Huffpost Germany

Obama-Besuch in Hannover: Das Ende des Fiebers

Veröffentlicht: Aktualisiert:
OBAMA
Begrüßung zwischen den Regierungschefs | ASSOCIATED PRESS
Drucken
  • US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel haben betont, wie wichtig ihre Partnerschaft sei
  • Deutlich wurde dabei allerdings, dass beide beim Handelsabkommen TTIP keine schnelle Einigung erwarten
  • Der Präsident lobt Merkels Flüchtlingspolitik

Mehr geht nicht, sonst müsste er sie wohl küssen. Barack Obama macht Angela Merkel bei seinem letzten Auftritt als US-Präsident in Deutschland so etwas wie eine politische Liebeserklärung. "Es ist die wichtigste Beziehung, die wichtigste Freundschaft, die ich in meiner Amtszeit hatte", kommentiert der mächtigste Mann des Westens das Verhältnis zu Deutschland.

Obwohl - das mit dem Küssen war ja fast schon geschehen, kurz zuvor, am roten Teppich. Sehr prominent wurde etwa in der "Bild" darauf hingewiesen, dass Merkel Obama zur Begrüßung ausgiebig gebusselt habe.

Und das mit der Liebe, die zwischen den Staatsoberhäuptern zu herrschen scheint, haben auch fast alle Beobachter mitbekommen: "Eine Art Liebeserklärung" schreibt "Spiegel Online" gleich in der Titelzeile, "Wie Obama und Merkel gelernt haben, einander zu lieben" ist bei CNN zu lesen.

Zur Schau getragene Resignation

Wenn der Staatsbesuch also für irgendeinen Deutschen besonders wichtig und herausragend war, dann für Angela Merkel. Der fünfte Besuch war der Abschied als Staatsmann. Und dieser spiegle "das inzwischen abgekühlte Verhältnis vieler Deutscher zum 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten wider. Das Obama-Fieber ist vergangen", kommentiert "Zeit Online".

Das könnte auch daran liegen, dass beide gemeinsam ihre Resignation zur Schau tragen. Zum transatlantischen Handelsabkommen TTIP zwischen den USA und der EU etwa sagt Obama: "Ich gehe nicht davon aus, dass wir die Ratifizierung bis Ende des Jahres schaffen." Immerhin, er hoffe, dass bis dahin die Inhalt des Vertrags feststünden. "Wir sollten uns sputen", fügt Merkel zahm hinzu.

Schließlich mahnt der Präsident doch noch recht entschlossen die Kritiker, sich mit ihrer Kritik - etwa wegen der Umweltstandards oder potenzieller Prozesslawinen - zurückzuhalten: "Man muss die Tatsachen ansehen und nicht die hypothetischen Möglichkeiten." Er glaube, viele Menschen seien durch die Globalisierung beunruhigt, obwohl die amerikanische und die europäische Volkswirtschaft davon gleichermaßen profitierten.

Obamas Vermächtnis

Ansonsten: Liebesschwüre zwischen einander mittlerweile bestens vertrauten Partnern, alles politischer Natur wohlgemerkt. In der Flüchtlingspolitik sei sie auf der richtigen Seite der Geschichte, sagt Obama. Er sei froh, dass Merkel noch Kanzlerin sei, wenn er nicht mehr Präsident ist: "Die Welt wird davon profitieren, von ihrer sehr steten und konsequenten Präsenz." Und: "Sie tut, was sie verspricht." Er werde sie als Privatmensch weiter bewundern.

Es klingt wie ein Vermächtnis nicht nur an Deutschland, sondern an ganz Europa. Es ist ein Treffen in schwieriger Zeit. Obama ist zwar 2016 immer auch auf Abschiedstournee, kommt aber aus gutem Grund auch nach Deutschland.

Mehr und mehr sei die US-Regierung von der Sorge getrieben, Europa wanke im Angesicht der Probleme vom Ukraine-Konflikt bis zur Flüchtlingskrise, ist aus seinem Umfeld zu hören. Ein schwaches, uneiniges Europa vor den Türen Russlands? Das kann Washington bei aller Hinwendung zu Asien nicht wollen.

Wen sollte Obama also sonst treffen, wenn nicht Angela Merkel? "Wir schätzen außerordentlich, dass sie so eine feste Hand gehabt hat in ihrer Politik", sagt Obama.

Die Kanzlerin reagiert kühl

Dann aber folgt eine etwas abgekühlte Reaktion vonseiten der Bundeskanzlerin: "Unsere bilateralen Beziehungen sind gut, da brauchen wir nicht viel Zeit drauf zu verwenden." Ihrerseits zieht sie keine Bilanz der bisher rund siebenjährigen gemeinsamen Beziehung. Dazu sei sie völlig außer Stande, weil es noch so viele Herausforderungen während Obamas restlicher Amtszeit gebe.

Das sieht der Noch-Präsident genauso. Seine Botschaft lautet: Die USA sind an Eurer Seite, aber tut mehr! Jetzt, da der internationale Terrorismus im Herzen des Kontinents angekommen sei, wo die Wirtschaft nur mäßig laufe, die TTIP-Verhandlungen ins Stocken geraten sind und die Flüchtlingskrise noch lange nicht im Griff ist, da solle man besser zusammenhalten. Und, ganz konkret, mehr Geld für Verteidigung ausgeben. Berlin erreicht das Ziel aber nicht, die Ausgaben für Verteidigung auf zwei Prozent des Bruttosozialprodukts zu erhöhen.

Elf Jahre an der Spitze? Das wäre Obama zu viel

Eine gute Gelegenheit, zu betonen, dass das kein einfacher Job ist - Regierungschef. Um eines beneide er die Kanzlerin nicht, versichert Obama. Dass ihre Amtszeit anders als die seine nicht von vornherein begrenzt sei.

"Ich liebe meinen Job", sagt er. Aber: "Ich habe eingesehen, wie klug es von den Gründern unseres Landes war, es so einzurichten." Es sei eine sehr gesunde Einstellung, dass es eine politische Abwechselung gebe. Obama vergleicht die Präsidentschaft mit einem Basketballspiel und die Neuwahl mit einem Spielerwechsel, damit wieder "frischere Beine" auf den Platz kämen.

Merkel hat der Öffentlichkeit noch nicht mitgeteilt, ob sie zur Bundestagswahl 2017 noch einmal antritt. Seit bald elf Jahren ist sie nun im Amt. Länger als Obama. "Frischere Beine", vielleicht gibt Merkel das noch zu denken?

Auch auf HuffPost:

Video: "Das ist mein Haus!" US-Präsident Obama lässt diesem Störenfried keine Chance