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12/04/2016 16:00 CEST | Aktualisiert 12/04/2016 16:36 CEST

Revolutionärer Plan: So will Köln den Alltag seiner Bürger verändern

Yulia Reznikov via Getty Images
Köln – Bald ein Paradies für Hobby-Gärtner?

"Betreten verboten" liest man oft auf Schildern vor Grünflächen. Die sind dann zwar schön anzusehen, aber für die meisten haben sie keinen Nutzen. "Pflücken und Essen erlaubt" könnte hingegen bald in Köln auf den Schildern stehen – denn die Domstadt hat einen revolutionären Plan.

Aus Köln soll die "Essbare Stadt" werden. Am 28. April könnte der Grundstein dafür gelegt werden. Dann hieße es: Obst und Gemüse fürs Volk – und zwar auf Kosten der Stadt.

Politiker sind für die Bepflanzung

Ein Mittagessen im Vorbeigehen auf der Straße auflesen: Diese Idee nimmt in Köln nun immer konkreter Züge an. Mit dem Konzept "Essbare Stadt" haben die Grünen im Stadtbezirk Ehrenfeld bereits 2014 einen Vorschlag gemacht, wie öffentliche Flächen für den Anbau von Obst und Gemüse besser genutzt werden könnten. Die Stadtverwaltung wurde daraufhin beauftragt, geeignete Nutzflächen zu suchen.

Die Hobbygärtner sind derweil schon weiter: Auf dem Gelände des Güterbahnhofs Ehrenfeld gibt es bereits in privater Initiative einen Gemeinschaftsgarten für den Anbau von Obst und Gemüse.

Was ursprünglich für Köln-Ehrenfeld geplant war, könnte nun für die ganze Stadt Realität werden. Der Ausschuss für Umwelt und Grün der Stadt Köln berät am 28. April, ob die "Essbare Stadt" auf den Weg gebracht werden könnte.

Die Politik gibt größtenteils grünes Licht für das Großprojekt: Bis auf die Bezirksvertretung des Stadtteils Nippes stehen die Politiker hinter der Nutz-Bepflanzung. In ihrem Beschluss heißt es: „Bei Neupflanzungen in öffentlichen Grünanlagen des Stadtbezirks, an Schulen, Sportplätzen und öffentlichen Gebäuden soll in Zukunft essbaren Pflanzen der Vorzug gegeben werden.“

Urbanes Gärtnern im Trend

Das Konzept, das sich die Kölner überlegt haben, ist nicht neu. "Urban Gardening" heißt der Trend des gemeinschaftlichen Gärtnerns in der Stadt.

Seattle gilt als Paradebeispiel für die Stadt der urbanen Vitamin-Verköstigung, aber auch in Deutschland gibt es Städte, die öffentliche Flächen bereits für die Allgemeinheit mit Tomaten, Gurken & Co. bepflanzen. Andernach am Rhein, Kassel, Minden und Freiburg gelten innerhalb Deutschlands als grüne Vorreiter. Und Berlin hat schon einen ähnlichen Plan wie Köln.

Im privaten Raum oder in Vereinen freut sich "Urban Gardening" seit Jahren immer größerer Beliebtheit. Deutschlandweit werden in den Städten Gemeinschaftsgärten, Terrassen oder Hausdächer für den Anbau von Obst und Gemüse genutzt.

Gerade Kinder können in der Großstadt leicht den Bezug zur Natur und zu heimischen Produkten verlieren. Durch den Anbau von Nutzpflanzen auf Schulhöfen, in Kindergärten, auf Wiesen und in Parks, könnte ein wichtiger Schritt gemacht werden.

Grünflächenamt bremst Euphorie

Die Vision der Stadt als kulinarisches Paradies gefällt fast allen. Das Grünflächennamt Köln bremst die Euphorie der Bürger und Politiker allerdings ein wenig. „Das können die Politiker gerne haben, allerdings müssten sie uns vorher viel Geld bewilligen, um Dutzende neue Mitarbeiter im Grünflächenamt einzustellen“, so ein Spitzenbeamter.

Die großflächige Aktion funktioniere nur mit einer deutlichen Aufstockung der personellen Ressourcen, da das Gemüse viel Pflege benötigt. Außerdem müssen Verunreinigungen durch Müll und Tierkot sowie Vandalismus bekämpft werden, wenn die Lebensmittel brauchbar werden und bleiben sollen.

Mehr Zuversicht als bei Gemüsebeeten-und Sträuchern hat das Grünflächenamt bei pflegeleichteren Pflanzenarten wie Obstbäumen. Sie sind robust genug, um langjährig ohne ständige Pflege zu bestehen. Auch das wäre allerdings nur mit Einschränkungen möglich, denn viele Parks stehen unter Denkmalschutz und dürfen daher nicht verändert werden – so etwa der Innere Grüngürtel und der Blücherpark in Köln-Nippes.

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