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"Hart aber fair" zur Rente: Spahn serviert Krankenschwester kühl ab

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  • Bei "Hart aber fair" ging es um die Gefahr einer Altersarmut
  • CDU-Politiker Spahn verteidigte hartnäckig die Riester-Rente
  • Doch eine Krankenschwester fuhr ihm in die Parade

Die Angst geht um in Deutschland: Wie steht es um unsere Rente? Droht uns eine Welle der Altersarmut? "Heute jung, morgen arm – schuften für eine Mini-Rente?" war das Thema in Frank Plasbergs Sendung "Hart aber fair."

Die CDU schickt ihren bewährten Talkshow-Kämpfer in den Ring. Jens Spahn verteidigte die Riester-Rente hartnäckig gegen alle Flop-Vorwürfe.

"Jene, die Riester brauchen, können sich die Zulage nicht leisten"

In der linken Ecke: SPD-Vize Ralf Stegner. Der warf Spahn vor, dass von der Riester-Rente die Falschen profitieren würden. "Die, die Riester brauchen würden, können sich die Zulage nicht leisten und die, die sich leisten können, brauchen sie nicht."

Unterstützung bekam Stegner von Ulrich Schneider, dem Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Der berichtete von seiner eigenen Riester-Erfahrung.

Er habe vor wenigen Jahren den Fehler gemacht, einen Vertrag abzuschließen. Erst nach Unterzeichnung habe er durchgerechnet und festgestellt, dass er über 90 Jahre hätte werden müssen, um die bereits eingezahlten Beiträge einmal ausbezahlt zu bekommen. Also habe er gekündigt.

Mit dem Mindestlohn muss man 63 Jahre arbeiten, um eine Grundrente zu erhalten

Als "dumm" befand dagegen Hermann-Josef Tenhagen diesen Ausstieg. Der Chefredakteur des Online-Verbrauchermagazins "Finanztipp" belehrte die Runde, man dürfe private Vorsorge wie die Riester-Rente nicht pauschal verurteilen.

Dazu passend: Deutschland verarmt - wir brauchen jetzt ein Altersgrundeinkommen

Er wies auf die Gefahr einer Altersarmut hin: Wer heute den Mindestlohn von 8,50 Euro die Stunde bezieht, müsse 63 Jahre Vollzeit arbeiten, um auf das Niveau einer Grundrente zu gelangen. "Das sind 840 Euro im Monat", sagt Tenhagen.

"Ich glaube, dass es schon lange her ist, dass einer von uns hier am Tisch mit 1000 Euro monatlich auskommen musste", sagt Spahn dazu.

Etwas still wurde es, als eine Krankenschwester Nathalie Claßen ihre Zukunftsängste schilderte. Sie würde gerne mit Riester für das Alter vorsorgen, kann es sich aber aus finanziellen Gründen nicht leisten - sonst käme ihr kleiner Sohn zu kurz.

Krankenschwester kann sich Riester nicht leisten

Die 38-Jährige ahnt jetzt schon, dass sie später in die Altersarmut abrutschen wird. Sie verdient heute 1900 Euro netto und käme laut Rentenbescheid auf eine Rente von 1107 Euro. Allerdings müsse sie dazu bis zum Renteneintritt mit 67 Jahren Vollzeit arbeiten.

"In der Pflegebranche ist das nicht möglich", sagt sie knapp.

Dann brach CDU-Politiker Spahn die Stille. Kühl rechnete er Claßens Beispiel schön. Ein Beitragsjahr bringe im Schnitt 30 Euro. Das seien schon mal 2000 Euro Rente im Schnitt - mindestens. Zudem würde die Rente ja durch jährliche Anhebungen bis zu Renteneintritt noch um etwa 40 Prozent steigen. Da könnten schon noch 1700 Euro bei rum kommen. Und neben sei ja auch die Inflation niedrig.

Angesichts der Ängste der Krankenschwester wirkte das etwas kalt. Die alleinerziehende Mutter schien er zumindest nicht überzeugt zu haben.

Er hat gut reden: Plasberg wies darauf hin, dass er schon jetzt nach einer 14-jährigen Zeit als Bundesabgeordneter im Alter von 67 mit einer monatliche Pension von 3000 Euro brutto rechnen kann – bezahlt vom Steuerzahler.

Prompt reagierte Spahn beleidigt - und verlangte eine Offenlegung der Moderatorengehälter.

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