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"Rosarote Brille abnehmen": Trittin attackiert die Kanzlerin

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  • Grünen-Politiker Jürgen Trittin kritisiert das EU-Türkei-Abkommen als "schmutzigen Deal"
  • Der Kanzlerin riet er, bei ihrem Besuch in der Türkei an diesem Samstag vor Ort "der Realität ins Auge zu sehen"
  • Er mahnte weiterhin, Warnungen von Menschenrechtsorganisationen ernst zu nehmen

Die Grünen üben scharfe Kritik an dem von Bundeskanzlerin Angela Merkel initiiert EU-Türkei-Abkommen.

Anlässlich des Besuchs der Kanzlerin in der Türkei, rät Grünen-Politiker Jürgen Trittin der Kanzlerin nun, vor Ort den Kontakt zu Flüchtlingen aus Afghanistan und dem Irak zu suchen.

Sie seien die "großen Verlierer des schmutzigen Deals", da sie anders als Syrer, nun keine Chance mehr hätten, in Europa aufgenommen zu werden, so Trittin gegenüber der "Süddeutschen Zeitung".

"Merkel muss der Realität vor Ort ins Auge sehen"

"Angela Merkel muss ihre rosarote Brille zuhause lassen und der Realität vor Ort ins Auge sehen", sagte Trittin weiter. Die Kanzlerin müsse Berichte von Amnesty International ernst nehmen, in denen der Türkei vorgeworfen wird, Menschen illegal nach Syrien abzuschieben.

"Schon jetzt ist klar: die Bundesregierung hat sich bei ihrem Nullsummenspiel verrechnet. Solidarität zwischen den EU-Mitgliedssaaten darf nicht auf Kosten der Solidarität mit Geflüchteten gehen", sagte der Grünen-Politiker dem Blatt weiterhin.

Europa habe schon einmal einen Autokraten die Drecksarbeit der Flüchtlingsabwehr machen lassen und das als Realpolitik verkauft. "Nach den Erfahrungen mit Muammar Gaddafi sollten wir es eigentlich besser wissen."

Merkel müsse Erdogan deutlich machen, dass es weitere Zugeständnisse an die Türkei wie die von Ankara geforderte Visafreiheit erst geben könne, wenn Erdogan endlich aufhöre, Meinungsfreiheit und Menschenrechte zu verletzen, zitiert ihn die "Süddeutsche" weiter

Kritik auch durch Human Rights Watch

Der für den heutigen Samstag geplante Besuch von Merkel und EU-Vertretern in der türkischen Grenzstadt Gaziantep kommt inmitten zunehmender Kritik und Zweifeln an dem Deal vom 20. März, demzufolge illegal nach Griechenland eingereiste Flüchtlinge wieder in die Türkei zurückgeschickt werden.

Auch die amerikanische Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch hat Bundeskanzlerin Angela Merkel und die EU aufgefordert, das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei zu überdenken.

Die amtierende Direktorin von Human Rights Watch, Judith Sunderland, sagte, anstatt ein eigens aufgeräumtes Flüchtlingslager in Gaziantep zu besuchen, sollten Merkel und die EU sich auf die Zehntausenden von syrischen Flüchtlingen konzentrieren, die an der syrischen Grenze blockiert seien.

Außerdem sollten sie sich ein Lager ansehen, in dem "missbräuchlich von Griechenland deportierte" Migranten untergebracht seien.

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