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Wie tickt die AfD? Doku gibt verstörende Einblicke in eine Partei zwischen Protest und Extremismus

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HOECKE
Die AfD-Politiker Björn Höcke (links) und André Poggenburg | Fabrizio Bensch / Reuters
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Rheinland-Pfalz: 13 Prozent. Baden-Württemberg: 15 Prozent. Sachsen-Anhalt: 24 Prozent.

Die Alternative für Deutschland (AfD) hat abgeräumt bei den Landtagswahlen 2016. Und in bundesweiten Umfragen liegt sie bei etwas unter 15 Prozent.
Wissenschaftler versuchen
, die Anhänger der Partei zu kategorisieren.

Alles Zahlen, die die AfD beschreiben sollen und tatsächlich beschreiben. Die aber nur zum Teil Antworten geben auf die großen Fragen: Was treibt die Menschen zur AfD? Was macht die AfD mit Deutschland? Was will sie eigentlich noch mit Deutschland machen?

Die großen Fragen - was macht die AfD mit uns?

Die ARD hat den großen Fragen eine 43-minütige Dokumentation mit dem Titel "Afd. Und jetzt?“ gewidmet. Sie ist in der Mediathek abrufbar und wird in den kommenden Tagen noch mehrmals ausgestrahlt.

Um es vorweg zu nehmen: Auch diese Doku kann die großen Fragen nicht mit Sicherheit beantworten. Aber sie kommt einigen Menschen aus dieser Partei näher.

AfD-Anhänger aus Enttäuschung, aus Trotz, aus Protest

Menschen, die sich zumindest auch aus Trotz der AfD angeschlossen haben:

Wie Ludger Sauerborn , Gründungsmitglied der Grünen, heute AfD-Unterstützer. Sauerborn ist noch immer gegen die Atomkraft, was sich mit dem Programm der AfD beißt. Aber er ist auch genervt von der Nazi-Keule, die immer gleich gegen die Partei geschwungen werde. Der findet, die AfD gehe einfach realistisch mit der Flüchtlingskrise um.

Sauerborn streitet mit seinem Sohn Robert, dem Studenten, der den Vater nicht versteht. Der seinem Vater vorhält: "Es wird für niemanden einfacher, wenn man Angst und Hetze verbreitet.“

Da sind Leute wie der Wirtschaftsprofessor Jörg Meuthen aus Baden-Württemberg, der heute zur Parteispitze gehört und sagt, er sei über die Euro-Politik zur AfD gekommen und eingetreten, als Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) die AfD nach dem Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde im Bundestag verhöhnt habe.

AfD-Anhänger, die sich ausgenutzt fühlen - warum auch immer

Dann zeigt die Doku AfD-Anhänger, die Sätze sagen wie: "Wir sind das Volk, das blutet. Wir werden als deutsches Volk überhaupt nicht mehr unterstützt. Wir dürfen nur noch zahlen.“ Oder "Mann: Wieso sollen sich Menschen von hier anpassen? Es haben sich andere anzupassen.“ Oder: "Deutschland ist nicht ein freies Land. Wir können keine eigene Politik machen. In einem Staatensystem, das sich Europa nennt.“

Eine Parteichefin, die sich als "konservativ-liberal" bezeichnet

Sie zeigt Parteichefin Frauke Petry, die sich selbst als "konservativ-liberal“ einstufen will. "Extremismen sind mir fremd“, sagt sie. Und dass sie nichts gegen eine Provokation habe, wenn sie die für die Diskussion notwendig sei. Aber: "Die freiheitlich demokratische Grundordnung ist die Basis, auf der wir arbeiten müssen.“ Sie sagt da wirklich müssen.

AfD-Politiker, die mit der Angst der anderen spielen

Und die Doku zeigt den rechten Rand der AfD. Verkörpert von André Poggenburg, dem Angstmacher. Der findet, ohne den Linksschwenk der Union "wäre die Notwendigkeit einer AfD nicht dagewesen“, aber jetzt müsse sich die AfD gegen das "Parteienkartell“ stellen. Der sagt: "Die AfD ist die letzte Chance, dass wir eine Veränderung in Deutschland friedlich hinbekommen.“ Andernfalls stünden uns "bürgerkriegsähnliche Zustände in Deutschland“ bevor.

Und den absolut rechten Rand, wie ihn der Thüringer Björn Höcke repräsentiert. Höcke, der von 500 Millionen Einwanderern spricht, von "kulturellem, wirtschaftlichem und staatlichem Selbstmord“, von "Merkels asylpolitischem Amoklauf“. Höcke, der sich nicht mehr von den Pegida-Rednern unterscheidet, dessen Parolen die Zuhörer mit dumpfem Gejohle quittieren.

Was bleibt? Ein ungutes Gefühl

Nein, die ARD-Doku gibt keinen abschließende Antwort auf die großen Fragen. Dazu wertet sie auch nicht stark genug. Aber allein vom Zuhören schon entsteht ein Gefühl, was die AfD bedeutet und noch bedeuten könnte.

Robert, der Student und Sohn des AfD-Anhängers Ludger Sauerborn, bringt es gut auf den Punkt: Es macht ihm Angst. Angst zu hören, zu welchen Schlüssen Menschen kommen. Angst zu sehen, wie sich andere Angst machen lassen.

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(lk)