POLITIK
25/03/2016 11:09 CET | Aktualisiert 25/03/2016 14:35 CET

Lebensmittelverschwendung: Dieser radikale Plan der Regierung würde völlig verändern, wie wir einkaufen

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Woman carrying a bag of groceries

  • Die Regierung will einen wichtigen Schritt gegen Lebensmittelverschwendung gehen

  • Ernährungsminister Schmidt setzt sich für eine Abschaffung des Haltbarkeitsdatums ein

  • Kunden sollen selbst entscheiden, wie lange Lebensmittel haltbar sind

In Deutschland landen pro Jahr etwa elf Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. 6,7 Tonnen stammen aus Privathaushalten. Ein Großteil wäre eigentlich noch genießbar - oft werden sie weggeworfen, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist.

Dieser enormen Verschwendung möchte die Regierung nun Einhalt gebieten. Ernährungsminister Christian Schmidt dringt laut einem Bericht der Funke Mediengruppe auf eine rasche Abschaffung des Haltbarkeitsdatums auf allen Lebensmittelverpackungen. Ziel dieses Plans ist es, dass Kunden stärker selbst entscheiden, bis zu welchem Grad sie Nahrungsmittel konsumieren wollen.

Er gehe davon aus, dass in wenigen Monaten der Entwurf einer entsprechenden EU-Richtlinie vorliege, sagte der CSU-Politiker den Zeitungen Mediengruppe. Um der Verschwendung von Nahrungsmitteln zu begegnen, müsse das Mindesthaltbarkeitsdatum zu einer qualifizierten Verbraucherinformation weiterentwickelt werden, forderte Schmidt.

"Hersteller bauen zu große Sicherheitspuffer ein"

"Auf die Verpackungen von Milch oder Schinken soll ein echtes Verfallsdatum gedruckt werden, nach dem diese Produkte tatsächlich nicht mehr genießbar wären", sagte der Minister.

Die meisten Produkte seien erheblich länger verwendbar als auf den Verpackungen stehe, beklagte Schmidt. "Wir werfen massenweise gute Lebensmittel weg, weil die Hersteller zu große Sicherheitspuffer eingebaut haben.“ Bei Produkten wie Salz oder Zucker, die dauerhaft genießbar seien, müsse heute schon kein Haltbarkeitsdatum mehr auf der Verpackung stehen, sondern nur noch das Herstellungsdatum, so der CSU-Politiker.

Schmidt warb dafür, neue Wege zu gehen, um die Nahrungsmittelverschwendung bis 2030 zu halbieren. Die Zukunft gehöre „der intelligenten Verpackung“. In Joghurtbecher etwa ließen sich elektronische Chips einbauen, die ermittelten, wie sich das Produkt von Tag zu Tag verändere.

"Eine Farbskala von Grün bis Rot zeigt an, wie es um die Verzehrbarkeit steht“, erläuterte der Minister. "Jeder kann dann selbst entscheiden, bis zu welchem Grad er das Nahrungsmittel noch verwenden will.“ Das Ernährungsministerium fördere ein Forschungsprojekt, in dem es auch um intelligente Verpackung gehe, mit zehn Millionen Euro. Ergebnisse seien in etwa drei Jahren zu erwarten, sagte Schmidt.

Zugleich rief der Minister dazu auf, stärker auf Ernährungsbildung zu setzen. "Ich plädiere dafür, in allen Bundesländern ein Schulfach Ernährung zum festen Bestandteil der Lehrpläne für weiterführende Schulen zu machen – und die Schüler auch darin zu prüfen“, sagte Schmidt. "In Fächern wie Biologie kommen Ernährungsfragen viel zu kurz.“ Die Lehrer müssten entsprechend ausgebildet werden.

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