WIRTSCHAFT
28/03/2016 09:32 CEST

Levi's gibt ein Firmengeheimnis preis, das jeder Kunde kennen sollte

Getty

  • Levi's hat das eigene Nachhaltigkeitskonzept offengelegt

  • Damit will der Jeans-Hersteller die Konkurrenz ermutigen, bei der Produktion ebenfalls Wasser zu sparen

Der Jeans-Riese Levi’s hat am Donnerstag bekannt gegeben, ein wichtiges Handelsgeheimnis offenzulegen. Es geht um die Strategie des Unternehmens, den Wasserverbrauch bei der Jeansherstellung um 96 Prozent zu senken. Damit ist die Taktik von Levi's auch für die Konkurrenz zugänglich - und steht bereit zur Nachahmung.

Der Modehersteller gab diese Erklärung am Weltwassertag ab. Dieser wurde zum ersten Mal vor 23 Jahren von der UN zur Feier der Verfügbarkeit von sauberem Trinkwasser organisiert.

"Wasser ist eine kritische Ressource für unser Geschäft, den Planet und Menschen in aller Welt. Aber die nutzbare Versorgung wird immer knapper“, schrieb Michael Kobori Vize-Präsident für Nachhaltigkeit bei Levi's in einer Pressemitteilung. "Wir fühlen uns schon seit langem einer verantwortlichen Wassernutzung verpflichtet. Uns ist aber klar, dass noch mehr getan werden muss. Deshalb legen wir in diesem Punkt den Konkurrenzgedanken ab und unterstützen andere dabei, diese frei verfügbaren Methoden anzuwenden.“

50 Milliarden Liter sollen eingespart werden

Levi's hat im Jahre 2011 21 Wasserspar-Methoden eingeführt. Dazu zählte etwa, nur nachhaltig produzierte Baumwolle zu kaufen und weniger Wasser bei der Fertigung und und Waschen des Jeansstoffes zu nutzen.

Seitdem hat die Firma mehr als eine Milliarde Liter Wasser eingespart. Wenn die Methoden von Levi's zum Industriestandard würden, könnten bis 2020 ganze 50 Milliarde Liter Wasser gespart werden.

"Die Jeans herzustellen, die wir tragen, ist ein sehr wasserintensives Geschäft“, sagte Brooke Barton, Wasser-Programmdirektor bei der Non-Profit-Organisation Ceres der Huffington Post USA. "Levi’s Engagement, diese Technologie frei verfügbar zu machen, bedeutet, dass andere Modehersteller keine Ausreden mehr haben, ihre Bemühungen nicht zu erhöhen.“

Bemühungen sollen verdoppelt werden

CEO Chip Bergh, der es bekanntlich grundsätzlich vermeidet, seine Jeans zu waschen, sagte am Donnerstag, er plane, die Nachhaltigkeitsbemühungen der Firma bis 2020 noch einmal zu verdoppeln.

Dann will die Firma 100 Prozent ihrer Baumwolle von Baumwollfarmen beziehen, die von der Non-Profit-Organisation "Better Cotton Initiative“ zertifiziert sind – oder aus recyceltem Material.

Bis zu 80 Prozent der Levi’s-Produkte sollen mit wassersparenden Techniken hergestellt werden und so in der Levi’s-Linie "Water

Auch andere Firmen verfolgen nachhaltige Strategien

Die Idee, Konkurrenzunternehmen hinter verschlossene Türen schauen zu lassen, um so für höhere Industriestandards zu sorgen, ist nicht ganz neu.

In den 1960er-Jahren führte der schwedische Autofabrikant Volvo einen Dreipunkt-Sicherheitsgurt ein und gab das Design an seine Mitbewerber weitergegeben, um alle Autos sicherer zu machen – nicht nur die eigenen.

Im Jahre 2010 veröffentlichte der Sportartikel-Hersteller Nike ein Tool, das anderen Modeherstellern ermöglichte, Einsicht in die Umweltdesigntechniken von Nike zu gewinnen. Drei Jahre später folgte die kostenlose App "Making“, die firmeninterne Daten zum Thema Nachhaltigkeit enthielt und so Designer und Hersteller ermutigen sollte, nachhaltige Materialien zu verwenden.

Der Schachzug von Levi's zielt mit seinem Plan weniger darauf ab, den Wettbewerb im Modegeschäft zu verstärken. Die Fiorma möchte stattdessen Strategien teilen, die die Firma bereits entwickelt hat. Ein erfrischender Ansatz in Zeiten der Wasserkrise.

Dieser Artikel ist ursprünglich bei der Huffington Post USA erschienen und wurde von Lennart Pfahler übersetzt.

Auch auf HuffPost:

Erschreckende Aufnahmen: Wie diese beliebte Handtasche hergestellt wird, ist widerlich

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Gesponsert von Western Digital