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"Anne Will": AKP-Anhänger zeigte, warum die Türkei nicht in die EU sollte

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ANNE WILL
Der AKP-Vertreter Mustafa Yeneroglu bei "Anne Will" | ARD
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  • Bei "Anne Will" ging es um Deutschlands Verhältnis zur Türkei
  • EU-Parlamentspräsident Schulz sieht das Land auf dem Weg in einen "autoritären Staat"
  • Und ein Erdogan-Anhänger bewies, wie wenig sich die Türkei um die Kritik an ihrem Umgang mit Menschenrechten schert

Bei ihrem Besuch in der Türkei war von Bundeskanzlerin Angela Merkel wenig Kritik am Umgang mit Menschenrechten und Pressefreiheit zu hören. Nimmt sie zu viel Rücksicht auf Erdogan, um ihren Flüchtlingsdeal nicht zu gefährden? 80 Prozent der Bundesbürger kritisieren die Haltung der Kanzlerin.

"Abhängig von Erdogan - Ein zu hoher Preis für weniger Flüchtlinge?" war das Thema der Talkshow "Anne Will". Die Debatte war hitzig und spannend - unter anderem, weil ein Erdogan-Anhänger unfreiwillig zeigte, was einem EU-Beitritt seines Landes entgegensteht.

Peter Altmaier, der inoffizielle Talkshow-Repräsentant der Kanzlerin, kriegte sich mit dem Grünen-Politiker Cem Özdemir und der Amnesty-International-Generalsekretärin Selmin Caliskan in die Haare.

Die beiden griffen Merkel an, weil sie beim Besuch in der Türkei keinen Gesprächstermin mit verfolgten Journalisten wahrgenommen hatte. "Wenigstens zehn Minuten im Hotel" hätte sie einen Oppositionsführer treffen können, bemängelte Özdemir.

"In der Türkei geht man mit Menschen um wie mit Vieh"

Caliskan sagte: "Es gäbe jetzt eine Chance, Tacheles mit der Türkei über Menschenrechte und Meinungsfreiheit zu reden." Doch das geschehe nicht - stattdessen gehe es allein um die Zahl der ankommenden Flüchtlinge.

"Die Türkei ist kein sicherer Drittstaat", kritisierte Caliskan. Dort gehe man mit Menschen um wie mit Vieh.

Altmaier gab zu, dass "wir uns um manche Dinge in der Türkei nicht mehr gekümmert haben". Doch die Aufmerksamkeit wegen des Böhmermann-Skandals sei "eine Chance". Die Regierung wolle jetzt dafür sorgen, etwas Positives zu bewirken, sowohl bei der Meinungsfreiheit in der Türkei als auch in der Flüchtlingskrise.

Zudem sei das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei kein schmutziger Deal, da alle Bedingungen vom Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen geprüft würden. Schließlich habe die Türkei zugesagt, das Asylrecht aller Flüchtlinge zu prüfen.

Özdemir entnervt: "Und das glaubt ihr?"

"Viel mehr Satirezeitschriften als in Deutschland"

Mustafa Yeneroglu, Vertreter der türkischen Regierungspartei AKP, schien alle Befürchtungen Özdemirs und Caliskans bestätigen zu wollen.

Alle Kritik an Präsident Recep Tayyip Erdogan oder der Türkei ließ er einfach abperlen. Die Türkei sei ein sicherer Drittstaat, sagt er. Ja, sie sei sogar sicherer als Deutschland, wo die Flüchtlinge in ihren Heimen angegriffen würden. Auch gebe es in der Türkei "viel mehr Satirezeitschriften als in Deutschland".

Hier hatte EU-Parlamentspräsident Martin Schulz seinen Einsatz: "Die Türkei ist auf dem Weg in einen autoritären Staat, und ich halte das für sehr gefährlich."

Erdogan schade durch sein Verhalten seinem Land. "Die EU-Parlamentarier waren schon immer kritisch, jetzt sind sie noch kritischer geworden", sagt Schulz. "Der Schaden für das Land ist dramatisch."

"Besondere Beziehung zu Ziegen "

Yeneroglu nervte, dass der türkische Präsident in der Debatte ständig "als defizitärer Mensch" dargestellt werde. Er hob stattdessen den Einsatz der Türkei beim Bau von Flüchtlingslagern und Schulen hervor.

"Herr Schulz, wenn Ihnen jemand vorwerfen würde, sie seien pädophil und würden eine besondere Beziehung zu Ziegen pflegen, wären sie doch auch beleidigt." Er sprach sogar von einem "hate crime" gegen Erdogan.

Bei dieser Verharmlosung der Zensur in der Türkei ging Özdemir der Hut hoch: "Wer Merkel oder Gauck kritisiert, muss eben nicht in Gefängnis."

Die perfekte Zusammenfassung des Abends hat der EU-Parlamentarier Schulz: Die Krise, über die man den ganzen Abend geredet habe, wäre keine, wenn sich nicht so viele EU-Mitgliedstaaten gegen eine Verteilung der Flüchtlinge gewehrt hätten, seufzte er.

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(sk)