LIFESTYLE
18/04/2016 11:20 CEST | Aktualisiert 28/04/2016 16:49 CEST

10 Dinge, die mit deinen Kindern passieren, wenn sie draußen spielen

Neil Beckerman via Getty Images
10 Dinge, die mit deinen Kinder passieren, wenn sie draußen spielen

THE BLOG

Als ich ein Kind war, spielte sich der Großteil meines Lebens draußen ab. An den meisten warmen Abenden fuhr ich mit den Kindern aus der Nachbarschaft Fahrrad, wir bauten Festungen, jagten Glühwürmchen oder lagen einfach im Gras, bis die Straßenlaternen angingen und unsere Mütter uns zum Abendessen riefen.

Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der organisierte Sportkurse für Fünfjährige eine Seltenheit waren, Eltern nicht jede freie Minute ihres Kindes verplanten und Mütter und Väter nicht einen derartigen Druck verspürten, leistungsstarke und erfolgreiche Kinder zu haben.

Wir hatten viel Freizeit, und meine Mutter wollte nicht, dass ich ständig nur im Weg herumstehe. So wurde ich auch zum besseren Menschen.

Kinder verbringen die meiste Zeit im Haus

Ein durchschnittliches Kind in Amerika verbringt heute nur 30 Minuten am Tag draußen, beim freien Spiel. Seien wir ehrlich, diese Zeit reicht nicht aus, um ein Fußballspiel zu veranstalten, die Nachbarschaft als Fahrradgang zu terrorisieren oder einfach um seinen Gedanken freien Lauf zu lassen, während man die ersten Sonnenstrahlen im Frühling auf dem warmen Gras genießt.

Womit beschäftigen sich unsere Kinder eigentlich? Die meiste Zeit verbringen sie im Haus, am Schreibtisch oder benommen vor dem Bildschirm. Ein durchschnittliches Kind im Amerika verbringt ganze sieben Stunden am Tag mit dem Gebrauch elektronischer Geräte.

Es ist traurig, dass unsere Kinder ihre Freunde lieber online treffen, als persönlich mit ihnen zu spielen.

Aber über die sogenannte Freizeit hinaus, die am PC, mit dem Tablet oder mit dem Handy verbracht wird, sind Eltern damit beschäftigt, das Leben ihrer Kinder künstlich zu bereichern. Organisierte Sportkurse, Tanzunterricht, Mathe-Camps und Pfadfinderlager, in denen ihre Kinder ihre angebliche Extra-Zeit verbringen sollen.

Sie hoffen, dass sie ihren Kindern durch eine organisierte und sorgfältig geplante Kindheit einen Wettbewerbsvorteil für ihren Start ins Leben verschaffen.

Kinder brauchen Freiheit

Oft denken sie, dass wenn ein Kind nicht gerade in der Schule ist und herausragende akademische Ergebnisse liefert, es lieber lernen und Datenblätter ausfüllen sollte, und wenn es noch Zeit hat, sollte es an koordinierten Aktivitäten teilnehmen, die es zu einer besseren, schlaueren und erfolgreicheren Person machen. All das soll später in die Bewerbungen um einen Platz im College einfließen, also legt man lieber gleich los, damit die Bewerbung später auch gut wird.

Aber eigentlich gibt es gar keine Extra-Zeit. Kinder sind wie wir, sie haben einfach Zeit. Es gibt kein Extra, und Vieles geht verloren, wenn die Kinder nach Regieanweisungen leben, die jemand für sie geschrieben hat. Kinder müssen ihr eigenes Drehbuch schreiben, genau wie Erwachsene. Sie brauchen Freiheit. Und oft müssen sie draußen sein und frei spielen, um sich zu vollwertigen Menschen entwickeln zu können.

Wenn ihr als Eltern Wert darauf legt, dass euer Kind einen Studienplatz in Harvard bekommt (und sollte es so sein, behaupte ich einfach mal, dass ihr auf die falschen Sachen Wert legt, aber das ist Stoff für einen weiteren Artikel), macht es vielleicht mehr Sinn, sie vom Schreibtisch und dem Geigenunterricht wegzulocken und sie einfach draußen spielen zu lassen. Denn das Spiel im Freien macht eure Kinder auf vielfältige Arten intelligent.

