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Dieses Baby beweist, dass man nicht immer auf Ärzte hören sollte

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Hätte Hannah Peters den Ärzten geglaubt, dann wäre ihr Sohn Jude nie zur Welt gekommen. Oder er wäre tot.

Hannah jedoch hörte auf ihr Herz und darauf, was ihr Mutterinstinkt ihr sagte. Ihr Sohn Jude, ihr "kleiner Kämpfer" ist gerade zwei Jahre alt geworden.

Er ist der lebende Beweis, dass Ärzte nicht immer recht haben - und dass man nie die Hoffnung aufgeben sollte.

Denn Judes Lebensgeschichte ist eine lange Aneinanderreihung von Umständen, die normalerweise verhindert hätten, dass er überlebt.

Judes Geschichte

Am 11. August 2013 bekamen Hannah und Sully die Nachricht, dass Hannah schwanger war. Das junge Paar war außer sich vor Freude.

Doch nur wenige Monate später, Hannah war in der 13. Schwangerschaftswoche, bekam ihre Vorfreude einen schmerzhaften Dämpfer. Bei einer Ultraschall-Untersuchung stellte ein Arzt fest, dass das Baby in Hannahs Bauch sich nicht so schnell entwickelte, wie es eigentlich sollte.

jude womb
Instagram/hannahkatelyn

Der Arzt diagnostizierte eine Skelettdysplasie, eine Störung des Knochen - und Knorbelgewebes. Die drei Spezialisten, die Hannah und Sully kurz nacheinander aufsuchten, grenzten die Diagnose noch weiter ein: Achondroplasia.

In ihrer 14. Schwangerschaftswoche stürzte Hannah und wurde ins Krankenhaus gebracht. Sie hatte Fruchtwasser verloren, doch die Ärzte sagten, die Menge sei nicht bedenklich.

Zwei Wochen später, in ihrer 16. Schwangerschaftswoche, wurden Hannah und ihre Schwester in einen Auffahrunfall verwickelt. Doch Hannah und dem Baby passierte wieder nichts.

Am 22. Februar 2014, sechs Monate nachdem Hannah und Sully erfahren hatten, dass sie Eltern werden, fand die Babyshower statt, eine Feier, die in den USA Tradition hat. Freunde und Familie kamen mit Geschenken für Hannah und das ungeborene Baby, es gab Kuchen und alles war wunderschön dekoriert.

babyparty
Instagram/hannahkatelyn

Dann platzte Hannahs Fruchtblase.

Sie verlor große Mengen Blut und wurde sofort ins Krankenhaus gebracht. Dort teilten die Ärzte ihr mit, dass sie eine große Menge Fruchtwasser verloren hatte und ihre Plazenta sich zum Teil gelöst hatte.

Es sah nicht gut aus. Doch wieder geschah etwas, womit niemand - zuletzt die Ärzte - gerechnet hätte.

Nach sorgenvollen Tagen auf der Intensivstation war Hannahs Baby immer noch in ihrem Bauch, immer noch am Leben.

krankenhaus
Instagram/hannahkatelyn

Doch es gab auch wieder schlechte Nachrichten. Ein weiterer Spezialist hatte die werdende Mutter untersucht und festgestellt, dass ihr Baby unter einer noch schlimmeren Form von Skelettdysplasie litt als bisher angenommen.

Er sagte Hannah, dass ihr Baby außerhalb ihrer Gebärmutter nicht überleben würde.

Er sagte ihr, dass ihr Baby nicht in der Lage sein würde, selbstständig zu atmen.

Er sagte ihr, dass ihr Baby nur drei Pfund wiegen würde.

Er sagte ihr, dass es bei der Geburt nicht schreien würde, weil es zu schwach sei.

Und er sagte ihr, dass es nicht lange leben würde.

