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Sieg für FPÖ-Kandidat: Österreich wendet sich vom Establishment ab

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HOFER
FPÖ-Kandidat Norbert Hofer | Getty
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  • Der Kandidat der rechtspopulistischen FPÖ hat bei der Bundespräsidentenwahl in Österreich gesiegt
  • Nach dem Votum wird es nun wohl zu einer Stichwahl kommen

Der Kandidat der rechtspopulistischen FPÖ, Norbert Hofer, hat in der Wahl zum Österreichischen Bundespräsidenten triumphiert: Einer ersten Hochrechnung der ARGE Wahlen zufolge versammelte Hofer knapp 37 Prozent der Stimmen auf sich. Damit haben die Wähler den Volksparteien eine herbe Klatsche erteilt: Die Kandidaten sozialdemokratischen SPÖ und der konservativen ÖVP belegten die Plätze vier und fünf - und ließen nur den Außenseiterkandidaten Richard Lugner hinter sich.

Da keiner der Kandidaten bei der Abstimmung die absolute Mehrheit erreicht hat, wird es in rund einem Monat zu einer Stichwahl kommen. Das Rennen um den Gegner Hofers im zweiten Votum ist noch nicht entschieden: Der Grünen-Kandidat Alexander van der Bellen und die Parteilose Irmgard Griss liefern sich im Bereich zwischen 18 und 19 Prozent ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den zweiten Platz.

Debakel für die Regierungsparteien

Für die Bewerber der rot-schwarzen Regierung ist die Wahl ein Debakel. Rudolf Hundstorfer (SPÖ) und Andreas Khol (ÖVP) kamen auf jeweils nur rund zwölf Prozent. Damit steht fest, dass der nächste Bundespräsident erstmals nicht aus dem Lager der sozialdemokratischen SPÖ oder konservativen ÖVP kommt. Bauunternehmer Lugner kam auf etwa 2,5 Prozent.

Es wird erwartet, dass das desolate Abschneiden der Kandidaten der Regierungsparteien zu heftigen innerparteilichen Diskussionen bei Sozialdemokraten und Konservativen führen wird.

Sammelbecken der Protestwähler

Die FPÖ hatte unter dem europakritischen Slogan "Österreich zuerst" Stimmung auch in der Flüchtlingsfrage gemacht. Die einst von Jörg Haider dominierte FPÖ wurde aber nach ersten Analysen darüber hinaus zu einem Sammelbecken der Protestwähler ganz generell. "Es war eine Anti-System-Wahl. Die Menschen sind unzufrieden, wie die Demokratie gestaltet wird", sagt der Politikberater Thomas Hofer.

Der FPÖ-Kandidat, ein gelernter Flugzeugtechniker, hatte sich zunächst für zu jung für eine Kandidatur gehalten. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache überredete den bisher eher unbekannten 45-Jährigen aber dann doch.

Am Sonntag waren 6,4 Millionen Österreicher ab 16 Jahren zur Wahl aufgerufen. Das Staatsoberhaupt wird für sechs Jahre gewählt und kann einmal wieder kandidieren. Amtsinhaber Heinz Fischer scheidet im Juli nach zwei Amtsperioden aus.

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