POLITIK

Mehr Täter, mehr Waffen, mehr Bomben: Unglaubliche Zufälle verhinderten ein viel schlimmeres Blutbad in Brüssel

25/03/2016 04:48 CET | Aktualisiert 25/03/2016 14:29 CET

  • Salah Abdeslam und zwei weitere Täter planten Angriffe mit Kalaschnikows in Brüssel

  • Zufälle verhinderten dies

  • Zwei unbekannte Täter sollen weiterhin auf der Flucht sein

Wie jetzt bekannt wurde, hatte Brüssel offenbar Glück im Unglück. Die Terrorserie mit Hunderten Opfern war möglicherweise noch verheerender angelegt als bislang bekannt. Glückliche Zufälle verhinderten ein viel schlimmeres Blutbad.

Nach unbestätigten Medienberichten wollten drei weitere Täter nach dem Vorbild der Pariser November-Anschläge auch mit Sturmgewehren um sich schießen. Glück verhinderte dies.

Abdeslam plante Angriff mit Kalaschnikows

Wie die öffentlichen Sender VRT und RTBF berichteten, wollten Salah Abdeslam, Mohamed Belkaid sowie ein dritter Mann namens Amine Choukri mit Sturmgewehren ein noch größeres Blutbad anrichten - nach dem Vorbild der Pariser Attacken vom 13. November.

Doch Mohamed Belkaid wurde bei einer Razzia erschossen. Die Polizei stieß rein zufällig auf Belkaid. Als Streifenpolizisten eine Wohnung kontrollierten, von der sie annahmen, dass sie leerstehen würde, schoss jemand plötzlich mit einer Kalaschnikow auf sie. Belkaid wurde von später von einem Sniper der Polizei erschossen. Bis dahin war er den Behörden nicht bekannt gewesen.

Vorliebe für Pizza wurde den Tätern zum Verhängnis

In der Wohnung fand die Polizei nicht nur eine Kalaschnikow und eine große Menge Munition, sondern auch einen Fingerabdruck von Salah Abdeslam. Die Patronen sollten wahrscheinlich bei dem Angriff in Brüssel verwendet werden.

Abdeslam wird vorgeworfen, schon die Pariser Anschlagsserie maßgeblich vorbereitet zu haben, bei der Killer unter anderem in Restaurants und einer Konzerthalle um sich geschossen hatten.

Dann ein weiterer Zufall. Die Polizei hört bei der Überwachung einer verdächtigen Wohnung ein Telefongespräch ab, bei der eine auffällig große Menge an Pizzen bestellt wurde. Die Polizisten wurden hellhörig: Schon in der konspirativen Wohnung der Paris Attentäter wurden viele leere Pizzakartons gefunden. Bei der Erstürmung der Wohnung wurden Abdeslam und Choukri festgenommen.

Ein weiterer Zufall verhinderte noch mehr Tote: Als die Brüsseler Attentäter ein Taxi rufen, das sie zum Flughafen bringen soll, schickt die Zentrale einen Kombi statt des bestellten Vans. Die Terroristen müssen eine Bombe zurücklassen.

Zwei Unbekannte sind noch auf der Flucht

In Brüssel wurden am Dienstag bei Explosionen am Flughafen und in der U-Bahn-Station Maelbeek mindestens 31 Menschen getötet und rund 300 verletzt. Der Attentäter in der Metro, Khalid El Bakraoui, war dabei offenkundig nicht allein, wie belgische und französische Medien berichteten.

Wahrscheinlich befinden sich zwei unbekannte Täter auf der Flucht. Bilder einer Überwachungskamera zeigten vor der Explosion in der Metro einen zweiten Mann mit einer großen Tasche. Es sei wenig wahrscheinlich, dass dieser Mann bei der Explosion getötet wurde.

Somit bestand die Brüsseler Terrorzelle aus mindestens fünf Personen, wahrscheinlich aber bis zu sieben Personen, von denen zwei vermutlich flüchtig sind, einer in Haft und vier getötet wurden.

  • Khalid El Bakraou sprengte sich in der Brüsseler Metro in die Luft
  • Er wurde von einem Ungekannten begleitet, der vermutlich überlebt hat
  • Khalid El Bakraous Bruder Ibrahim zündete am Flughafen einen Selbstmord-Sprengsatz
  • Najim Laachraoui war der zweite Selbstmord-Attentäter vom Flughafen. Er war wegen der Anschläge von Paris erst vor kurzem zur Fahndung ausgeschrieben worden
  • Ein weiterer Unbekannter mit Hut, Bart und Brille ließ einen Sprengsatz zurück und floh
  • Salah Abdeslam wurde festgenommen, bevor er seinen Plan ausführen konnte
  • Mohamed Belkaid wurde bei einer Razzia erschossen

Da mehrere Attentäter fliehen konnten, ist davon auszugehen, dass die Terrorserie noch nicht beendet ist. US-Sicherheitsbehörden haben zudem laut einem Bericht des Senders CNN Erkenntnisse über weitere Anschlagspläne des Islamischen Staates (IS) in Europa.

Eine Auswertung von elektronischer Kommunikation und Aussagen von Informanten deute auf mehrere mögliche Ziele hin, die Mitglieder der Terrormiliz in den vergangenen Monaten ausgewählt hätten, berichtete der Sender unter Berufung auf Sicherheitskreise in den USA. Die Rede war von Plänen in unterschiedlichen Stadien.

Informationen, die nach den Brüsseler Anschlägen in einer Wohnung gefunden worden seien, deuteten darauf hin, dass mehrere weitere Ziele ausgewählt worden seien, berichtete der Sender.

Gestern hatte die Nachrichtenagentur AP berichtet, dass der Islamische Staat insgesamt 400 Kämpfer für Angriffe auf Europa ausgebildet habe.

Mit Material der AP und der DPA

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