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Reis- und Linsen-Kartell aufgeflogen: So ziehen Lebensmittelhersteller die Kunden über den Tisch

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  • Schon wieder ist in Deutschland ein Lebensmittelkartell aufgeflogen
  • Diesmal sind Reis und Linsen betroffen
  • Verbraucher fragen sich: Welche Preise sind eigentlich nicht manipuliert?
  • Eine Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen im Text seht ihr im Video oben

Deutschlands Supermärkte liefern sich Rabattschlachten, Aldi und Lidl sorgen für reichlich Discounter-Kultur und in rot prangende Prozent-Zeichen sorgen für den letzten Rest Gewissheit: Lebensmittel sind hierzulande billig, beinahe schon zu billig. Denkt man als Kunde.

Doch die Wahrheit ist genau umgekehrt: Was uns günstig erscheint, ist tatsächlich noch zu teuer. Denn vielfach entsteht der Preis unseres Essens nicht auf einem freien Markt als Ergebnis von Angebot und Nachfrage, sondern durch heimliche und vor allem illegale Absprachen der Hersteller. Gerade untersucht das Bundeskartellamt einen möglichen neuen Fall: Reis und Hülsenfrüchte (wie Linsen und Erbsen) könnten preislich hochgemauschelt worden sein, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet.

Etliche Produkte sind im Preis manipuliert

Ein Einzelfall, so wie es schon einige Einzelfälle gegeben hat, die dann mit hohen Strafen durch die Wettberwerbsbehörde geahndet wurden?

Nun, betroffen waren bislang unter anderem die folgenden Produkte: Zucker, Mehl, Kartoffeln, Kaffee, Bier, Wurst, Kosmetik, Tiernahrung. Stellt sich eher die Frage, welche Artikel im täglichen Einkaufskorb nicht von einem Kartell im Preis manipuliert wurden. Schon Alnatura-Chef Götz Rehn ärgerte sich vor bald zwei Jahren, dass Kunden keine fairen Preise vor sich hätten.

Die Unternehmen, die mitmachen, handeln auf zweierlei Weise: entweder sprechen sie Preise untereinander ab oder sie teilen sich Gebiete so auf, dass sie in bestimmten Regionen praktisch ein Monopol haben - und damit den Preis diktieren können.

Die Unternehmen können mit Millionenstrafen rechnen

Nun also Reis und Hülsenfrüchte. Die Kartellwächter teilen nicht mit, welche Hersteller mitbetrogen haben - laut "FAZ"-Unternehmen ist darunter aber das Unternehmen Müller’s Mühle, das in beiden Märkten aktiv ist und bei Hülsenfrüchten laut Eigenangabe sogar Marktführer in Deutschland ist.

Weiterhin betroffen: Das Unternehmen Transimpex mit den Marken Palatina und Ahama vertreibt, zudem die Wurzener Nahrungsmittel GmbH. Bestätigen sich die Vermutungen der Ermittler, drohen Millionenstrafen - mit Rabatt für die Firmen, die als Kronzeugen zuerst vor dem Kartellamt aussagen.

Das Geld wandert in die Staatskasse - nicht in die Tasche der Verbraucher. Eine Entschädigung für eine vor Jahren gekaufte Packung Reis würde an der Bürokratie scheitern. Schlimmer als das zu viel gezahlte Geld ist aber der Gedanke, der sich immer wieder beim Einkauf melden müsste: Werde ich gerade betrogen, hier im Supermarkt?

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