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Die Job-Revolution: Daimler geht einen Schritt, der unsere Arbeitswelt für immer verändern soll

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  • Vor allem junge Arbeitnehmer verlangen nach flexiblen Arbeitszeiten
  • Der Autohersteller Daimler setzt sich nun an die Spitze der Bewegung, die sich für den Arbeitsmarkt der Zukunft fit machen wollen
  • Eine Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen im Text seht ihr im Video oben

Auf der Couch arbeiten, Meetings im Cafe abhalten, Konferenzen aus dem Park führen: Die Arbeitswelt der Zukunft wird sich radikal von dem unterscheiden, was wir heute kennen. Einzig: Vor allem große Unternehmen tun sich derzeit noch schwer, solche Maßnahmen konsequent umzusetzen - obwohl junge Arbeitnehmer danach verlangen.

Das hat auch der Stuttgarter Autokonzern Daimler erkannt.

Als einer der ersten großen Konzerne in Deutschland will das Unternehmen sein altes Konzept der Arbeit komplett umwerfen – und es den Wünschen seiner Mitarbeiter anpassen. Das berichtet der "Stern".

"Wie wollt ihr in Zukunft arbeiten?"

Das Unternehmen fragte demnach über 80.000 seiner Mitarbeiter aus Verwaltung und Entwicklung: "Wie wollt ihr in Zukunft arbeiten?" Und die antworteten mit einer überwiegenden Mehrheit von über 80 Prozent: "Wir wollen räumliche und zeitliche Autonomie."

Und Daimler hört zu. Als Konsequenz der Umfrage will Chef Dieter Zetsche nun "alles auf den Prüfstand stellen" – Firmenhierarchien, Meetingkultur und Leistungsbewertung, berichtet das Magazin weiter.

Daimler-Angestellte sollen in Zukunft dort arbeiten dürfen, wo sie möchten – zuhause auf der Couch, mit den Füßen in einem See oder im Lieblingscafé.

"Viele Beschäftigte sind offen für Flexibilität"

In den nächsten Wochen solle eine Vereinbarung zwischen Chefs und Belegschaft beschlossen werden, "die weit ins nächste Jahrzehnt hineinreicht", fügt Personalchef Wilfried Porth im Interview mit dem Magazin hinzu.

Damit geht das Unternehmen einen Schritt, dem viele Firmen in nächster Zeit folgen könnten. Denn: Der Wunsch nach freierem Arbeiten ist bekannt. "Viele Beschäftigte sind offen für Flexibilität", sagte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) beim Kongress zur Zukunft der Arbeit Ende März 2016 in Berlin.

Dort kündigte sie an, einen "Arbeitszeitdialog" starten zu wollen. Bis zum Spätsommer will sie darüber unter anderem mit Arbeitgebern, Gewerkschaften und Kirchen reden.

Starre Arbeitszeiten haben ausgedient

Andere Großkonzerne haben die ersten Schritte in Richtung flexiblere Arbeitsmodelle bereits gewagt - allerdings weniger radikale als Daimler: Der Technikkonzern Bosch verkündete so bereits im letzten Jahr, mobiles Arbeiten fördern zu wollen und "Familienzeiten" zu gewähren.

Kritiker der flexiblen Konzepte - Teilzeit, Gleitzeit, Home-Office - fürchten, dass Job und Freizeit so verschmelzen könnten, dass am Ende die Freizeit auf der Strecke bleiben könnte. Das zu verhindern, wird in Zukunft die wohl größte Aufgabe der Arbeitswelt werden.

Denn: Dass starre Arbeitszeitmodelle ausgedient haben, leigt auf der Hand. Eine Revolution ist unaufhaltsam - und die Wirtschaft reagiert. Eine aktuelle Umfrage der Uni Bamberg, von der der "Spiegel" berichtete, zeigt, dass Personaler der größten deutschen Unternehmen in Zukunft auf flexible Arbeitszeiten setzen, um attraktiver zu werden.

Daimler setzt sich nun an die Spitze dieser Bewegung.

Mit Material von dpa

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