflichtversichert sind. Eine solidarische Finanzierung verringert die Auswirkungen von Einkommensunterschieden im Erwerbsleben und stärkt die Solidarität innerhalb der Gesellschaft.

Eine deutliche Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze würde dies unterstützen und dazu führen, dass alle ihren fairen Anteil zur Gemeinschaft beitragen. "Wenn wir aber eine solche solidarische Finanzierung hinbekommen, dann können wir tatsächlich auf eine bessere Zukunft hoffen und darauf, dass für alle genug da ist."

Den ganzen Beitrag lesen Sie hier.

solid

Julius Zukowski-Krebs, Bundessprecherrat von Solid, der Nachwuchsorganisation der Linken: "Diskussion um Rente ist eine Farce"

"Die Diskussion um die Rente ist eine Farce: Wir sind gegen eine Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre. Bereits das Renteneintrittsalter von 67 ist eine Verarschung. Welche Arbeitnehmer schaffen denn heute 45 Beitragsjahre in Vollzeit?

Für unsere Generation bedeuten alle Pläne der Bundesregierung und anderer etablierten Parteien Altersarmut – das sollte nicht nur Empörung auslösen, sondern einen Sturm auf die Bastille.

Wir verlangen eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit auf 30 Stunden pro Woche - bei vollem Lohnausgleich und eine Ende prekärer Beschäftigung. Denn prekäre Beschäftigung im Berufsleben heißt Armut im Alter. Konkret fordern wir etwa ein Ende der Leiharbeit, ein Ende der Befristung von Arbeitsverträgen und Ende des Mini-Job Booms.

Kein Mensch muss in diesem Land in Armut leben, weder jung noch alt. Für eine Revolution des Arbeit."

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(lp)