1. Draußen zu spielen verbessert die Konzentrationsfähigkeit.

Eine 2008 an der Universität Michigan durchgeführte Studie erforschte die kognitiven Vorteile, die aus der Aktivität in der freien Natur hervorgehen. Die Studie fand heraus, dass schon ein Spaziergang, unabhängig vom Wetter und unabhängig davon, ob der Spaziergang tatsächlich Spaß machte oder nicht, zu einer Steigerung der Merk- und Konzentrationsfähigkeit um 20 Prozent führte.

Auch wenn Ihre Kinder nicht ohne das Tablet können und sich angeblich nicht so gut fühlen – schicken Sie sie trotzdem raus.

2. Draußen zu spielen stimuliert die Kreativität.

Im zeitlich nicht festgelegten Spiel erfinden Kinder Möglichkeiten, sich selbst zu unterhalten, anstatt darauf zu warten, von den Erwachsenen unterhalten zu werden. Im Freien, mit all den Steinen und Zweigen und im Dreck, bieten sich unzählige Möglichkeiten für neue Spielerfahrungen.

Jedes Spiel ist neu und einzigartig. Draußen zu spielen, bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten für fantasievolles Spielen, kreatives Erschaffen und einfallsreiche Aktivitäten.

3. Draußen zu spielen fördert die Problemlösungskompetenz.

Im freien Spielen in der Natur stellen Kinder ihre eigenen Regeln auf. Sie lernen zu erkennen, was funktioniert und was nicht. Sie lernen, wann es sich lohnt, etwas weiterhin zu versuchen, und wann es Zeit ist, etwas Neues auszuprobieren.

Beim Spielen mit anderen Kindern lernen sie, welche Interaktionen kooperationsfördernd sind und welche zum Misserfolg führen. Durch Lösen ihrer eigenen kindlichen Probleme werden sie zu unabhängigeren Erwachsenen, die ihre Probleme selbst in die Hand nehmen.

Denn in diesem Lebensbereich kommt es auf die Übung an. Wenn Kinder nie die Möglichkeit erhalten, ihre eigenen Probleme zu lösen, wie kann man dann von ihnen erwarten, dass sie es durch Zauberhand können, sobald sie 18 werden?

4. Draußen zu spielen fördert die Entwicklung von Führungsqualitäten.

Wenn Kinder draußen miteinander spielen, müssen sie Spielregeln aushandeln und ihre jeweiligen Rollen festlegen. Natürliche Führungsqualitäten können sich so spielend entwickeln. Es sind keine speziellen Workshops oder Unterricht erforderlich.

5. Draußen zu spielen fördert die Sprachkompetenz.

Kindern wird im Haus so oft gesagt, sie müssten ruhig sein. „Sprich leiser“, sagen Lehrer oft zu jungen Schülern. Draußen jedoch können Kinder laut sein.

Anstatt dass andere sie wegen ihrer Lautstärke maßregeln, können sie erfahren, wie es sich anfühlt, frei zu sprechen, was sie drinnen oft nicht dürfen. Viele Kinder, insbesondere viele Jungen, können draußen ihre Stimme finden.

Miteinander zu spielen bietet viele Möglichkeiten, miteinander zu kommunizieren: Kinder geben einander Anweisungen für den Bau einer Festung oder legen die Regeln für ein spontan ausgedachtes Spiel fest.

Aktivitäten im Freien bieten auch einen reichhaltigen Hintergrund für die Sprachentwicklung. Man entdeckt winzige Tiere, lernt Begriffe zur Bezeichnung des Wetters, zur Benennung der Jahreszeiten und zur Beschreibung der vielfältigen Welt der Bäume und Steine.

Durch das Spiel in der Natur werden Kinder ermutigt, neue Wörter zu nutzen und diese in ihr Vokabular aufzunehmen.

6. Draußen zu spielen spricht alle Sinne an.

Beim Spiel in der freien Natur nutzt ein Kind alle Sinne: Tasten, Sehen, Hören, Riechen und sogar Schmecken (wie oft sagte ich zu Kindern „nein, das kommt nicht in den Mund“). Nicht alle Kinder lernen auf gleiche Art und Weise. Durch Ansprechen aller Sinne eines Kindes helfen wir ihm, auf seine eigene und einzigartige Weise zu lernen.

