POLITIK
29/03/2016 15:57 CEST | Aktualisiert 29/03/2016 17:31 CEST

Nach Auflösung der rechtsextremen Saar-AfD: Höcke sorgt mit Facebook-Kommentar für Eklat

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Dieser Höcke-Post war selbst dem rechten Flügel zu extrem

  • Björn Höcke kritisiert die Auflösung der Saar-AfD aufgrund von rechtsextremen Kontakten

  • Die Entscheidung der AfD-Spitze zeige, dass die Partei noch nicht "den Kinderschuhen entwachsen" ist

Nach der Auflösung der Saar-AfD regt sich der Widerstand unter den rechten Hardlinern der Partei.

In einem dubiosen Facebook-Post kritisierte Björn Höcke die Entscheidung der AfD-Bundesspitze, den Landesverband aufgrund von Verbindungen zur NPD aufzulösen - und stellt sich so hinter rechtsextreme Kräfte der Partei.

„Eine Partei, die einen Landesverband auflöst, scheint mir den Kinderschuhen doch noch nicht ganz entwachsen zu sein“, wird der Wortführer des rechten Parteiflügels, der Chef der Alternative für Deutschland (AfD) in Thüringen, Björn Höcke, vom "Handelsblatt" zitiert. Der Facebook-Post ist auf der Seite der rechten Parteibewegung "Der Flügel" aufgetaucht, die von Höcke mit ins Leben gerufen wurde.

Die Anhänger des "Flügels" kritisieren eine Tendenz der AfD, sich zunehmend den etablierten Parteien anzupassen.

björn höcke

"Feigheit und Verrat an den Interessen unseres Landes"

Wörtlich heißt es auf der Seite der rechten Splittergruppe: "Anstatt nun jedoch die Alternative zu bieten, die wir versprochen haben, passen wir uns ohne Not mehr und mehr dem etablierten Politikbetrieb an: dem Technokratentum, der Feigheit und dem Verrat an den Interessen unseres Landes."

Die Betreiber der Facebook-Seite haben Höckes kritische Aussage zum Ausschluss des Landesverbands inzwischen kommentarlos gelöscht. Offenbar will sich auch der rechte "Flügel" noch Zeit lassen, seinen Kinderschuhen zu entwachsen.

Belege für enge Kontakte der Landesspitze zur NPD

Hintergrund für die Parteiauflösung der Saar-AfD war ein Bericht des Nachrichtenmagazins "Stern". Recherchen des Magazins lieferte Belege für rechtsextreme Kontakte des Landesvorsitzenden Josef Dörr und seinem Vize Lutz Hecker. Demnach offenbarten Sitzungsprotokolle, Emails und Whats-App-Nachrichten Verbindungen zur Freien Bürger-Union (FBU), einer rechten Gruppierung, die flächendeckend von der NPD gesteuert wird.

Der AfD-Bundesspitze, die sich um ein moderates Gesicht bemüht, wurde das zu heiß. Vergangenen Donnerstag gab die Partei bekannt, die Saar-AfD mit sofortiger Wirkung aufzulösen. Grund seien "schwerwiegende Verstöße gegen die politische Zielsetzung und die innere Ordnung der Partei". Nach dem Motto: Wer bürgerlich wirken will, muss den rechten Dreck zumindest vom Vorhof kehren.

So viel rechtes Versprechen muss man schon halten

Geht es nach Höckes rechtem "Flügel", droht die Alternative für Deutschland aber mit derartigen Reaktionen die Wähler zu enttäuschen. In den Ausschlüssen rechter Mitgliedern sieht der "Flügel" eine bedenkliche Tendenz, "die politische Spannbreite der AfD über Gebühr und ohne Not zu begrenzen", heißt es auf der Internetseite der Gruppierung.

Neben Höcke tauchen im Impressum auch der Brandenburger AfD-Landtagsabgeordnete Andreas Kalbitz, der Chef der AfD-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt, André Poggenburg, und dessen Fraktionskollege Hans-Thomas Tillschneider auf.

Aus Sicht des rechten Flügels habe die Alternative für Deutschland den Wählern versprochen, "demokratischer, patriotischer und mutiger" als die etablierten Partei zu sein. "Die AfD habe Mitglieder verprellt und verstoßen, deren Profil unverzichtbar ist", heißt es weiter. Dadurch verliere die AfD ihre "Daseinsberechtigung".

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