Doch Hannah trug ihr Baby bis zur 40. Schwangerschaftswoche aus und als der kleine Jude geboren wurde, bewies er, wie falsch alle gelegen hatten.

baby jude
Instagram/hannahkatelyn

Auf ihrem Blog "Raising Jude" beschreibt Hannah den besonderen Moment:

"Um 03:06 Uhr am Morgen sah ich das perfekte Gesicht eines Kämpfers, meines kleinen Kämpfer-Jungen. Sie sagten, sein Körper würde so schwach sein, dass er nicht selbstständig atmen könne und sie sagten, wir würden ihn nicht schreien hören. Doch als sie ihn hochhoben, um ihn mir zu zeigen, stieß er den unglaublichsten Kämpfer-Schrei aus. Mein Wunder atmete ganz allein. Er war am Leben! Er war alles und mehr als ich mir erträumt hatte. Es war der schönste, unvergesslichste Anblick."

Wenige Tage nach seiner Geburt stellten die Ärzte im Krankenhaus die vorläufig letzte Diagnose. Sie glauben, dass Jude unter einer anderen Form von Skelettdysplasie litt: RCDP (Chondrodyplasia punctata, rhizomeler Typ).

Genau wie die zuvor diagnostizierte Achondroplasia führt sie oft zu Todgeburten. Die Babys, die überleben, sterben in der Regel nach wenigen Monaten. RCDP geht normalerweise mit Herz- und Leberschäden einher. Jude wies jedoch keine auf. Und er starb auch nicht.

jude smiling
Instagram/hannahkatelyn

Allen düsteren Voraussagen zum Trotz lebt Jude. Er hat alle Operationen, die nötig waren, überstanden. Er bekommt eine Physiotherapie und eine besondere Sprachförderung. Und er ist glücklich.

"Ich habe viele Nachrichten bekommenen, in denen ich gefragt wurde, warum ich ihn zum Leiden auf die Welt gebracht hätte", schreibt Hannah auf ihrem Blog.

"Ich antworte ihnen, dass Jude der freudvollste Mensch ist, den ich kenne. Er hätte allen Grund, unglücklich zu sein und doch hat er ein Lächeln und ein niedliches Kichern, das er mit jedem teilt. Jude liebt das Leben. Manchmal hat er Schmerzen, doch davon lässt er sich nie runterziehen. Jude ist ein starker Kämpfer und hat so viele Hindernisse überwunden, die niemand ihm zugetraut hätte."

jude cute
Instagram/hannahkatelyn

Mit seiner kämpferischen Art hat Jude seiner Familie und allen, die mit ihm zu tun haben, geholfen, einen anderen Blick auf das Leben zu werfen.

"Er hat uns beigebracht, was wahre Stärke ist und wie man auch im Angesicht der Unsicherheiten glücklich sein kann. Er hat uns gezeigt, wie wertvoll das Leben ist, dass man nichts für selbstverständlich nehmen und jeden Augenblick genießen sollte", schrieben Hannah und Sully der Huffington Post per Mail.

"Es kann manchmal sehr schwer sein, Eltern eines kranken Kindes zu sein. Doch wir haben schnell gemerkt, dass Judes Diagnose nicht definiert, wer er ist. Man hat uns gesagt, er würde nicht länger als zwei Wochen leben. Jetzt ist er zwei Jahre alt. Jude schreibt seine eigene Geschichte und es ist unglaublich, das zu erleben. Wir sind sehr dankbar für seine Liebe", schreiben die Eltern.

RCPD ist eine sehr seltene Erkrankung. Weltweit sind nur 54 Fälle bekannt. Die amerikanische Food and Drug Administration hat ein Medikament entwickelt, das diesen Kinder helfen könnte, gesund zu werden.

Doch dafür sind Spenden nötig. Hannah und Sully, die große Unterstützung von ihrer Familie bekommen, haben deshalb eine GoFundMe-Seite eingerichtet, auf der sie Spenden für Jude sammeln. Knapp 25.000 Dollar sind bereits zusammengekommen.

Wer Judes Lebensweg weiter verfolgen möchte, kann die Facebook-Seite Praying for Jude Sullivan Peters besuchen oder Hannahs Blog "Raising Jude" verfolgen.

hannah und jude
Instagram/hannahkatelyn

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(gw, lk)