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Felbertauernstraße: Blinker setzen, Bergluft schnuppern

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Wo die Welt noch in Ordnung ist: Almdorf Innergschlöß

Seit fast 50 Jahren nutzen Auto- und Motorradfahrer sowie Camper die Route über den Alpenhauptkamm als preisgünstige und staufreie Alternative zum Brenner oder zur Tauernautobahn.

Mit dem neuen Streckenabschnitt hinter dem Südportal rollt der Verkehr seit letzten Sommer noch zügiger. Und mit der neuen Trassenführung öffnet sich der Blick auf das bisher versteckt liegende Gschlößtal, das als schönster Talabschluss der Ostalpen gilt. Wer auf dem Weg in den Urlaub etwas Bergluft schnuppern will, sollte hier unbedingt eine Pause einlegen.

Auf dem Weg nach Osttirol, Kärnten oder weiter nach Italien ist die Felbertauernstraße die mit 36 Kilometer kürzeste Nord-Süd-Verbindung zwischen Mittersill und Matrei.

Ihr Mehrwert entlang der Route ist eine Gebirgslandschaft wie aus dem Bilderbuch. Vom Südportal der Felbertauernstraße ist es nur ein Katzensprung bis zum autofreien Gschlößtal, das sich mit zwei Almdörfern, einer berühmten Felsenkapelle und drei Gasthäusern perfekt für einen Zwischenstopp eignet.

"Wir sind stolz auf die traumhafte Landschaft entlang der Felbertauernstraße", sagt Karl Poppeller, Vorstandsdirektor der Felbertauernstraße AG. "Das Gschlößtal ist mit seinen Dreitausendern und einem Gletscher hochalpin und gleichzeitig durch einen Almweg leicht zugänglich." Mit etwas Glück entdecken die Wanderer Murmeltiere oder den seltenen Bartgeier, Alpenblumen und traumhafte Ausblicke sind dagegen garantiert.

Ein romantisches Almdorf und spektakuläre Wasserfälle

Der Weg ins Tal beginnt gleich hinter dem Matreier Tauernhaus. Hier kann man gut parken, sich mit einer Tauernhaus-Forelle oder Kasnocken stärken und dann einfach losspazieren. Die Wanderung bis zum Venedigerhaus ist mit vier Kilometern und 200 Höhenmetern sogar kinderwagentauglich und in einer Stunde zu schaffen.

Wer nicht selbst laufen will, bucht sich eine Pferdekutsche und genießt die Ausblicke hoch auf dem Wagen. Egal, ob man mit Pferdestärken unterwegs ist oder zu Fuß: Spektakulär sind die Wasserfälle, an denen sich Dichtenbach und Tauernbach aus den Berghängen stürzen und zum Geschlößbach vereinen.

Jetzt sind die wettergegerbten Holzhütten des Almdorfs Außergschlöß nicht mehr weit. Seit einigen hundert Jahren stehen sie hier eng zusammen, dahinter gibt das Tal den Blick frei auf die imposante Venedigergruppe. Die Aussicht lässt sich von der Panorama-Sonnenterrasse des Berghaus Außergschlöß besonders gut genießen, ein kulinarischer Genuss dort sind die heimischen Wildspezialitäten.

Folgt der Wanderer dem Gschlößbach weiter, kommt er am "Frauenbrunn" vorbei. In der Quelle wusch der Legende nach die Mutter Gottes einst Windeln. Daher soll das Wasser eine besondere Heilkraft besitzen - nicht nur für Frauenleiden, sondern auch für die Augen. Die Senner nahmen sich jedes Jahr beim Almabtrieb ein Fläschchen für den Winter mit. Die nahe gelegene "Felsenkapelle" ist deshalb der heiligen Maria geweiht.

Genau in der Mitte zwischen den Almsiedlungen Außergschlöß und Innergschlöß wurde sie zum Schutz vor Lawinen schon im 19. Jahrhundert in den Felsen gehauen - und ist daher auch als "Maria-Schnee-Kapelle" bekannt. "Die Felsenkapelle ist in ihrer Bauweise einzigartig im Alpenraum und die meist fotografierte Kapelle Osttirols - ein echtes Highlight", weiß Poppeller

Matreier Koscht und das Auge Gottes

Jetzt rückt der Talschluss mit dem faszinierenden Panorama der Dreitausender-Eisriesen Klein- und Großvenediger, Schwarze Wand und Hoher Zaun sowie dem "Schlatenkees"-Gletscher immer näher.

Wer die bequeme Anfahrtsvariante gewählt hat, den trifft man vor dem Venedigerhaus wieder, wo die Kutschenfahrten enden. Dort wird in den Sommermonaten an jedem ersten Wochenende nach alter Tradition "Matreier Koscht" gekocht - aber auch an allen anderen Tagen werden Gäste mit typischen Osttiroler Speisen wie Schlipfkrapfen verwöhnt.

Die einen probieren gleich die heimischen Spezialitäten, die anderen wagen sich noch ein Stück auf den Gletscherweg, der zur Alten Prager Hütte führt und mit Moränen, Mooren, uralter Vegetation, Gletschereis und dem Salzbodensee einiges zu bieten hat. Nicht zu vergessen "das Auge Gottes" - ein dreieckiger Tümpel mit einer wunderschönen Wollgrasinsel in der Mitte.

Weitere Informationen

Mautgebühren: Die einfache Fahrt über die Felbertauernstraße kostet 11 Euro, mit einem Vorteilsticket des ADAC 20 Euro für Hin- und Rückfahrt. Weil die Felbertauernstraße bei der Maut keinen Unterschied zwischen Pkw, Wohnmobil, Camping-Bus oder Gespann macht, ist die Route besonders für Camper interessant.

Wer am Bundesstraßen-Grenzübergang Kiefersfelden von der A12 abfährt, spart österreichische Autobahnmaut und insgesamt auf dem Weg zur Adria je nach Größe des Gefährts bis zu 60 Euro. Das gilt auch für den Rückweg. www.felbertauernstrasse.at.

Kutschenfahrt: Eine einstündige Fahrt kostet ab 7 Euro pro Person. Auf dem Busparkplatz vor dem Matreier Tauernhaus befindet sich eine Tafel mit den Telefonnummern der Kutscher. Die Fahrten können auch kurzfristig gebucht werden.

Gasthäuser: Matreier Tauernhaus, www.matreier-tauernhaus.com, Berghaus Außergschlöß, www.berghaus-aussergschloess.at, Venedigerhaus Innergschlöß, www.venedigerhaus-innergschloess.at