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So denken 5 junge Deutsche über ihre Rente: "Fühle mich verarscht"

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RENTE
HuffPost / Klöckner
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Die Bundesregierung will im Herbst die Rente reformieren - und es sieht alles danach aus, als ginge das zu Lasten der jüngeren Generation.

Die größte Rentenerhöhung seit 20 Jahren scheint möglich, außerdem die Rückabwicklung der Riester-Rente, die ursprünglich die Beitragszahler entlasten sollte. Und das ohne Not, denn keine Generation ist finanziell so gut abgesichert wie die jetzige Rentnergeneration.

Damit gehen SPD und CDU auf Stimmenfang, schließlich ist Deutschland schon jetzt das drittälteste Land der Erde. Geschenke an die Älteren sollen sich bei den Bundestagswahlen 2017 auszahlen.

Eine solche Rentenpolitik müssen am Ende die Jüngeren ausbaden - jene Beitragszahler, die heute zwischen 20 und 40 sind.

Wie fühlt sich die jüngere Generation dabei? Kümmert die das überhaupt - oder droht sie damit, auszuwandern, wenn sich nichts ändert? Wir haben uns in Berlin unter Menschen in den 20ern umgehört. Das sind ihre Antworten.

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Fabian, 25: "Können von Skandinavien lernen"

"Ich mache mir Sorgen um meine Rente. Ich sehe bei vielen älteren Leuten, dass die Vorsorge nicht reicht. Wenn man nur wenige hundert Euro pro Monat hat, ist das zu wenig. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass sich Familienmitglieder immer weniger unterstützen.

Deswegen wirbt die Politik für private Vorsorge, das halte ich aber für den falschen Weg. Man sollte eher über alternative Wege nachdenken, zum Beispiel über das Grundeinkommen. Hier könnte Skandinavien ein Vorbild sein."

Charlotte Leiniger, 21: "Kann die Fressangst nicht verstehen"

"Wenn es so ist, dass eine Rentenreform zu Lasten der jüngeren Generation geht, dann ist es so. Was soll man denn machen? Die Leute verhungern lassen? Ich kann nicht verstehen, wenn jetzt wieder so eine Fressangst entsteht bei Leuten, die noch nie wirklich gearbeitet haben.

Ich persönlich kann mir auch vorstellen, zu arbeiten, bis ich 80 bin, wenn ich dazu dann noch fähig bin. Das ist allemal spannender, als zu Hause rumzusitzen.

Privat Vorsorge betreibe ich noch nicht. Mir wurde irgendwann mal gesagt: Wenn du 18 bist, musst du dir schon über deine Rente Gedanken machen. Das sehe ich anders. Wenn man einen Job hat, werde ich damit anfangen. Aber das dauert noch."

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Sophie Neu, 23: "Eine richtige Rente wäre geil"

"Klar wäre es geil, eine richtige Rente zu haben. Ich glaube aber nicht, dass das realistisch ist. Da bin ich eher pessimistisch. Dafür werde ich in meinem Beruf nicht genügend verdienen.

Außerdem habe ich im Moment nicht genug Geld, um was zur Seite zu legen. Nichtmal 50 Euro pro Monat sind drin. Dafür kann ich mir aber vorstellen, auch zu arbeiten, bis ich 80 bin, wenn ich dann noch gut drauf bin."

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Andreas, 24: "Vorsorgen ist etwas sehr Deutsches"

"Das ewige Vorsorgen und Sparen ist etwas sehr Deutsches. Und ich weiß nicht, ob ich mich diesem allgemeinen Imperativ einreihen muss. Ich werde schon irgendwie durchkommen - und mache mir deswegen auch noch keine Gedanken um meine Rente. Eher auf dem Papier.

Ab und an muss ich Kästchen ankreuzen, ob ich in die Rentenkasse einzahle oder nicht. Dann denke ich kurz drüber nach und google das, aber im Moment ist es dafür einfach noch zu weit hin.

Ich sorge auch nicht privat vor. Ich hätte zwar das Geld dafür, aber dann denke ich auch: Lieber ein Kurzurlaub mehr als mit 65 mehr Briefmarkensammlungen - das ist ja auch nicht das, was man unbedingt braucht."

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Matthias Lücke, 27: "Ich rechne nicht mehr damit, eine Rente zu bekommen"

"Ich rechne nicht damit, irgendwann eine Rente zu bekommen. Junge Menschen unserer Generation werden zu großen Teilen auf Rechnung arbeiten, also nicht angestellt sein und in keine Rentenkasse einzahlen.

Deswegen glaube ich nicht mehr an das Konzept. Wenn mir jemand eine Riesterrente andrehen will, fühle ich mich verarscht. Was schade ist, denn eigentlich finde ich die Idee der Rente gut: Es geht darum, in Würde zu altern.

Ich bin selbstständig und poker darauf, dass ich mich irgendwann selbst finanzieren kann. Das kann ich von der Generation über mir nicht erwarten, weil ich nichts erben werde. Ich setze nicht auf die Generation unter mir, weil ich nicht vorhabe, Kinder zu bekommen, die mich versorgen. Selbstständig sein, Geld machen und hoffen, dass es klappt. Und wenn nicht, in einer Kommune landen."

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(lp)