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25/03/2016 12:49 CET | Aktualisiert 28/03/2016 10:27 CEST

Lehreralltag: Wenn Schüler Fragen stellen

Jack Hollingsworth via Getty Images
Diese Frage verunsicherte eine erfahrene Lehrerin zutiefst

Hausaufgabenstunde in meiner Klasse. Die Fragen der Schüler bewegen sich immer mehr auf der Metaebene. Sie werden erwachsen. Stellen alles in Frage.

»Warum sprechen Sie amerikanisches Englisch?« »Weil ich in Amerika war.« »Aber Sie müssen uns englisches Englisch beibringen.« »Beschwer dich bei der Schulleitung.«

»Frau Freitag, warum müssen wir eigentlich diese blöde Hausaufgabenstunde haben?«

»Das hier ist eine Ganztagsschule, und da muss man Hausaufgabenstunden anbieten.« »Aber eigentlich müsste es doch auf einer Ganztagsschule gar keine Hausaufgaben geben.«

»Und wie solltet ihr dann was lernen?« – »Unterricht. Reicht doch.« »Reicht ja eben nicht. Sonst wärt ihr ja alle nicht so schlecht. Abgesehen davon machen doch die meisten hier gar keine Hausaufgaben.«

Und wahrlich, wenn ich mich in diesen Hausaufgabenstunden so umsehe, ein Bild des Schreckens. Diese Stunde müsste Hausaufgabenvermeidungsstunde heißen. Die Schüler tun wirklich ALLES, um NICHT ihre Hausaufgaben zu machen.

Suchen auf Facebook nach Ablenkung, müssen aufs Klo, versuchen heimlich zu essen oder zu trinken, kritzeln auf ihren Arbeitsblättern rum oder starren einfach nur ins Lehrwerk. Das sind mir die liebsten.

Sitzen die ganze Stunde bewegungslos da und glotzen in ein offenes Buch. »Volkan, was machst du?« »Ich lerne.« »Du starrst vor dich hin.« »Nein, ich lerne.«

Volkan kann auch die gesamte Kunststunde vor seinem Blatt sitzen und keinen Finger rühren. Wenn man ihn anspricht: »Was denn? Ich muss nachdenken.«

Nur ich arbeite sehr fleißig in den Hausaufgabenstunden. Ich trage die fehlenden Schüler in Listen ein, verwalte Fehlzettel und nehme Entschuldigungen entgegen. Plötzlich höre ich Volkans Stimme. »Frau Freitag?«

»Hmmm.« Ich gucke nicht hoch, denn ich versuche gerade, die Entschuldigung von Vanessa in die Fehlzeitenliste einzutragen.

Aber wo steht Vanessa?

»Frau Freitag, haben Sie zu Hause einen Tampon?«

Ich: ???

Jetzt gucke ich doch hoch. Hat Volkan mich das wirklich gerade gefragt? Volkan wartet auf meine Antwort. Ich kann es nicht fassen.

Was fragt der mich denn für seltsame Dinge. Ist doch eigentlich gar nicht seine Art. Warum will er das wissen? Natürlich habe ich zu Hause einen Tampon. Sogar mehrere.

Entgegen den Annahmen einiger jüngerer Kollegen bin ich noch nicht in den Wechseljahren.

Ich habe sogar einen Tampon in meiner Schultasche. Ob Volkan den mal sehen will? Spinnt der jetzt völlig?

»Volkan, ob ich einen TAMPON zu Hause habe? Was ist denn das für eine Frage?« Die gesamte Mädchenriege schreckt hoch und fängt an zu lachen. Volkan guckt mich entsetzt an.

»Äh? Das habe ich doch gar nicht gefragt.«

»Hast du mich nicht eben gefragt, ob ich einen TAMPON zu Hause habe?« Jetzt kichern auch die Jungs, und alle warten auf Volkans Antwort.

»Nein, Frau Freitag, so rede ich doch gar nicht. Ich habe gefragt, ob Sie einen Tannenbaum zu Hause haben.«

»Oh, sorry, ich hatte TAMPON verstanden.« Bei dem T-Wort zuckt Volkan peinlich berührt zusammen. »Nein, Volkan. Hab ich nicht. Du?« Okay, Wechseljahre habe ich noch nicht.

Aber mein Gehör scheint langsam nachzulassen. Und meine Klasse wird wohl wirklich erwachsen.

Fragen auf der Metaebene und eben keine provozierenden pubertären Quatschfragen, bei denen mich Wörter wie Tampon schocken sollen.

Eigentlich schade, das ist doch eine total lustige Frage an die Lehrerin: Haben Sie zu Hause einen Tampon?

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Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch "Frau Freitag - Für mich ist auch die sechste Stunde". Es erschien im Ullsteinbuch Verlag. Hier könnt ihr das Buch kaufen.

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