POLITIK
30/03/2016 08:02 CEST | Aktualisiert 30/03/2016 08:08 CEST

"Extra3"-Moderator zu Erdogan: "Mir ist die Kinnlade runtergefallen"

NDR/Matzen

  • Nach dem "Extra3"-Skandal um den türkischen Präsidenten Erdogan äußert sich der Moderator der Sendung

  • Ihm sei " die Kinnlade runtergefallen", als er von der Einbestellung des Botschafters erfahren habe

"Erdowie, Erdowo, Erdogan" - das fand Recep Tayyip Erdogan gar nicht lustig. Ein Liedchen der NDR-Satiresendung "Extra3" brachte den türkischen Präsidenten auf die Palme. Er bestellte den deutschen Botschafter ein. Aus Diplomatenkreisen heißt es, er verlange eine Löschung des Materials.

Nun hat der Moderator der Sendung, Christian Ehring, mit "Spiegel Online" darüber gesprochen, wie er dem Vorfall gegenübersteht. Dem Online-Magazin sagte er, ihm sei "die Kinnlade runtergefallen", als er von dem Nachspiel für den Beitrag über Erdogan erfahren habe.

"Eine ungewohnte Aufmerksamkeit"

Es freue ihn, wenn die Sendung "sogar vom türkischen Präsidenten geguckt werde. Auch wenn wir keine Sendung machen, die ihm durchgängig gefällt. Für unsere Show ist das eine ungewohnte Aufmerksamkeit. Insofern ist es ein Erfolg", sagte Ehring.

Auf die Frage, ob er sich beim türkischen Präsidenten entschuldigen wolle, antwortete er: "Ich wüsste nicht, warum. Der Song ist ja sehr faktenbasiert. Wir werfen Erdogan nur vor, was viele Journalisten und Politiker schon seit Langem kritisieren."

In dem knapp zweiminütigen Lied, das dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ein sehr fragwürdiges Verhältnis zur Pressefreiheit vorwirft, heißt es zur Melodie des Nena-Songs "Irgendwie Irgendwo Irgendwann" unter anderem: "Ein Journalist der was verfasst, das Erdogan nicht passt, ist morgen schon im Knast."

In der Türkei käme man dafür in den Knast

Im Bezug auf das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei dichteten die Satiriker zu Bildern von Angela Merkel: "Sei schön charmant, denn er hat dich in der Hand".

In dem Interview betonte Ehring auch, dass man in der Türkei für einen derartigen Beitrag wohl im Gefängnis landen würde.

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