Justizminister Maas will Sexismus-Verbot in der Werbung

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Anregende Werbung: bald verboten? | Getty
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  • Ein Gesetzesentwurf soll sexistische Werbung in Deutschland verbieten
  • Was genau als sexistisch gelten soll, ist allerdings völlig unklar
  • Probleme könnte es schon für Unternehmen geben, die anregende Fotos einsetzen

517 Autounfälle in 24 Stunden - das war einem Zeitungsbericht zufolge die Bilanz einer Werbekampagne in der russischen Hauptstadt Moskau. Dort waren im Jahr 2014 30 Lkw unterwegs, beklebt mit dem nur leicht zensierten Bild zweier weiblicher Brüste. Die lenkten Autofahrer offenbar dermaßen ab, dass sie jeden Sinn für sicheres Fahren verloren.

Erneut war damit bewiesen: Ein pralles Stück Weiblichkeit (und vermutlich auch Männlichkeit) funktioniert in der Werbung. "Sex sells" heißt das. Ein Prinzip, das auch in Deutschland gilt - aber bald verschwunden sein könnte: Reiz-Reklame soll verboten werden.

Der Vorstoß kommt allerdings nicht aus dem Verkehrs-, sondern aus dem Justizministerium. Minister Heiko Maas will per Gesetz verhindern, dass deutsche Werbekonsumenten mit zuviel Pfui und Igittigitt belästigt werden.

"Modernes Geschlechterbild"

Im nüchternen Behördensprech heißt das: Verbot geschlechterdiskriminierender Werbung - der entsprechende Gesetzesentwurf werde gerade im Hause Maas angefertigt, berichtet der "Spiegel". Es soll dabei auch keineswegs um einen prüden Bann nackter Haut gehen, sondern um den Versuch, Sexismus aus der Werbung zu tilgen. Ein "moderneres Geschlechterbild" soll den archaischen Deutschen auf Plaktaten, in Anzeigen und Werbespots vorgesetzt werden.

Was das bedeutet, ist völlig unklar. Derzeit kann der Deutsche Werberat rechtlich unverbindliche Rügen gegen Werbung aussprechen - sofern sie "die Personen auf ihre Sexualität reduzieren oder ihre sexuelle Verfügbarkeit nahelegen". Was nach Maas' Gesetz sexistisch ist und was nicht, würde allerdings ein Gericht entscheiden.

Nie wieder attraktive Kurven?

Dann könnten sich Richter mit absurden Entscheidungen herumschlagen: Ist eine Werbung für Reizwäsche sexistisch, weil sie leichtbekleidete Frauen zeigt - oder nicht, weil sie das Produkt so in Szene setzt, wie es eingesetzt wird? Und wäre dasselbe Motiv frauenverachtend, wenn damit für Autos oder Bier geworben würde?

Unternehmen würden das Risiko eines möglicherweise rufschädigenden Prozesses wohl scheuen - und "Sexismus verboten" als "sexy verboten" interpretieren. Das Gesetz dürfte einen faktischen Busen-Bann in der deutschen Werbung bewirken - nie mehr attraktive Kurven, keine Waschbrettbäuche, kein verführerisches Lächeln. Weil anregende Darstellungen den Verstand vernebeln?

Wenn Werbung mit sexy Motiven den Deutschen tatsächlich so sauer aufstößt, wäre ein Gesetz ja gar nicht nötig. Denn ein wirkungsvolles Mittel hätte die Unternehmen längst zum Umdenken gebracht - ausgeführt von den Kunden: Sie müssten die Produkte nur in den Geschäften liegen lassen.

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