POLITIK
31/03/2016 16:23 CEST | Aktualisiert 01/04/2016 09:09 CEST

Schweizer Medienmogul warnt vor Weltkrieg und nennt Kanzlerin Merkel "größenwahnsinnig"

  • Roger Köppel attackiert Merkels Flüchtlingskurs als "größenwahnsinnig"

  • Derartige Selbstüberschätzung habe auch zum Ausbruch des ersten Weltkriegs geführt, findet der SVP-Politiker

  • Als Chefredakteur der "Weltwoche" warnt er vor dem Islam, der das "Überleben der Zivilisation" gefährde

Als rechtes Korrektiv versteht sich der Schweizer Verleger und SVP-Politiker Roger Köppel nicht erst seit heute. Der ehemalige Welt-Chefredakteur verlegt und leitet derzeit die rechtskonservative Schweizer "Weltwoche" und sitzt seit 2015 als Abgeordneter der rechten Schweizer Volkspartei im Nationalrat.

In seinen Leitartikeln gibt Roger Köppel oft die schrille Stimme einer Partei, die zuletzt mit der Schweizer "Durchsetzungsinitiative" das schärfste Ausländergesetz Europas forderte.

Köppels rechtes Trostpflaster

Mit der Kampagne "JA zur Ausschaffung krimineller Ausländer!" warb Köppels SVP für eine Volksabstimmung zur strikten Abschiebepolitik, ihre Parolen erinnerten Beobachter an den Rechtspopulismus von Pegida und die polemische Stimmungsmache gegen Flüchtlinge der AfD.

Die Rechtspopulisten erlitten eine Niederlage, die Köppel offenbar nicht auf sich sitzen lassen will.

In seinem Leitartikel zur Flüchtlingspolitik der EU und den jüngsten Terroranschlägen in Brüssel attackiert der Chefredakteur den "Wir-schaffen-das"-Kurs von Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer Schärfe, die selbst für Schweizer Verhältnisse ungewöhnlich ist.

Mit Sarrazin-Rhetorik zum ersten Weltkrieg

"Europa ist im Begriff, sich selber abzuschaffen", holt Köppel in Sarrazin-Rhetorik zum Rundumschlag gegen die deutsche Politik - vor allem aber gegen den Islam aus, der aus Sicht des Schweizer Verlegers das "Überleben" der "Zivilisation" gefährde.

"Die grössenwahnsinnige 'Wir schaffen das'-Mentalität hat in der europä­ischen Geschichte regelmäßig Katastrophen verursacht", schreibt Köppel. Und weiter: Die deutsche Flüchtlingspolitik könnte wie der Auslöser des ersten Weltkriegs wirken.

"Vermutlich dachten die europä­ischen Staatenlenker ähnlich, als sie ihre ­Armeen im Sommer 1914 in einen vermeintlich kurzen Krieg schickten: 'Wir schaffen das'".

Islam wird von "todessüchtigen Fanatikern und Verrückten missbraucht"

Grundproblem ist aus Sicht des Züricher Nationalrats der Islam in Europa, der anders als andere Religionen von "todessüchtigen Fanatikern und Verrückten missbraucht" werde.

Warum diese Religion besonders gefährlich ist, scheint Köppel aber für seine Argumentation nicht zu interessieren. "Aus Gründen, die uns nicht näher zu interessieren brauchen", schreibt der Chefredakteur dazu.

"Symptome einer kranken Zuwanderungspolitik"

Kein Wunder, dass er schließlich auch die Integrationspolitik der EU als aussichtslos abstempelt und sie gleich mal wie eine Art Fremdwort in seinem politischen Wörterbuch in Anführungszeichen setzt.

"Die hochgelobte 'Integrationspolitik' der Staaten versagt", schreibt der Schweizer. Ihm zufolge lässt sich deshalb von den Terroranschlägen in Paris und Brüssel direkt auf die ­aktuellen Zuwanderung aus Nordafrika und dem Nahen Osten schließen: "Paris und jetzt Brüssel sind akute Symptome einer falschen, kranken Zuwanderungs­politik."

Insofern sei Merkels "Wir-schaffen-das"-Kurs ein Zeichen der Selbstüberschätzung, was schon beim Ausbruch des ersten Weltkriegs der "Ursprung aller Übel" gewesen sei, ist Köppel überzeugt.

"Vier Jahre und Millionen von Toten später sah man den Irrtum ein. Ausbaden mussten es die Völker, nicht die Regierenden."

Köppel bewunderte schon Hermann Görings blaue Augen

Es ist nicht das erste Mal, dass der rechtsnationale Politiker mit fragwürdigen historischen Vergleichen für Wirbel sorgt.

Anfang Januar sorgte Köppel mit einer Verharmlosung von Hermann Göring, Hitlers Nummer zwei in Nazi-Deutschland, für Wirbel. Basierend auf seiner Ferienlektüre – eine 40 Jahre alte Biografie Görings aus der Feder des britischen Journalisten Leonard Mosley – formuliert der Zürcher Nationalrat Sätze wie:

"Irgendetwas muss der noch kaum arrivierte, blauäugige Göring gehabt haben», schreibt Köppel, den jungen Schürzenjäger bewundernd, der sich eine "bildhübsche" schwedische Gräfin geangelt hatte.

Der blitzintelligente Göring sei "weder Monster noch Teufel" gewesen und wie viele Deutsche "tragischerweise" der Faszination Hitler erlegen.

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