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Wird dieser Mann der Nachfolger Wladimir Putins?

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  • Verteidigungsminister Sergei Schoigu könnte Wladimir Putin im Amt beerben
  • Er gilt als Günstling des derzeitigen Präsidenten
  • Aus seiner Feder soll die aggressive Strategie des Landes stammen
  • Eine Zusammenfassung seht ihr oben im Video

Wladimir Putin steht wie ein Fels in der Brandung. Bei der russischen Bevölkerung ist der Präsident beliebt, auf dem internationalen Parkett gibt er sich offensiv, provoziert, polarisiert. Doch Experten wissen längst: So mächtig, wie Putin sich gerne nach außen präsentiert, ist er im Kreml nicht.

Seit 1999 ist Putin – mit einer Legislaturperiode Unterbrechung – im Amt. Doch seine Ära könnte schon bald enden. Der russische Politikwissenschaftler Gleb Pavlovsky erklärte dem US-Magazin "Foreign Affairs“: "Russland ist bereits von einem System kontrolliert, das Putin nur als Logo benutzt. Und das System ist instabil.“

Doch wie wird die Zeit nach Wladimir Putin aussehen? Russland-Experte Hans Henning Schröder sagte der Huffington Post kürzlich: Damit in Russland der Übergang zu einem neuen Präsidenten klappt, muss Putin diesen für den Richtigen halten – "und mit dem Finger auf ihn zeigen.“

Derzeitiger Minister ist heißer Kandidat auf Putin-Nachfolge

Denn: Die russische Bevölkerung hegt großes Misstrauen gegen die politische Elite, die das Land kontrolliert. "Es funktioniert noch immer nach dem Prinzip: guter Zar, böse Bojaren", erklärte Schröder, ehemaliger Direktor des Deutschen Instituts für internationale Politik und Sicherheit. Die Bojaren waren im Zarenreich Kleinadelige, die von der Bevölkerung verachtet wurden.

Und er verrät auch: Mit Sergei Schoigu, dem derzeitigen russischen Verteidigungsminister, gibt es einen Kandidaten, der in Expertenkreisen als nächster Präsident Russlands gehandelt wird.

Schoigu ist der dienstälteste Politiker in der russischen Regierung. Seit 1990 ist er Mitglied der Regierung, diente unter Jelzin, Putin und dem Kurzzeit-Präsidenten Dimitri Medvedew. Und zeichnete sich stets durch Zuverlässigkeit aus.

Kreml lässt sich Militärreform kosten

Das gilt etwa für seine Position als Verteidigungsminister, die er 2012 übernahm: Schoigu kann die militärischen Erfolge Russlands auf der Krim, in der Ostukraine und in Syrien auf seinem Konto verbuchen.

"Die russische Armee hat eine Fähigkeit und Organisation demonstriert, die wir so noch nie erlebt haben“, urteilte kürzlich Evelyn Farkas, lange Jahre Russland-Expertin im Pentagon. Das hat der Kreml sich einiges kosten lassen: Unter Schoigu stiegen die Militärausgaben deutlich, fast fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts gibt Russland für Rüstung aus. Bis 2020 will der Verteidigungsminister 70 Prozent der Armee vollständig modernisiert haben.

Ein Hund als Vertrauensbeweis

Schoigu ist ein enger persönlicher Vertrauter Putins. Im Jahre 2000 schenkte er ihm den schwarzen Labrador Koni, der schnell zum Lieblingshund des Tierliebhabers Putin wurde. Häufig war Schoigu auch mit dem Präsident unterwegs, wenn dieser mal wieder einen seiner medienwirksam inszenierten Abenteuer- und Jagdtrips unternahm.

Zu der Männerfreundschaft kommt fachliche Kompetenz. Längst sind sich Experten sicher: Sergei Schoigu ist der Stratege hinter dem derzeitigen außenpolitischen Kurs Russlands, der im Westen häufig als Aggression interpretiert wird.

"Mit Syrien hat Moskau einen neuen Gestaltungsraum gefunden, wo es recht erfolgreich operieren kann“, erklärt Hans Henning Schröder. Die Zeit des hohen, außenpolitischen Risikos, in die die Annexion der Krim fällt, sei bereits vorbei - auch wenn das im Westen oft anders wahrgenommen würde. Russland gehe mittlerweile eher bedacht vor, immer mit dem Ziel die eigene Machtbasis ohne große Verluste auszubauen.

Neuer Kurs kommt an

Und die Erfolgsmeldungen aus Syrien kommen auch bei der russischen Bevölkerung an. Obwohl auch Schoigu in einen massiven Korruptionsskandal verwickelt sein soll, gehört er seit je her zu den wenigen Lieblingen der Bevölkerung, räumt in Umfragen des russischen Meinungsforschungsinstitut VTSIOM regelmäßig Top-Werte ab.

Denn: Schoigu profitiert vom Glanz Putins, strahlt Ruhe aus – und liefert Ergebnisse. Gut vorstellbar, dass der Präsident eines Tages mit dem Finger auf ihn zeigt.

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(tos)

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