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Bedingungsloses Grundeinkommen für 15 Jahre: Dieses Experiment ist revolutionär

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Bedingungsloses Grundeinkommen für 15 Jahre: Dieses Experiment ist revolutionär | marcoscisetti via Getty Images
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Die meisten Menschen in Deutschland müssen für ihr Geld arbeiten. Viele von ihnen hart. Trotzdem besitzen die reichsten 10 Prozent der Deutschen 60 Prozent des Vermögens.

Wer aus dem System herausfällt, gilt als Verlierer. Und muss sehen, wie er mit Hartz IV zurechtkommt. Also arbeiten viele Deutsche weiter hart für lächerlich niedrige Löhne, aus Angst vor Demütigung und vor sozialem Abstieg.

15 Jahre lang bedingungsloses Grundeinkommen

Was ist, wenn es einen anderen Weg gibt? Genug Geld zum Leben für alle, ohne Regeln und Bedingungen? Die gemeinnützige Organisation "Give Directly" startet jetzt ein Experiment gigantischen Ausmaßes, das genau diese Frage beantworten soll. 6000 Menschen erhalten ein bedingungslosen Grundeinkommen - und das 15 Jahre lang.

Aber das geht doch nicht! Die Menschen sind zu faul, niemand würde mehr arbeiten gehen. Sie würden das Geld verprassen, für Alkohol und Luxusgüter. So oder so ähnlich argumentieren Kritiker des bedingungslosen Grundeinkommens. Die Wahrheit ist: Wir wissen einfach nicht, was passieren würde.

Die Organisation "Give Directly" hilft Armen schon länger mit Geld. "Wir haben die Überweisungen aber noch nie auf diese Art strukturiert: universell, über einen langen Zeitraum und so, dass sie die Grundbedürfnisse decken", schreiben die Gründer in einem Gastbeitrag auf der Plattform "Slate". "Und das ist der Punkt - niemand hat das je gemacht und wir glauben, es ist Zeit, es zu versuchen."

Bedingungsloses Grundeinkommen: Experiment nie da gewesenen Ausmaßes

Etwa 28 Millionen Euro investieren sie in das Projekt. Es sollen möglichst viele Menschen teilnehmen. Deshalb führen die Gründer das Experiment in Kenia durch, wo die Lebenshaltungskosten gering sind. Je größer der Versuch angelegt ist, desto aufschlussreicher werden die Ergebnisse sein.

Die Organisation will testen, was Menschen tun, wenn sie die nächsten 15 Jahre finanzielle Sicherheit haben. Vielleicht bleiben sie zu Hause und faulenzen. Vielleicht fangen sie aber auch eine neue Ausbildung an oder schicken ihre Kinder auf höhere Schulen. Vielleicht suchen sie sich einen neuen Job und entkommen einer Situation, die zuvor ausweglos erschien.

Es gibt Grund, optimistisch zu sein. Eine Untersuchung der Weltbank zeigt, dass bedürftige Menschen Geldleistungen nicht für Alkohol ausgeben. Forscher der Harvard University und des MIT fanden heraus, dass staatliche Hilfe Menschen nicht dazu verleitet, mit dem Arbeiten aufzuhören.

Das Grundeinkommen als Alternative zum heutigen Sozialsystem

Das bedingungslose Grundeinkommen könnte effektiver und am Ende günstiger sein als unser bisheriges Sozialsystem. Weniger Bürokratie, weniger Kontrolle, weniger Verwaltungskosten. Auch die Auswirkungen auf die Psyche und das Wohlbefinden der Bürger dürften spürbar sein.

Das Thema Grundeinkommen wird in jedem Fall intensiv diskutiert. Im Juni stimmen die Schweizer darüber ab, ob es in der Verfassung verankert werden soll. Die finnische Regierung will das Grundeinkommen in einem kleinen Rahmen zwei Jahre lang testen.

In Deutschland gibt es bisher noch keine Pläne, dafür immer mehr Forderungen. Vielleicht helfen die Versuche anderer Länder, die Idee auch hier weiter voranzutreiben. Es kann nur besser werden.

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