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Flüchtlingsabkommen wirkt: 80 Prozent weniger Migranten kommen in Griechenland an

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GRIECHENLAND
Flüchtlingsabkommen wirkt: 80 Prozent weniger Migranten kommen in Griechenland an | Getty
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  • Das Flüchtlingsabkommen zwischen EU und Türkei hat den Zuzug massiv reduziert
  • Es kamen 80 Prozent weniger Flüchtlinge nach Griechenland
  • Deutschland hat die Türkei aber kaum entlastet - obwohl es einen Geheimplan dazu geben soll

Seit drei Wochen, seit dem 20. März, gilt das Flüchtlingsabkommen zwischen der Türkei und der Europäischen Union (EU) – und erzielt offenbar die gewünschte Wirkung. Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ (FAS) hat neue Daten der Grenzschutzagentur Frontex ausgewertet. Demnach kamen seither 80 Prozent weniger Migranten über die Ägäis nach Griechenland.

Von Anfang Januar bis zum EU-Gipfel am 18. März, an dem der Flüchtlingspakt beschlossen wurde, kamen der Auswertung nach pro Tag im Schnitt 1676 Flüchtlinge nach Griechenland. Seit dem 20. März sollen es nur noch 337 gewesen sein.

Die EU-Kommission freut sich den Recherchen nach darüber, will aber die Entwicklungen noch länger beobachten.

Der Flüchtlingspakt

Das Abkommen sieht vor, dass die Türkei alle Flüchtlinge wieder aufnimmt, die nach dem Stichtag illegal nach Griechenland gereist sind und nicht dort Asyl beantragen wollen oder deren Antrag unbegründet ist. Die Kosten für die Rückführung übernimmt die EU.

Für jeden Syrer, den die Türkei wieder aufnimmt, nimmt die EU einen Syrer direkt aus der Türkei auf. Die Türkei hat derzeit etwa 2,7 Millionen Syrer aufgenommen.

Geheime Absprachen zur Übernahme von mehr Flüchtlingen?

Deutschland hat allerdings im Gegenzug für die Leistungen der Türkei bislang nur 32 Syrer einfliegen lassen.

Die "Welt am Sonntag" berichtet, es gebe eine inoffizielle Absprache der EU mit der Türkei, eine mündliche Zusage. Sie sehe vor, dass die EU der Türkei jährlich 250.000 Syrer abnehme. Das sagte Gerald Knaus von der Denkfabrik European Stability Initiative (ESI) der Zeitung. Die Europäer hätten davor jedoch erst sehen wollen, ob sich der Zustrom durch das Abkommen wirklich wie erhofft verringere.

Eine solches Vorgehen, sollte es die Absprache tatsächlich geben, wäre überaus kritisch zu werten. Nicht nur, weil die Öffentlichkeit getäuscht worden wäre. Sondern auch, weil es unrealistisch scheint. Die meisten EU-Länder weigern sich, Flüchtlinge in größerer Zahl aufzunehmen. Nicht einmal eine EU-interne Umverteilung von 160.000 Flüchtlingen, die vergangenes Jahr vereinbart worden war, hat geklappt.

Erstmals seit Wochen sterben wieder Flüchtlinge auf der Überfahrt

Unter den wenigen Migranten, die versucht haben, übers Meer nach Griechenland zu kommen, hat sich am Wochenende allerdings erneut ein Drama abgespielt. In der Nacht zum Samstag kenterte nordöstlich der Insel Samos ein Schlauchboot bei starkem Wind und Wellengang, mindestens fünf Menschen starben – vier Frauen und ein Kind. Weitere fünf Menschen überlebten die Havarie. Sie kämpften drei Stunden im Wasser, bis Rettungsboote sie fanden. Unklar war zunächst, wie viele Flüchtlinge insgesamt an Bord waren.

Vier Boote der EU-Grenzschutzagentur Frontex und die griechische Küstenwache durchkreuzten in den Morgenstunden das Meeresgebiet auf der Suche nach weiteren Überlebenden. Auch ein Hubschrauber war im Einsatz.

Es sind die ersten Todesfälle in der Ägäis seit Wochen. Zum einen setzen derzeit weniger Flüchtlinge von der türkischen Küste aus über, zum anderen sind mittlerweile viele Hilfs- und Rettungsorganisationen sowie Frontex-Boote vor Ort.

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