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Aus Angst vor Migranten-Kritik: Rathaus hängt Nacktbilder wieder ab

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AUSSTELLUNG
Symbolbild: Besucher einer Ausstellung des Fotografen Irving Penn in Venedig, 2014 | Getty
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  • Das Rathaus in Berlin-Köpenick ließ zwei Aktfotos abhängen
  • Die Begründung des zuständigen Amts sorgt nun für einen Eklat

Wie für viele deutsche Rathäuser üblich stellt auch das Rathaus des Berliner Stadtteils Köpenick regelmäßig Räumlichkeiten für kulturelle Projekte zur Verfügung – wie beispielsweise aktuell für eine große Ausstellung des Fotoclubs Forum Berlin.

Das Versprechen: Das Rathaus bietet den technisch-organisatorischen Rahmen – doch inhaltlich könne der Club selbst bestimmen, welche Fotos ausgestellt würden, berichtet die "Welt" unter Berufung auf eine Erklärtafel im besagten Rathaus.

Dieses Versprechen soll nun allerdings gebrochen worden sein, heißt es in dem Bericht weiter. Das Rathaus soll zwei Akt-Kunstwerke entfernt haben.

Doch mehr noch als dieser Schritt sorgt vor allem die Erklärung des zuständigen Kulturamts für einen ausgewachsenen Eklat.

"Religiöse Gefühle sollen nicht verletzt werden"

Die "Berliner Zeitung" zitiert hierzu ein Statement des Amts, das zuvor im "Kurier" veröffentlicht worden war:

"Grund ist, dass es sich beim Rathaus um ein öffentliches Dienstgebäude handelt, das von den Bürgern in erster Linie wegen der Erledigung von Amtsgeschäften und selten gezielt zum Besuch einer Ausstellung aufgesucht wird. (…) Darüber hinaus kommen viele Menschen mit Migrationshintergrund in das Rathaus, deren religiöse Gefühle durch Aktfotos nicht verletzt werden sollen",

Gerade der letzte Teil der Erklärung sorgt nun wohl für Empörung. "Ich finde das schon interessant nach Böhmermann", gab eine Besucherin gegenüber der "Welt" zu bedenken. "Ich habe das Gefühl, dass wir hier so bald gar nichts mehr dürfen. Wo bleibt die Meinungsfreiheit?"

"Die Art und Weise gefällt uns nicht"

Interessant ist auch, dass sich laut Informationen der "Berliner Zeitung" keine muslimischen Mitbürger, sondern deutsche Mitarbeiterinnen des Rathauses und eine deutsche Besucherin beschwert hatten. Auch Fotografen anderer teilnehmender Clubs kritisieren die Entscheidung des Rathauses. Aus Protest und Solidarität hätten mehrere Klubs nun ihre Fotos abhängen lassen, berichten mehrere Quellen.

"Die Art und Weise, wie hier mit den Fotografien umgegangen wird, gefällt uns nicht", sagte einer der Künstler im Gespräch mit der "Welt". Auch er halte das Argument mit dem Migrationshintergrund für "sehr gefährlich, weil damit das Problem der Integration angesprochen wird und eine mögliche Lösung gleich mit angedeutet wird. Nämlich, dass wir uns zurücknehmen und uns anderen anpassen sollen".

Das zuständige Kulturamt wollte sich zu der Kritik bisher noch nicht äußern.

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(tos)