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Präsidentenwahl in Österreich: So bestürzt reagieren die Menschen auf den Rechtsruck

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HOFER
Der siegreiche Kandidat Norbert Hofer | Getty
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  • Der Rechtsruck in Österreich sorgt für Irritationen
  • Das Ergebnis wird als Konsequenz der trägen Politik der Regierungsparteien gesehen
  • Ein ähnliches Ergebnis ist Kommentatoren zufolge auch in Deutschland möglich

Österreich wählt einen neuen Bundespräsidenten. Wer es wird, das bestimmt die Stichwahl in rund einem Monat. Im ersten Wahlgang am Sonntag allerdings war das Ergebnis eindeutig: Norbert Hofer von der rechtspopulistischen FPÖ siegte mit knapp 37 Prozent der Stimmen vor dem Zweitplatzierten Alexander van der Bellen mit rund 20 Prozent.

Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg wird der Bundespräsident damit nicht von einer der Volksparteien SPÖ oder ÖVP gestellt. Ein Denkzettel, ein Warnschuss.

Und ein Ergebnis, das in Europa für Irritationen sorgt. Denn hier, bei der Direktwahl durch die österreichischen Wahlberechtigten, hat es einen deutlichen Rechtsruck gegeben. Hofer hatte die derzeitige Regierung im Wahlkampf als deutlich zu lasch im Umgang mit der Flüchtlingskrise gescholten. Das kam gut an.

Hofer scheint auf einer Welle des öffentlichen Unbehagens über die Flüchtlingskrise geritten zu sein. Die Wähler haben sich auf die Anti-Einwanderungs-Botschaft der Partei gestürzt.

So heißt es in einer Analyse des britischen "Telegraph".

Bezweifeln kann man aber offenbar, dass es sich um einen reinen Erfolg der österreichischen Rechten handelt - vielmehr ist der Sieg ein Misserfolg der etablierten Parteien, wie es in einem Kommentar der "Neuen Osnabrücker Zeitung" heißt:

Die beiden früheren Groß-Parteien in Wien haben in den vergangenen Jahren sämtliche Warnzeichen missachtet und entspannt im Weiter-so-Modus regiert. Die Quittung haben sie bekommen. Das politische Beben in der Alpenrepublik wird über die Grenzen hinaus zu spüren sein. Den FPÖ-Brüdern und -Schwestern im Geiste von der AfD wird das Szenario gefallen. Und agieren Union und SPD in Berlin ähnlich träge und ignorant, droht hierzulande genauso ein Rechtsruck.

Wenn die Parteien mit Regierungsmacht zu träge sind, ist der "Fall Österreich" kein Wunder, ist weitgehend der Tenor. Nun ist der Bundespräsident nicht der mächtigste Mann im k.u.k. Staat - doch lässt sich bei dessen Wahl trefflich ein Zeichen setzen, wie auch die "Neue Zürcher Zeitung" kommentiert:

Die Bevölkerung hat die Wahl für ein Amt, dessen Einfluss realpolitisch eng begrenzt ist, zum Anlass für eine klare Absage an jenes System genutzt, auf dem die Republik in den letzten Jahrzehnten gründete: konsensorientierte Kompromisslösungen, aber auch Klientelwirtschaft und Postenschacher.

Nutzer auf Twitter sind über das Watschn-Ergebnis geschockt...

...erkennen jedoch auch an: Eine Wahl ist nun einmal Ausdruck des Volkswillens.

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