POLITIK

Kreis in Schwaben wollte Flüchtlingen die deutsche Kultur vermitteln - doch das ging nach hinten los

28/03/2016 12:33 CEST | Aktualisiert 29/03/2016 16:15 CEST

  • Kreis in Schwaben verteilt Leitkultur-Comic an Flüchtlinge

  • Leider wirft die Symbolik große Missverständnisse auf

Flüchtlinge, die in Deutschland leben wollen, müssten auch die deutsche Kultur kennen, da sind sich die Politiker einig. Nur wenn sie wüssten, welche Umgangsformen hier herrschen, könne Integration auch gelingen.

Dass Bemühungen der Politiker in diese Richtung aber nicht immer gelingen, beweist ein Heft, das der Schwarzwald-Baar-Kreis in Schwaben jetzt herausgegeben hat. Der Comic, über den der SWR zuerst berichtete, enthält Zeichnungen, die den Flüchtlingen die deutschen Grundwerte näherbringen sollen.

Das 39-seitige Heft wird in Asylunterkünften verteilt und soll bildlich darstellen, welche Regeln die Neuankömmlinge in Deutschland beachten müssen und welche Verhaltensweisen nicht angebracht sind.

Zeichen bedeuten eben nicht überall dasselbe

Ein Bild zeigt gleichgeschlechtliche Paare und einen Mann in Frauenkleidern. Dafür gibt es einen nach oben gereckten Daumen - Homosexualität und sexuelle Freiheit finden wir gut. Eine Frau, die begrapscht wird oder Neonazis - Daumen runter. Nicht gut.

Daumen hoch, Daumen runter - solch simple Zeichen versteht doch jeder auch ohne Sprachkenntnisse oder etwa nicht? Leider haben die Macher des gut gemeinten Leitkultur-Comics offenbar nicht bedacht, dass diese Handzeichen keinesfalls universal sind.

Der nach oben gestreckte Daumen bedeutet nur in Mitteleuropa und Nordamerika "super". In vielen anderen Teilen der Welt - unter anderem in Syrien, Irak und Afghanistan, von wo die meisten Flüchtlinge nach Deutschland kommen - steht er aber für das Gegenteil. Dort bedeutet ein hochgereckter Daumen soviel wie bei uns der ausgestreckte Mittelfinger, also "fuck you".

Damit bekommen die Bildchen für viele Flüchtlinge eine ganz andere Bedeutung - und vermitteln möglicherweise genau die gegenteilige Botschaft. Und das, obwohl bei der Gestaltung des Hefts laut dem Landratsamt Villingen-Schwenningen auch Flüchtlinge selbst beteiligt waren. Da scheint in der Kommunikation etwas gehörig schief gelaufen zu sein.

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