POLITIK

Böhmermann: Diese Maßnahme zeigt, in welcher Gefahr er sich nun befindet

13/04/2016 05:24 CEST | Aktualisiert 15/04/2016 15:14 CEST

  • Der Chef der deutschen Polizeigewerkschaft sagt, dass sich Böhmermann durch den Eklat um sein Schmähgedicht in Gefahr befindet

  • CSU-Chef Andreas Scheuer nennt die Notwendigkeit von Polizeischutz für Böhmermann "unerträglich"

  • Was Erdogans Anwalt Böhmermann droht, seht ihr im Video oben

Die Polizei geht davon aus, dass der Satiriker Jan Böhmermann sich durch den Eklat um sein Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Erdogan in Gefahr befindet.

Er steht daher unter Polizeischutz. "Ein Streifenwagen steht vor der Tür", sagte ein Polizeisprecher am Dienstag in Köln. Man stehe auch mit anderen Sicherheitsbehörden im Kontakt.

"Man muss leider davon ausgehen, dass es gerade in diesem Konflikt mit diesem unglaublichen Hype den einen oder anderen Eiferer gibt, von dem möglicherweise Gefahren ausgehen", sagte der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt der Deutschen Presse-Agentur.

"Polizeischutz ist für die betroffenen Personen kein Spaß"

Es sei gut, dass die Polizei kein Risiko eingegangen sei. Die Anordnung eines Polizeischutzes werde in einer Gefährdungsanalyse geprüft, erklärte Wendt. Er könne je nach Bedrohungslage rund um die Uhr oder nur zu öffentlichen Auftritten ausgeübt werden.

"Ein Polizeischutz ist für die betroffenen Personen kein Spaß. Erstens muss man die Bedrohung ernstnehmen, wenn sie denn vorhanden ist, und zweitens ist das schon ein tiefer Eingriff in das private Leben der zu schützenden Person", sagte Wendt.

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer zeigte sich über die Notwendigkeit des Polizeischutzes für Böhmermann bestürzt.

"Das Grundrecht der Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Die Auswirkungen der Diskussion zeigen sich in der Absage der Sendung und im Personenschutz für Jan Böhmermann – dass dies notwendig geworden ist, ist in einer freien Gesellschaft unerträglich“, sagte Scheuer der "Welt".

"Erdogan will Europa seine Vorstellungen aufzwingen"

Böhmermanns Sendung "Neo Magazin Royale" wird nach der Strafanzeige des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan gegen den Satiriker diesen Donnerstag nicht ausgestrahlt.

"Der aktuelle Fall Böhmermann zeigt, dass Erdogan nicht nur Presse- und Meinungsfreiheit in der Türkei mit Füßen tritt, sondern auch Europa seine Vorstellungen aufzwingen will", sagt Scheuer. "Hier dürfen wir nicht nachgeben."

Man müsse den Stil von Böhmermann nicht gutheißen. "Aber dass es solche Satire gibt, gehört zum aufgeklärten Europa. Punkt."

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