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Kabarettist Serdar Somuncu rechnet mit Erdogan-Anhängern in Deutschland ab

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Serdar Somuncu, deutscher Kabarettist, Musiker und Schriftsteller türkischer Herkunft, hat zuletzt Hass-Mails von Erdogan-Anhängern erhalten (Archivbild) | dpa
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  • Der deutsch-türkische Kabarettist Somuncu kritisiert Teile der türkischen Gemeinde
  • Deutsche und Türken würden niemals Freunde, schreibt Somuncu in einem "Spiegel"-Gastbeitrag
  • Auch die Haltung vieler Deutscher sieht der 47-Jährige kritisch

Der deutsch-türkische Kabarettist Serdar Somuncu hat in der aktuellen Ausgabe des "Spiegel" harte Kritik an Teilen der türkischen Gemeinde in Deutschland geübt.

In einem Gastbeitrag berichtet er von "Hass-Mails" und Einträgen auf seiner Facebook-Seite, die ihn nach seinem jüngsten TV-Auftritt bei Anne Will zum umstrittenen Böhmermann-Gedicht erreicht haben. Darin werde ihm von türkischen Nationalisten und Erdogan-Anhängern vorgeworfen, Böhmermanns Beleidigungen in Richtung Erdogan zu verteidigen, schreibt Somuncu.

"Es geht offensichtlich um die Ehre der in Deutschland lebenden Türken"

Neu seien solche Reaktionen für ihn zwar nicht. "Doch auch mich er­staunt, wie viel fri­sche Wut ent­stan­den ist – aus ei­ner schon zig­mal ge­führ­ten De­bat­te um Sa­ti­re und Kunst her­aus."

Dann wird Somuncu deutlich: "Of­fen­sicht­lich geht es hier vor al­lem um die Ehre der in Deutsch­land le­ben­den Türken. Sie fühlen sich schon lan­ge ver­folgt von deut­scher Er­nied­ri­gung und Über­heb­lich­keit. Sie füh­len sich ge­de­mü­tigt und ver­ra­ten. Und neh­men den deut­schen Po­li­ti­kern die gu­ten Ab­sich­ten nicht ab, wenn die von In­te­gra­ti­on und Leit­kul­tur spre­chen."

"Deut­sche und Tür­ken wer­den nie­mals Freun­de"

Die Ten­denz der deutsch-tür­ki­schen Be­völ­ke­rung, sich zu se­pa­rie­ren, sei seit den Brand­an­schlä­gen der Neun­zi­ger­jah­re un­ter an­de­rem in Mölln und So­lin­gen im­mer grö­ßer ge­wor­den, kritisiert der 47-Jährige. "Deut­sche und Tür­ken wer­den nie­mals Freun­de, sie sind Stief­ge­schwis­ter", schreibt er.

Somuncu sieht jedoch auch den (nicht vorhandenen) Integrationswillen vieler Deutscher kritisch. Erst wenn Deutsch­land sich in­ner­lich da­mit ab­fin­de, dass die Tür­ken ein Teil die­ser Ge­sell­schaft seien, werde viel­leicht auch die Be­reit­schaft der Tür­ken, sich für eine Sei­te zu ent­schei­den, grö­ßer wer­den, schreibt Somuncu.

"In Deutschland funktioniert heute noch ein faschistoides System"

Immer wieder sorgt Somuncu mit Aussagen zur politischen Situation in Deutschland für Schlagzeilen. Vor wenigen Monaten hatte er zur Dskussion über die Veröffentlichung einer Neuauflage zu Hitlers "Mein Kampf" gesagt, dass solche Debatten symptomatisch für die Bundesrepublik seien. "In Deutschland funktioniert heute noch ein faschistoides System", sagte er damals im Deutschlandfunk.

Übe den Rechtsruck in Sachsen und anderen teilen der neuen Bundesländer sagte er: "Die Menschen im Osten haben immer noch ein gehöriges Unzufriedenheitspotenzial. Sie gehen auf die Straße, weil sie aufbegehren gegen eine unsichtbare Obrigkeit und schreien 'Wir sind das Volk!'".

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