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Britischer Moderator demontiert Frauke Petry und AfD

25/03/2016 18:22 CET | Aktualisiert 25/03/2016 20:35 CET

  • AfD-Chefin Frauke Petry hat sich in einem Interview blamiert

  • Der Moderator nahm die Rechtspopulistin gnadenlos auseinander

Tim Sebastian, preisgekrönter britischer Moderator, hat AfD-Chefin Frauke Petry ziemlich auseinandergenommen. Gebraucht hat er dafür: keine 30 Minuten.

Das Ziel des Interviews war zu hinterfragen: Macht sich die „Anti-Einwanderungs-Partei“ ernsthaft Sorgen um den Verlust der deutschen Kultur oder steckt da etwas Bösartigeres dahinter? Am Ende möchte man eher fragen: Oder steckt einfach nur kaum etwas dahinter?

Das Ergebnis ist nämlich eine englische Wortbattle, in der Petry aus der Reserve gelockt wird, viel verzweifelt vor sich hin stammelt und am Ende klar den Kürzeren zieht. Ausgestrahlt in der Sendung „Conflict Zone“ bei der „Deutschen Welle“, ist die volle Version nun online verfügbar.

Zeit für eine Zusammenfassung der besten Momente:

Drei Schüsse in die Luft

Gleich zu Beginn konfrontiert Sebastian Petry mit ihrer Aussage, zur Not Schusswaffen einzusetzen, um die deutschen Grenzen zu sichern und Flüchtlinge abzuwehren, und fragt ganz frech: „Sind Sie stolz darauf?“

Petry leugnete, dies so gesagt zu haben, und behauptete, es gebe einen Unterschied zwischen Waffeneinsatz und Waffeneinsatz gegen Menschen. Darauf der Brite erneut ganz keck: „Sie haben nicht gesagt: ‚in die Luft schießen’, oder?“

"Sie wollten diese Schlagzeilen"

Der Moderator unterstellt ihr, dass die Aussage kein Versehen gewesen sei oder ein Konstrukt der Medien, sondern perfekt an ihren eigenen Grundsatz angepasst ist, den der Mediendienst „kress.de“ in einer geleakten E-Mail fand: „Um sich medial Gehör zu verschaffen, sind daher pointierte, teilweise provokante Aussagen unerlässlich.“

Er glaubt: „Sie wollten diese Schlagzeilen.“ Petry gibt zu, diese E-Mail verfasst zuhaben und argumentiert, dass es als kleine Partei schwer sei, in den Medien Gehör zu finden. Sebastian hakt nach: „Also sind Sie jetzt das Opfer?“

Stammeln und Winden

Immer wieder konfrontiert er sie mit ihren eigenen Aussagen und Auszügen aus dem Entwurf des Parteiprogramms. Was vor allem auffällt, wenn man Petry so eine halbe Stunde lang zuhört: Von klaren, provokativen Ansagen ist plötzlich nicht viel übrig.

Sie windet sich unter seinen Fragen und weicht permanent aus. Es wirkt so, als wisse sie keine Antworten, wisse allgemein nicht allzu viel. Das bemerkt auch Sebastian: „Sie wollen keine direkten Antworten geben!“

Pressefreiheit – war da was?

Weil Petry die Fragen des Journalisten offensichtlich nicht gefallen und sie wohl merkt, dass sie mit ihrem Gestammel nicht sonderlich gut dasteht, denkt die AfD-Politikerin sich offenbar: Warum nicht selbst die Fragen vorgeben? Sie sagt dem Journalisten, wozu er sie besser befragen sollte – doch das lässt sich eine Ikone wie Sebastian nicht gefallen.

Er kontert mit einem der besten Aussagen des Gesprächs: „Ich werde die Fragen stellen, die ich stellen möchte – weil es das ist, was eine freie Presse tut.“ Da wünscht Petry sich vielleicht, dass es die geforderten staatlich finanzierten Sender schon gäbe – denen könnte man wohl Fragen vorschreiben.

Die Sache mit der Kultur und der Geschwindigkeitsbegrenzung

Auf die Frage, ob die „deutsche Kultur“ denn so verletzlich sei, argumentiert Petry auf einmal aus heiterem Himmel mit Speed-Limits in Frankreich: „Wenn ich nach Frankreich gehe, sehe ich die Grenze nicht, aber ich weiß, dass sie da ist und akzeptiere es – ob in Form von Geschwindigkeitsbeschränkungen oder Gesetzen.“

Demnach wäre Kultur etwas, was man genauso einfach festlegen kann wie das Limit von 130 Kilometern pro Stunde auf französischen Autobahnen. Die Frage ist: Was passiert bei Übertretung der Kulturvorschriften? Strafzettel und Punktesammeln auf einem ominösen Einwanderer-Konto?

„Warum interessiert sich eine politische Partei für den männlichen Penis?“

Zwei weitere Highlights sind Sebastians Fragen: „Warum interessiert sich eine politische Partei für den männlichen Penis?“ Er spielt auf die Forderung der AfD in ihrem Entwurf zum Parteiprogramm an, Beschneidung zu verbieten. Petry beteuert, im endgültigen Programm würde das nicht mehr stehen – aber wie baff sie auf diese Frage reagiert, ist Gold wert.

Zuletzt hakt der Brite nach, ob Petrys Partei tatsächlich psychisch Kranke und Drogen- sowie Alkoholabhängige ins Gefängnis sperren wolle. Hier ist Petry nun endgültig am Ende und um jede Antwort verlegen. Sie fragt nur noch: „Sollen wir über den Euro sprechen?“

Ohne einen Handschlag verlässt sie den Raum. Das Interview mit dem ausländischen Journalisten hat sie wohl etwas unterschätzt – eine Rückkehr zu einer zweiten Folge des Wort-Battles ist unwahrscheinlich.

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