7. Draußen zu spielen fördert den Stressabbau.

Es ist kein Geheimnis, dass die Kinder heutzutage gestresst sind. Jedes achte Kind und 20 Prozent der Teenager leiden unter schwerwiegenden Angststörungen. (Anmerkung der Redaktion: Auch deutsche Kinder stehen unter großem Stress)

Die Kinder unserer modernen Zeit fühlen sich durch ihre Eltern, Lehrer und Schulen unter Leistungsdruck gesetzt. Bereits im Kindergarten fangen Kinder und Eltern an, an das College zu denken, und das Schulsystem legt großen Wert auf die Testergebnisse der Schüler.

Es ist kein Wunder, dass unsere Kinder gestresst sind. Über 100 Forschungsstudien haben ergeben, dass Aktivitäten in der Natur den Stressabbau fördern und sogar Angststörungen und Depression bekämpfen können.

Die Waffe gegen Depression und Angststörungen im Kindesalter wartet buchstäblich vor der Tür. Außerdem kann ein entspanntes und sorgloses Kind auch besser lernen.

8. Draußen zu spielen fördert die Gesundheit der Kinder.

Vielleicht assoziieren Sie im ersten Moment die Gesundheit nicht mit der Intelligenz, aber kranke Kinder fehlen in der Schule und können schnell Unterrichtsstoff versäumen. Außerdem fällt Lernen schwerer, wenn man sich nicht gut fühlt.

Draußen Zeit zu verbringen stärkt das Immunsystem, macht Kinder gesünder und weniger anfällig für verbreitete Krankheiten, sodass sie weniger in der Schule fehlen.

9. Draußen zu spielen fördert körperliche Aktivität.

Draußen können Kinder frei rennen, hüpfen und klettern. Das sind Ausprägungen körperlicher Aktivität, die drinnen einfach nicht gegeben sind. Immer mehr Forscher beschäftigen sich mit den positiven Auswirkungen körperlicher Aktivität auf die Gesundheit des Gehirns.

Hier sind nur ein paar Beispiele:

10. Draußen zu spielen macht Spaß.

Lernen fällt leichter und der Lerneffekt hält länger an, wenn etwas Spaß macht. Draußen mit Freunden Fahrrad zu fahren, Schlachten mit den Kindern der Nachbarschaft zu organisieren und sich bei einem improvisierten Fangspiel zu verausgaben, macht einfach Spaß.

Das sind genau die Erfahrungen, an die sich die Kinder noch lange erinnern werden, wenn sie erwachsen und Teil der "realen Welt" sind.

Wenn du also möchtest, dass dein Kind in Harvard studiert, sollte es weniger Hausaufgaben machen und mehr draußen spielen. Denn das fördert nicht nur seine Intelligenz, sondern macht es auch zu einem glücklicheren Menschen.

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei The Mind Unleashed und wurde von Dr. Sirmula Halkiopoulou aus dem Englischen übersetzt.

Alice Jones Webb betreibt den Blog Different Than Average. Sie ist Mutter, Autorin und Freidenkerin. Folgt ihr auf Facebook und Twitter!



Kindern helfen

Seit Jahren schon warnen Experten, dass allein in Deutschland jedes fünfte Kind in Armut lebt. Viel schwieriger noch die Situation von Kindern in Südeuropa, Afrika oder Südasien. Doch was fehlt ihnen wirklich? Wie kann man ihnen wirkungsvoll helfen?

Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post einige spannende Projekte, die jeder unterstützen kann.

Viele Kinder in Deutschland sind so arm, dass ihre Eltern sich nicht einmal eine warme Mahlzeit leisten können. Ihnen hilft das Deutsche Kinderhilfswerk mit Kinderhäusern. Hier können die Kinder in Ruhe essen, Hausaufgaben machen und sogar an Kochkursen teilnehmen. Das ist nur mit Spenden möglich.

Die Wirtschaftskrise in Griechenland trifft Kinder ganz besonders. Der Verein KRASS e.V.“möchte den Kindern in Athen und wo immer möglich in Griechenland, eine Auszeit mit Spiel, Kunst und Spaß unter professioneller Begleitung ermöglichen.”Details findet ihr hier.

Oder ihr spendet einfach Zeit: Als Vorlesepate von Kindernim Raum Stuttgart bei Leseohren e.V.

Oder ihr werdet gleich Pate für ein Kind und schenkt ihm ein Stück unbeschwerte Freizeit: Solche Paten vermittelt zum Beispiel das Projekt Biffy Berlin.

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

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Video: Nach diesem Video denkt ihr vielleicht anders über andere Mamas auf dem Spielplatz

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