POLITIK
31/03/2016 06:57 CEST | Aktualisiert 31/03/2016 15:25 CEST

Rätselhaftes Muster: Forscher entdecken, was viele IS-Kämpfer gemeinsam haben

Handout . / Reuters
Abdelhamid Abaaoud auf einem Bild des IS-Propagandamagazins "Dabiq".

  • Zwei Forscher eines US-Think-Tanks haben die Biographien ausländischer IS-Kämpfer untersucht

  • Auffällig: Besonders französischsprachige Länder haben eine hohe Radikalisierungsquote

Zur Frage, wieso sich junge Menschen radikalisieren und sich Terrororganisationen wie dem IS anschließen, gab es bisher verschiedene Erklärungsansätze.

Zwei Forscher des amerikanischen Think-Tanks Brookings haben nun bei der Analyse der Lebensläufe von 1000 ausländischen IS-Kämpfern eine Beobachtung gemacht, die bisher kaum Aufmerksamkeit bekommen hatte.

Vier von fünf Ländern mit den höchsten Radikalisierungsquoten sind französischsprachig. Dabei geht es nicht um die absolute Anzahl der Menschen, die sich dem IS anschließen, sondern um die prozentuale Menge - gemessen an der Größe der muslimischen Bevölkerung der Länder.

Gibt es also eine Verbindung zwischen der Sprache in den Herkunftsländern der IS-Rekruten und ihrer Entscheidung, sich der Terrorganisation anzuschließen?

Sprache als entscheidender Indikator?

Besonders betroffen: Tunesien, Algerien, Belgien und Frankreich. Überall hier ist oder war Französisch einst offizielle Amtssprache.

"Der beste Radikalisierungs-Indikator war nicht etwa der Reichtum eines Landes. Oder der Bildungsgrad seiner Bürger, ihre Gesundheit oder die Verfügbarkeit von Internet-Anschlüssen. Der beste Indikator war, ob es sich um ein frankophones Land handelt", schreiben die Autoren William McCants und Christopher Meserole in ihrem Artikel für das US-Magazin "Foreign Affairs“.

Doch sie relativieren: Ganz so einfach lässt sich Radikalisierung nicht erklären.

Die politische Kultur Frankreichs

So sei es weniger die französische Sprache, in der die Erklärung für die Auffälligkeit läge. Eher gehe es um die politische Kultur Frankreichs. "Die französische Herangehensweise an die Trennung von Religion und Staat ist aggressiver als etwa in England“, heißt es in dem Artikel.

Frankreich und Belgien seien beispielsweise die einzigen Länder in Europa, die die Vollverschleierung in ihren Schulen verbieten.

Doch es gibt bereits Kritik an dem Erklärungsansatz der "French Connection“: Philippe Le Corre, ebenfalls Politik-Experte bei Brookings schreibt in einem Antwortartikel, die französische Sprache sei nur ein "nebensächlicher Faktor“ auf der Suche nach Erklärungen für den Terror in Brüssel.

"Wir sollten vorsichtig sein, auf Sprache oder Kultur zu zeigen, wenn wir versuchen, sunnitischen Radikalismus in aller Welt zu erklären. Stattdessen sollten wir uns auf Integration und Zusammenarbeit zwischen Staaten konzentrieren“, schreibt Le Corre.

Nicht die einzige rätselhafte Beobachtung

Auch der französische Botschafter in Washington Gérard Aurad äußerte Widerspruch. "Dieser Text ergibt keinen methodischen Sinn. Eine Beleidigung der Intelligenz. Von Proust zu Daesh?“, twitterte er.

Die französische Sprache ist nicht das einzige rätselhafte Muster, das bei der Analyse von IS-Terroristen in Vergangenheit erkannt wurde. Diego Gambetta, Soziologe in Oxford und Florenz und Steffen Hertog, Politikwissenschaftler an der London School of Economic hatten kürzlich in ihrer Arbeit "Engineers of Jihad“ die These geäußert, dass sich unter muslimischen Terroristen seit 2001 auffällig viele Ingenieure und Studenten technischer Disziplinen fänden.

Überbewerten sollte man solche Beobachtungen wohl auch nicht.

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