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Achtung, diese gefährliche Facebook-Nachricht solltet ihr nicht ignorieren

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Achtung, diese Facebook-Nachricht ist gefährlich - sie kann Leben zerstören | Facebook
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Immer wieder gibt es Benachrichtigungen bei Facebook, die nur scheinbar harmlos sind. Betrüger wollen eure privaten Daten oder euer Geld. Ich möchte euch jetzt aber vor einer Sorte Facebook-Nachricht warnen, die noch viel gefährlicher ist.

Sie kann Leben zerstören und sie breitet sich jetzt seit einigen Jahren aus. Vielen Menschen ist das gar nicht bewusst. Doch ich bin sicher, ihr habt so einen Text auch schon einmal gesehen. Er kann in Form einer Nachricht, eines Kommentars oder eines Posts erscheinen.

Der Absender dieser Facebook-Nachricht hat einen bösen Plan

Ihr erkennt diese Nachrichten daran, dass der Verfasser eine bestimmte Absicht hat: Er will einem anderen Menschen wehtun und das ganz bewusst. Gerne kommen Worte vor wie "hässlich", "fett", "dumm". Es geht dem Absender darum, jemanden zu erniedrigen und herabzuwürdigen. Warum? Einfach so. Aus Gehässigkeit.

Ihr wisst wahrscheinlich mittlerweile, worauf ich hinaus will. Es geht mir um Hasskommentare und Mobbing bei Facebook. Ich habe das Gefühl, sie haben unsere Welt zu einem schlechteren Ort gemacht. Denn heute ist es so leicht, andere Menschen anzugreifen. Es ist verführerisch einfach. Und wir alle sehen zu. Der Hass scheint normal geworden zu sein. Warum?

Auch ich habe angefangen, mich damit abzufinden. So ist es eben. Kann man nichts machen, dachte ich mir. Wachgerüttelt hat mich die Geschichte der 24-jährigen Cristina Coolen aus Oberhausen. Die junge Frau wurde bei Facebook von Unbekannten beschimpft.

"Fette Sau", schrieben sie. Und: "Stirb doch einfach." Das wäre schon schlimm genug. Aber wenn ihr die Hintergründe kennt, erreichen diese Kommentare eine neue Dimension der Grausamkeit. Denn Cristina hat Blutkrebs. Sie ist gezeichnet von der Krankheit und von der Chemotherapie.

Wie weit ist es gekommen, wenn schon Krebskranke bei Facebook gemobbt werden?

Bei Facebook schreibt sie über ihr Leben, veröffentlicht Bilder, die anderen Mut machen sollen. Und irgendwo sitzen widerliche Wesen vor ihren Bildschirmen und tippen wüste Beschimpfungen.

Ich frage: Wie weit ist es gekommen, wenn schon Krebskranke bei Facebook gemobbt werden? Was haben die Hass-Poster davon, Menschen zu erniedrigen, die so viel Leid erfahren haben? Dahinter steckt keine politische Dimension, keine Ideologie wie vielleicht in der Flüchtlingsdebatte.

Es betrifft einfach nur zwei Menschen, die keine weitere Verbindung zueinander haben. Nur diese: Der eine will dem andere wehtun. Weil er es nicht aushält, dass da jemand im Internet seine persönliche Geschichte teilt.

Ich weiß, dass es böse Menschen gibt

Cristina war so mutig, die Hass-Nachrichten zu veröffentlichen. Eine lautet: "was fällt dir fetten Sau eigentlich ein deine Krebsfresse in der Öffentlichkeit zu zeigen und die Welt an deiner Hässlichkeit Teil haben zu lassen ?! Hör auf diese Bilder zu posten ich Kotze jedesmal wenn ich dich sehe , stirb doch einfach !"

Wenn ich diese Zeilen lese, fehlen mir die Worte. Ich weiß, dass es böse Menschen gibt. Menschen, die anderen Gewalt antun. Diese Kriminellen tauchen in den Nachrichten und in Polizeistatistiken auf. Der Hass-Kommentierer, der Cristina diese Worte schrieb, lebt im Alltag wahrscheinlich als unbescholtener Bürger.

Und doch ist er ein Verbrecher. Einer von Tausenden, die ihre Taten in Deutschland täglich begehen und ungestraft davon kommen. Die überwältigende Mehrheit dieser Fälle wird nicht einmal verfolgt.

Wir entscheiden, welches Verhalten gesellschaftlich akzeptiert wird

Natürlich brauchen wir strengere Gesetze gegen Cybermobbing und Hetze im Internet. Vielleicht sogar eine Art Facebook-Führerschein. Stellt euch vor, es dürften nur Menschen dort kommentieren, die auf ein Grundverständnis von Menschlichkeit getestet wurden!

Aber bis Regierungen und Unternehmen handeln, müssen vor allem wir als Gesellschaft etwas ändern. Wir dürfen nicht tolerieren, dass Menschen bei Facebook oder sonst wo im Netz beleidigt und gedemütigt werden. Es darf für uns nicht normal sein.

Für die Gesetze ist der Staat verantwortlich, für moralische Richtlinien wir. Wir entscheiden, welches Verhalten gesellschaftlich akzeptiert wird. Und welches nicht.

Cristina zeigte auf beeindruckende Weise, wie man Widerstand leistet gegen die Hass-Diktatur bei Facebook. Sie antwortete dem Pöbler öffentlich.

Ihre "Krebsfresse" sei ein Zeichen von Stärke schreibt sie. "Ich habe Augenringe , Pickel und rote Stellen , da ich jeden Tag aufs neue den Kampf gegen den Krebs antrete und ich trage sie genauso wie meine Glatze mit Stolz." Sie schreibt: "Menschen wie du es bist , sind der Grund wieso ich niemals aufgeben werde!"

Bravo Cristina, sage ich dazu. Und ich appelliere an jeden von euch, der bei Facebook Zeuge wird, wie jemand angegriffen wird: Steht ihm bei. Setzt dem Hass etwas entgegen. Zeigt, dass ihr solches Verhalten nicht hinnehmt.

Trolle ignorieren ist keine Lösung

Nicht die Trolle füttern, heißt es. Mit Aufmerksamkeit belohnt man sie nur, heißt es. Aber hat es etwas genutzt, dass wir sie bisher ignoriert haben? Nein, es wird stattdessen immer schlimmer. Was wir gerade erleben, ist das Ergebnis einer jahrelang gepflegten Wegschau-Kultur.

Der Hass-Kommentierer wollte nicht, dass Cristina ihm Aufmerksamkeit schenkt. Er wollte, dass sie den Mund hält. Dass sie aufhört, von ihrer Krankheit zu erzählen und Bilder zu veröffentlichen. Er und die meisten anderen Pöbler wollen Menschen zum Schweigen bringen. Weil ihnen bestimmte Meinungen und Lebensstile nicht passen.

Ihr Ziel ist es, andere einzuschüchtern und zu unterdrücken. Im Internet können sie Macht ausüben, die sie in ihrem Leben sonst nicht haben. Es sollte mehr Menschen wie Cristina geben, die das nicht zulassen.

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