POLITIK
31/03/2016 14:22 CEST | Aktualisiert 30/11/2016 12:51 CET

Mit diesem kühnen Plan will ein 20-jähriger Berliner Flüchtlinge aus dem Mittelmeer retten

Jugend Rettet
Ein 20-jähriger Berliner will mit "Jugend Rettet" ein Boot kaufen und Flüchtlinge aus dem Mittelmeer retten

Es ist eine Fahrt mit ungewissem Ausgang. Für mindestens 3772 Menschen endete sie allein 2015 mit dem Tod: der Weg von Libyen über das Mittelmeer nach Europa. Das ist die offizielle Zahl der Todesopfer, die Dunkelziffer ist mit Sicherheit deutlich höher.

Jakob Schoen hat sich entschieden, diesem sinnlosen Sterben nicht länger tatenlos zuzusehen. Nachdem in der Nacht von 18. auf den 19. April 2015 mehr als 800 Menschen vor der Küste Libyens ertranken, gründete der heute 20-Jährige den Verein “Jugend Rettet”.

“Das Unglück war ein Punkt, der mich bewegt hat, weil da ein ganzer Kontinent mit einer Gleichgültigkeit auf das Meer schaut”, sagte der Abiturient dem Portal “Zeitjung”. “Das ist schon manchmal erschreckend.”

Schoen hat eine Mission - und ist fest entschlossen, sie in die Tat umzusetzen. Auch wenn er weiß, dass ihn manche Menschen für verrückt halten. "Für eine Seenotrettung sind wir die wohl denkbar schlechtesten Leute", sagte er der "Süddeutschen Zeitung".

"Jugend Rettet" will ein Boot kaufen, um Flüchtlinge zu retten

Dennoch hält er an seinem Plan fest. Er will das tun, worin die EU-Staaten im großen Stil versagen. Dafür will er ein Schiff kaufen, eine Crew aus ehrenamtlichen Helfern zusammenstellen und sie losschicken, auf die zentrale Flüchtlingsroute Libyen-Lampedusa, um Leben zu retten.

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Das Berliner Team um Jakob Schoen; Credit: Jugend Rettet

Seit einem Jahr kämpft der Abiturient nun schon für sein Vorhaben - und mit ihm ein Kernteam von neun Gleichgesinnten in Berlin. Sie betreuen gemeinsam ein Botschafternetzwerk aus, das sich auf 34 Städte erstreckt.

Das Geld für seine Rettungstruppe bekommen sie über Spenden. Ein Ehepaar war ganz besonders überzeugt von dem Projekt und versprach, den jungen Aktivisten 150.000 Euro für das Schiff zu spenden, wenn die Summe in Höhe von 80.000 Euro für Umbau, Überführung und ersten Laufmonat des Schiffes bis zum 31. März 2016 durch private Spenden erreicht wird.

Ziel der gesammelten Spenden deutlich überschritten

Also machte sich “Jugend Rettet” daran, unter anderem über die Plattform “betterplace.org” bis Ende März 80.000 Euro zu sammeln. Schon vor Ablauf der Frist sind sogar 120.000 Euro zusammengekommen.

Der Verein verhandle derzeit über einen holländischen Fischkutter, sagte die Sprecherin des Vereins Pauline Schmidt der “Süddeutschen Zeitung”. Was wichtig ist: Das Schiff ist mit moderner Navigationstechnik ausgestattet und verfügt über viel Platz unter Deck. Bis zu hundert Menschen könnte das Schiff aufnehmen.

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Die jungen Berliner bei der Besichtigung von Schiffen; Credit: Jugend Rettet

Die in Not geratenen Flüchtlinge wollen Schoen und sein Team an Bord mit Trinkwasser und Medizin versorgen. “Weiterhin erfolgt der Transport zum nächsten ‘sicheren Hafen’”, schreiben die jungen Retter auf ihrer Homepage. "Das ist ein Hafen, der Nahrung, Unterkunft, medizinische Versorgung und keine Gefährdung durch Verfolgung gewähren kann."

Verein setzt gezielt auf die Unterstützung anderer junger Leute

Jakob Schoen hat innerhalb von nur einem Jahr schon Unglaubliches erreicht. Bis seine Crew wie geplant Ende Juni in See stechen kann, ist aber noch viel zu tun. Laut Pauline Schmidt benötigt der Verein monatlich allein 30.000 Euro an Spenden, um den Betrieb am Laufen zu halten.

Dabei setzen sie übers Internet ganz gezielt auf die Unterstützung anderer junger Leute. "Wir wollen unserer Generation zeigen, dass humanitäre Hilfe nicht nur vor der eigenen Haustüre stattfinden darf", sagte die Sprecherin der “SZ”.

Prominente Unterstützer konnten die jungen Berliner auch schon gewinnen. Die Schauspieler Maria Furtwängler, Armin Rohde und Jasmin Gerat setzen sich mit ihrer Stimme für das Projekt ein.

Dieser Artikel erscheint in der HuffPost-Reihe "Die Mutmacher". Weitere Texte aus der Serie:

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