POLITIK
26/03/2016 22:00 CET

Experten: Atomkraftwerke könnten bald Ziele für Cyber-Attacken sein

Sean Gallup/Getty Images
Der islamische Staat könnte seine Anschläge bald über das Internet ausführen

  • Experten von EU und aus der Privatwirtschaft warnen vor Cyber-Terror

  • Gefährdet sind unter anderem Atomkraftwerke, Elektrizitätswerke und Telekommunikationseinrichtungen

Namhafte Experten warnen vor Anschlägen auf Atomkraftwerke und andere wichtige Ziele durch Cyberterror. "Ich wäre nicht erstaunt, wenn es in weniger als fünf Jahren Versuche gibt, das Internet für Attentate zu nutzen", sagte der Anti-Terror-Koordinator der EU, Gilles de Kerchove, der belgischen Zeitung "La Libre Belgique" vom Samstag.

Er halte es für möglich, dass Terroristen sich Zugriff auf die Kontrollzentralen von Nuklearanlagen, die Steuerung von Talsperren, die Luftraumüberwachung oder Weichenstellwerke verschaffen.

Die Gefahr liegt in der hohen Spezialisierung

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verfüge über viele junge Mitglieder, die mit dem Internet aufgewachsen seien. "Irgendwann wird es einen Typen mit einem Doktortitel in Informationstechnologie geben, der in der Lage ist, in ein System einzudringen", sagte de Kerchove.

Kaspersky: "Neue, gefährliche Entwicklung"

Eugene Kaspersky, in der weltweit bekanntesten Experten in Sachen Computersicherheit, äußerte in der „Welt“ vom Samstag die gleiche Befürchtung und sprach von einer „neuen, gefährlichen Entwicklung“.

Kaspersky hat einen Wandel in der Cyberkriminalität beobachtet. Bislang hätten Kriminelle vor allem einzelne Rechner, Smartphones und Firmennetzwerke ins Visier genommen, um damit Geld zu machen. Doch jetzt stünden zunehmend Produktionsanlagen, Telekommunikationslanlagen und Transportsysteme im Fokus.

"Ich mache mir Sorgen"

„Ich mache mir Sorgen, dass es auch terroristische Angriffe auf kritische Infrastruktur geben könnte. Es ist naheliegend, dass dies der nächste Schritt ist“, sagte er im Interview.

Viele Kraftwerke und andere Einrichtungen seien alt – und entsprechend schlecht geschützt. Außerdem könnten Technologien wie 3-D-Drucker genutzt werden, um etwa Fingerabdrücke zu fälschen. Und so etwa Fingerabdruck-Scanner zu überlisten.

Die gute Nachricht: „Man kann einen sehr hohen Grad an Sicherheit garantieren“, sagt Kaspersky. Unter anderem wünscht sich der Computerexperte Betriebssysteme und Programme, die garantiert nur über jene Funktionen verfügten, für die sie gedacht seien – und sich so nicht mehr hacken lassen.

Er lobte die Pflicht für Unternehmen in Deutschland, Cyber-Angriffe den Behörden zu melden. So sei die Regierung besser über die Umtriebe informiert.

Attacken sind wegen der möglichen Opferzahlen attraktiv

Das Bundesinnenministerium warnt vor Cyberterror auf Attacken IT-gesteuerte kritische Infrastrukturen wie die Elektrizitäts- oder Trinkwasserversorgung, Verkehrsleitsysteme oder die Flugsicherung. „Derartige Szenarien sind für Terroristen attraktiv, da hohe Opferzahlen und Schäden wahrscheinlich sind“, schreibt das Ministerium.

Von staatlicher Seite sind in Deutschland mit dem Kampf gegen den Cyberterror das Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und das Nationale Cyber-Abwehrzentrum (Cyber-AZ) zuständig, die mit verschiedenen Behörden zusammenarbeiten.

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