Islamwissenschaftler vergleicht AfD mit Salafisten: "Die Rhetorik ist identisch"

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PETRY
Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry | dpa
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  • Islamischer Theologie-Professor vergleicht AfD mit Salafisten
  • Auch die Türkische Gemeinde in Berlin attackiert Petry & Co.
  • Der Frieden in Deutschland werde durch die AfD strapaziert

Nach dem Anti-Islam-Vorstoß der AfD reißt die Kritik an der Partei nicht ab. Nachdem sich diese Woche Muslime in der Huffington Post empört über die Rechtpopulisten gezeigt haben, legt jetzt ein Forscher nach.

In einem Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vergleicht der Islamwissenschaftler Bülent Ucar die AfD mit den radikalen Salafisten. "Die Rhetorik bestimmter AfD-Politiker wie auch der Salafisten in Deutschland ist sehr ähnlich, ja identisch", sagte der Leiter des Instituts für Islamische Theologie an der Universität Osnabrück.

"Deutsche Muslime sind gesetzestreue Bürger"

Zur Begründung sagte der Professor: "Beide gehen davon aus, dass der Islam nicht demokratietauglich ist.“ Bei diesen Gruppierungen handle es sich aber um Minderheiten. So hätten die Salafisten in Deutschland nur wenig Unterstützung: „Die Mehrheit der Muslime ist nicht so."

Ucar verteidigte die Muslime in Deutschland mit Bezug auf empirische Studien: „Die deutschen Muslime sind in ihrer überwältigenden Mehrheit gesetzestreue, konstruktiv denkende und handelnde Bürger dieses Landes.“

Weltweit würden Muslime heutzutage "Opfer von aggressiven, menschenverachtenden Gräueltaten extremistischer Gruppierungen" wie etwa der Taliban oder von Al-Kaida, die im Namen des Islam Gewalttaten begingen.

"Absurd und fern der Realität"

Derweil hat die Türkische Gemeinde die Anti-Islam-Aussagen der AfD als "absurd und fern der Realität" kritisiert. Nicht der Islam, sondern die Äußerungen der AfD seien mit dem Grundgesetz nicht vereinbar, heißt es in einer Erklärung.

"In Deutschland leben circa 4,5 Millionen Muslime friedlich mit der Mehrheitsgesellschaft seit über 55 Jahren zusammen. Dieser Frieden wird durch die AfD durch Hass,- Hetz- und populistischen Parolen auf äußerste strapaziert", kritisierte die Türkische Gemeinde.

"Jede Religion kann missbraucht werden"

Es sei allgemein bekannt, dass jede Religion politisch-ideologisch missbraucht werden könne. "Die Geschichte der Kreuzzüge lehrt uns, dass auch die abendländisch-christliche Religion nicht davon verschont blieb." Nicht anders verhalte es sich mit den Menschen, die den Islam für ihre Propaganda benutzten.

Am Wochenende hatten die Vizevorsitzenden der rechtspopulistischen Partei, Beatrix von Storch und Alexander Gauland, den Islam zu einer Ideologie erklärt, die nicht mit dem Grundgesetz vereinbar sei.

Mit Material der DPA

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