Darum fordert Mode-Unternehmerin Britta Steilmann das Grundeinkommen

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STEILMANN
Britta Steilmann. | Getty
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  • Britta Steilmann war Leiterin des größten Modeunternehmens Europas
  • Jetzt spricht sie sich für das bedingungslose Grundeinkommen aus
  • Durch das Bürger-Gehalt würde sich unsere Arbeitswelt ändern - und dadurch die gesamte Wirtschaft

Britta Steilmann hat Höhen und Tiefen des Wirtschaftslebens gespürt. Sie leitete zeitweise das größte Modeunternehmen Europas, den von ihrem Vater gegründeten Textilhersteller Steilmann. Jetzt ist die Firma zahlungsunfähig. Opfer eines radikalen Wandels in der Branche.

Jetzt fordert Steilmann selbst, dass sich etwas radikal ändern muss. Und es hat mit der Art zu tun, wie wir arbeiten. Denn Arbeit heißt für viele: malochen, um Geld zu verdienen. Eintönigen Jobs nachgehen. Machen, was man muss, nicht, was man will. Eine traurige Realität.

Die 49-Jährige sieht einen Ausweg dafür - im bedingungslosen Grundeinkommen, also einer Art Taschengeld für jeden, wie sie im Interview mit dem "Tagesspiegel" sagt. Das hat auch mit der Art zu tun, wie sie selbst arbeitet.

"Wieder kreativ und handwerklich arbeiten"

Sie führte als eine der ersten in der Branche eine Öko-Kollektion ein. Damals, in den neunziger Jahren, noch etwas, dem der Ruf von Hippie-Klamotten anhing. Aber sie bemerkte, dass die Herstellung auch ganz anders funktionieren kann: "Ich erlebe mein Produkt von der Entstehung bis zum Namen der Person, die es mir schickt."

Kurz gesagt: Anders als viele, die sich nur noch lustlos ins Büro schleppen, sah Steilmann einen wirklichen Sinn in ihrer Arbeit. Das wünscht sie auch anderen: "Wir lernen und entwickeln uns durch das Tun. Mit der Idee des Grundeinkommens könnten Menschen wieder kreativ und handwerklich arbeiten."

Die Vorstellung der Unternehmerin: Das Geld für jeden soll ein Ausweg aus der anonymen Fertigungsmaschinerie sein. Sie sei überzeugt, dass eine solche "Arbeit Menschen Freude macht und gut tut".

Bekäme jeder einen fixen Betrag pro Monat aufs Konto überwiesen, könnte sich also unser ganzes Wirtschaftssystem ändern. Ähnlich sieht es der Gründer der Drogeriekette dm, Götz Werner: Er sah einem Wandel "vom Sollen zum Wollen" bevor, sollte das Grundeinkommen wahr werden.

"Wir müssen unser System ändern"

Dementsprechend sieht Steilmann das aktuelle Arbeitsmodell als Relikt: "Für viele industrielle Visionen müssen wir allerdings unser System ändern. Wir besteuern Arbeit, die immer mehr schwindet. Das ist falsch, und wir halten an falschen gesellschaftlichen Ideen fest, die in ganz anderen Zeiten geboren wurden."

Fraglich ist gleichzeitig, ob eine Volkswirtschaft einen so heftigen Wandel überhaupt aushält - schließlich könnte das Jedermann-Taschengeld auch grandios scheitern, weil zur Arbeit im klassischen Sinne plötzlich die Motivation fehlt. Steilmann vergleicht die Situation mit der Modebranche, in der auch das Familienunternehmen einen Niedergang erlebt hat: "Oft braucht es einen Totalabsturz, um Neues hervorzubringen."

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